25 (52) Wochen – ein Objekt: Der Kleine Prinz, der Widderschädel und die Schlange

Ursprünglich von Wortman angeregt, fotografiere ich jeden Sonntag das Metallfigürchen des „Kleinen Prinzen“ in einem anderen Surrounding. Heute, zu Beginn des November, scheint es mir angebracht, ihn neben dem Totenschädel eines einst herrlichen Widders zu präsentieren. Den Schädel fand ich vor vielen Jahren auf Samothrake, aufgespießt auf einem Pfahl, wo er ein Feld bewachte – vermutlich sollte er die wilden Ziegen davon abschrecken, den angebauten Klee zu fressen… Ich klaute den Schädel und trug ihn heim. Seither ziert er mein Atelier, und ich habe ihn oft gezeichnet und manchmal auch gemalt. Denn jeder weiß, dass Schädel toter Tiere ein wichtiges Motiv in der Malerei sind. (vergl hier oder hier oder hier).

Mitleidsvoll und nachdenklich schaut der Kleine Prinz auf den verwitterten Schädel. Vielleicht befragt er die Schlange, die sich zu seinen Füßen ringelt, was es mit dem Tod des Widders auf sich hat? Sie ist in solchen Fragen ja erklärtermaßen eine Expertin. Ich erinnere an die erste Begegnung des Prinzen mit der Schlange, erzählt von Saint-Exupery, ins Deutsche übertragen von R. Strassenburg

Auf der Erde angekommen, war der kleine Prinz erstaunt, niemanden zu sehen. Er hatte schon Angst, sich im Planeten geirrt zu haben, als sich ein mondfarbener Kringel in der Erde bewegte.

– „Gute Nacht“, sagte der Prinz auf gut Glück.

– „Gute Nacht“, antwortete die Schlange.

– „Auf welchem Planeten bin ich gelandet?“, fragte der kleine Prinz.

– „Auf der Erde, in Afrika“, antwortete die Schlange.

– „Ah! … Gibt es denn niemanden auf der Erde?“

– „Hier ist die Wüste. Es gibt niemanden in der Wüste. Die Erde ist groß“, sagte die Schlange.

Der kleine Prinz setze sich auf einen Stein und schaute hinauf in den Himmel.

– „Ich frage mich“, sagte er, „ob die Sterne erleuchtet sind, damit jeder eines Tages seinen Stern wiederfinden kann. Schau dir meinen Planeten an. Er ist gerade genau über uns … Aber wie weit er doch fort ist!“

– „Er ist schön“, sagte die Schlange. „Was machst du hier?“

– „Ich habe Schwierigkeiten mit einer Blume“, sagte der kleine Prinz.

– „Ah!“, sagte die Schlange. Und sie schwiegen.

– „Wo sind die Menschen?“, fuhr der kleine Prinz fort. „Man ist ganz einsam in der Wüste …“

– „Bei den Menschen ist man auch einsam“, sagte die Schlange. Der kleine Prinz schaute sie lange an:

– „Du bist ein lustiges Tier“, sagte er schließlich, „so dünn wie ein Finger …“

– „Aber ich bin mächtiger als der Finger eines Königs“, sagte die Schlange.

Der kleine Prinz lächelte:

– „Du bist doch nicht stark … Du hast nicht einmal Füße … Du kannst nicht mal herumkommen …“!

– „Ich kann dich weiter fortbringen als ein Schiff“, sagte die Schlange.

Sie rollte sich um den Knöchel des kleinen Prinzen wie ein Goldarmband:

– „Denjenigen, den ich berühre, übergebe ich der Erde, aus der er stammt. Aber du bist rein, du kommst von einem Stern …“

Der kleine Prinz antwortete nichts.

– „Ich habe Mitleid mit dir, so schwach wie du bist, auf dieser Erde aus Granit. Ich kann dir helfen, wenn du eines Tages Sehnsucht nach deinem Planeten hast. Ich kann …“

– „Oh! Ich habe sehr gut verstanden“, sagte der kleine Prinz, „aber warum sprichst du immer in Rätseln?“

– „Ich löse sie alle“, sagte die Schlange. Und sie schwiegen.

 

 

Ich schweige auch. – – –

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Jeden Sonntag ins Archiv. 1.November 2015: „Entwerden“

Jeden Sonntag steige ich hinunter ins Archiv, um festzustellen, was mich früher an einem Tag wie diesem umtrieb. Ich bleibe gleich im ersten Bloggerjahr stehen: 2015.

Ein erster November scheint grundsätzlich weise, wenn auch etwas trübe Gedanken zu befördern. Meine damaligen lesen sich so: „November. Auch hier ist er nun angekommen, trübe, grau und nass. Es ist eine Zeit des Vergehens. Ich nenne es Ent-Werden. Denn es löst sich auf, was sich im Laufe des Jahres als Struktur gebildet hat. Diese Strukturen müssen nun vergehen, um einem neuen Werden Platz zu machen.“

Strukturen lösen sich notwendigerweise auf, vergehen, damit Neues entstehen kann. Das betrifft nicht nur die Natur, sondern menschliche Verhältnisse ebenso. Wie mir scheint, sind wir in eine Zeit des Verwesens europäischer Herrlichkeit eingetreten. Schön ist das nicht anzusehen. Wer mag schon Verwesendes? Dennoch ist es ein notwendiger Schritt, damit sich Neues entwickeln kann.

Diese Figur, mithilfe von Naturmaterial, Papier und Farben auf Leinwand geschaffen, taufte ich „Entwerden“. Entstanden ist sie einige Jahre früher.

Gesellschaftliche Assoziationen verband ich damals nicht mit dem Bild. Vielmehr ging ich gleich ans Grundsätzliche:

In früheren Zeiten meinte man, das Leben entstehe spontan aus dem Schlamm.  Mutter Erde mit ihren Grotten – das war ihr Uterus. Auch heute wird die Entstehung des Menschen nicht viel anders, nur eben maskuliner erklärt: Gott erschuf Adam aus Schlamm und blies ihm seinen Atem ein. Aus Schlamm oder aus Erde, gelegentlich auch aus Staub, in den wir zurückkehren werden.

Der nächste Gedanke ist dann näher am Bild:

Mit dem Werden sind wir vertraut, und es freut uns. Die Schönheit der vergehenden Formen zeigt sich nicht auf den ersten Blick. Man muss schon näher herantreten. Da sieht man dann, dass sich im Prozess des Ent-Werdens bereits der Keim des neuen Werdens bilden möchte.

Ich denke, wenn ich das heute lese, vor allem an das Gewimmel von Maden im Kadaver. Auch eine Stelle aus Kafkas „Landarzt“ kommt mir unweigerlich in den Sinn (vergl. hier). Was aber sah ich damals, vor elf Jahren, als ich dieses Bild betrachtete und hin und her wendete?

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Ich war offensichtlich entschlossen, im Verfall nur das Positive zu erkennen, denn ich schrieb: „Einige Teile haben sich vom Corpus abgelöst und schwimmen im fruchtbaren Schlamm davon. Wenn man will, kann man darin die Vorformen neuer Lebewesen erkennen – wie es die Alten taten.“

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Möge es so sein! Und möge das Leben, das sich aus dem Alten gebiert, schön und erfreulich sein!

Καλό μήνα / Guten Monat November wünsche ich allen hier Mitlesenden!

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Oktober-Übersicht: Zeichnungen und Malereien

Für ein ordentliches Oktober-Resümee reicht es heute nicht mehr. Aber Abschied vom Monat Oktober möchte ich doch noch nehmen, beginnend mit einer letzten kleinen Zeichnung im Straßencafe, wo ich gestern nach dem Mittagessen einen doppelten Espresso trank.  Ich erinnere mich gern an diesen Moment. Es gab in diesem Monat natürlich spannendere und schönere, auch schlimmere Momente als diesen so alltäglichen. Was aber täte ich ohne die Straßencafes, wo ich sitzen und einen Espresso genießen kann, während die Augen den Raum durchwandern.

 

Ebenfalls beim Kaffeetrinken entstanden zwei Zeichnungen in der Altstadt

 

Wild und bunt und ganz anders als die sorgsamen Kalenderblätter des September sind die  des Oktobers ausgefallen. Es hat mir Spaß gemacht, gegenstandslos und spontan zu malen und rumzuklecksen, und ich hoffe, ein wenig von diesem Farbenrausch mit in den November hineinnehmen zu können. Ich habe nicht für jeden Tag ein Blatt gemacht, aber es sind doch etliche zusammengekommen.

Eine andere Serie, die ich in diesem Monat weiterführte, sind die Boote („Unser täglich Boot“). Es handelt sich um Zeichnungen in einem Zeichenbuch, das ich zu diesem Zweck anlegte. Manche der Boote habe ich in der Natur gezeichnet, andere nach gemalten oder fotografischen Vorlagen aus eigener Produktion (mit zwei Ausnahmen, wo ich fremde Aquarelle alsVorlagen benutzte).

Einige wenige Zeichnungen entstanden auch in der Zeichenschule, wohin ich zweimal zum Modellzeichnen ging.

So, das wars schon. Kein großes Werk ist entstanden, aber doch dies und das an Versuchen und Ideen. Ich danke dem Oktober und freue mich auf den November.

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Lust- und Unlustbarkeiten: Basar, Bouzouki und böse Überraschung

Gestern abend waren wir auf dem Basar mit selbstgemachten Süßigkeiten, Marmeladen, Gebäck zur Unterstützung des „Vereins der Freunde behinderter Menschen“, der im Kulturzentrum der Stadt ausgerichtet wurde. Wir begrüßten Mitarbeiter des Vereins, kauften einige der Leckereien und zogen dann weiter ins historische Zentrum, wo mein Mann noch ein Gyros mit Pitta essen wollte. Schön wars, man grüßte ein paar Bekannte und freute sich, als zwei Rembeten mit ihren Instrumenten an einem der Tischchen Platz nahmen und begannen, alte Rembetika zu singen. Es war eine schöne entspannte Atmosphäre, und so blieben wir noch ein bisschen.

die hübsche Kellnerin                                            der alte Rebete

Nach zweieinhalb Stunden, es war erst kurz nach neun, waren wir zu Hause. Ein merkwürdiger Anblick bot sich uns: durch den unteren Teil der Haustür drang Licht. Ja, ich hatte eine Lampe brennen lassen, aber wie zum Teufel … Nun, es waren mal wieder Einbrecher am Werk gewesen. Die schwere Tür hatten sie versucht auszuhebeln mit dem Erfolg, dass  zwar ein Spalt zwischen Tür und Rahmen klaffte, die Tür sich aber nicht bewegen ließ. Was tun? Mein Mann beschloss, dass er durch das Loch kriechen könne, um die hintere Tür zu öffnen. Und er schaffte es tatsächlich leicht!

Drinnen herrschte das nach Einbrüchen übliche Tohuwabohu, aber gestohlen war nichts. Das Atelier, in dessen Tür immer ein Schlüssel steckt, war nicht durchsucht worden, und so sahen die Diebe auch nicht das Geld, das ich dort ganz offen in einer Dose aufbewahre.

Da dies nun schon der vierte Einbruch und der zweite in diesem Jahr war (der andere war im Mai, und damals wurde die hintere Tür demoliert), beschlossen wir, die Polizei zu informieren. Die kam auch in Gestalt von zwei netten Beamten in Zivil. Sie rieten uns dies und das zur Sicherung des Hauses (automatisch sich anstellende Beleuchtung, Sicherheitsschlösser, Alarmanlage) und verabschiedeten sich. Ob denn keine Spurensicherung erfolge? Nun, wenn wir das wünschten, müssten wir morgen einen Antrag stellen… aber das täten die meisten nur, wenn Wichtiges gestohlen worden sei, was ja bei uns nicht der Fall war. M.a.W., es wäre vergebene Liebesmüh.

Nun ist der Schreiner da, hat die Tür geöffnet und macht sich an die Reparatur…. Ich machte noch schnell zwecks Illustration zwei Fotos: eines von Außen mit der provisorischen Plane, und eines von Innen mit dem Handwerker. Ich bin voller Bewunderung für meinen 85jährigen Mann, dass er fähig war, durch dieses Loch zu kriechen! Ich hätte nicht durchgepasst, glaube ich, und der Schreiner erst recht nicht.

Offenbar werden wir beobachtet, wenn wir das Haus verlassen. denn der Einbruch erfolgt, egal zu welcher Tageszeit, stets unmittelbar nach unserem Weggang. Das nächste Mal male ich ein Schild mit „Bitte eintreten, überzeugen Sie sich selbst: es gibt nichts zu klauen“ und lasse den Schlüssel stecken! Dann bleibt jedenfalls die Tür heil. Je mehr du sicherst, desto mehr Schätze hast du zu verbergen und desto teurer wird die Reparatur.

So, jetzt ist der Schreiner weg und die Tür wieder ganz! Nur das Schloss muss noch ausgetauscht werden. Das bringt uns der Schreiner am Montag. Bis dahin bleibt der Sessel als Hindernis vor der Tür stehen…

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Wanderung (Bilder von unterwegs)

Heute raffte ich mich zu einem größeren Spaziergang auf, den ich, gemessen an meinen Körperkräften, als Wanderung bezeichnen möchte. Sechs Kilometer auf und ab: zuerst hinauf zum Bergdorf Megali Mantinia, dann querfeldein hinüber zu einer anderen Asphaltstraße, die hinunter zur Sandovabucht führt, von dort eine Abzweigung zum Küstendorf Akrogiali. Von dort dann wieder querfeldein heim.

Viele,sehr viele neue Baustellen. Ich verstehe es ja, dass jeder sein Home und Castle bewohnen möchte, dennoch ist diese Zersiedelung ein Elend.

Blick auf Akrogiali!

Kürbisse und Kürbisblüte in einem Gärtchen am Ortseingang

Pause in Akrogiali. Ich setzte mich an einen Tisch am leeren Strand, der Besitzer brachte mir einen herrlichen frisch gepressten Orangensaft und einen Espresso, bevor er den Laden dicht machte. Bezahlen konnte ich nicht, da das internet ausgefallen war und ich nur eine Karte bei mir hatte. „Beim nächsten Mal“.

Panoramaaufnahme der Bucht von Akrogiali, von meinem Sitzplatz aus.

Die letzten anderthalb Kilometer waren mühsam, denn es ging noch mal bergauf, und ich fühlte meine Knochen. Doch als ich in den Garten trat und den Schatten eines Olivenbaums auf der Mauer mit dem Rosmarin sah, war ich schon wieder munter.

So, und nun noch eine Frage an die Wolkenkundigen: ich wundere mich immer über die rhythmische Formation der Wolken. Weiß jemand, was es damit auf sich hat? Man sieht es auch auf den anderen Himmelsfotos, besonders gut über Akrogiali.

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Farbspiele am Himmel und auf dem Kalenderblatt (Vergleich)

Meine letzten Kalenderblätter sind voller Orange, weiß und blau. Ist das Zufall? Oder hat sich da, mir selbst kaum bewusst, das Farbspektrum des Oktoberhimmels eingeschlichen? Beides, Himmelsfotos und Kalenderblätter, sind vom 26.10. .

 

Links: Auschnitt aus dem Kalenderblatt           rechts: ausschnitt aus dem Himmelsfoto

Auch das Schwärzliche der Olivenbäume und das flusig Verfließende der Wolken sind auf dem Kalenderblatt vorhanden.

Ein prächtiger Sonnenuntergang, gesehen von der Baustelle in der Nachbarschaft aus.

Gehe ich zu weit, wenn ich auch diese beiden Eindrücke vergleiche?

Nun aber möchte ich euch noch weitere Abendwolkenbilder vom 26.10. zeigen, aufgenommen inverschiedene Himmelsrichtungen . Zum Größersehen einfach anklicken.

 

 

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Kalenderblätter, 25.-28. Oktober: Gekleckstes, Geschabtes mit Details

Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich den Oktober unter das Zeichen des Narren stellte, den ich Anfang Oktober aus dem Tarotkartenspiel zog. Inzwischen sind vier weitere närrische Kalenderblätter entstanden. Ich behaupte keinesfalls, dass es sich dabei um Kunst handelt. Doch haben auch solche närrischen Klecksereien ihren ästhetischen Reiz und psychologischen Erkenntniswert. Schaut selbst!

Die Kalenderblätter vom 25.-26. Oktober sind teilweise durch Farbabdruck entstanden, ähneln sich daher sehr.

Interessant werden sie, wenn man Details herausschneidet und vergrößert. Spuk und Gespensterkram werden sichtbar.

Halloween lässt grüßen!

Wie gfindest du diese Spukgestalten?

Und wenn ich noch näher herangehe? Da zeigt sich das Närrische bis in die Einzelglieder hinein.

 

Die Kalenderblätter vom 27.-28. Oktober sind noch primitiver: weiß bzw gelbtonig auf schwarz, links geschabt, rechts mit der Tube aufgetragen und verrührt.

Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Details:

schwarz-weiß

farbig:

 

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Impulswerkstatt: Stichwort „Brunnen“. Mythisches und Märchenhaftes

Ein Rastplatz mit Tisch und Bänken und einem Brunnen, aus dem frisches Wasser strömt.

So viel gibt es über Brunnen zu sagen! Ist es denkbar, dass Menschen siedelten dort, wo sie keine Brunnen bauen konnten? Wo also beginnen?

Ich beginne an diesem Rastplatz mit einem schön gemauerten Brunnen, der uns an einem heißen Tag Erfrischung bot. Und lasse mich gedanklich treiben…

Der Brunnen liegt in Westmessenien am Eingang einer tiefen Schlucht, durch die ein Bach mit eiskaltem Wasser fließt.

Über diesem Wasserwunder gibt es eine sehr alte Siedlung, um 1500 v.Chr. war sie ein lebhaftes Verwaltungszentrum. Ausgezeichnet renoviert ist eines der vier mykenischen Gewölbegräber, vertrocknet ist, nach einem langen Sommer, das Feld davor. (mehr hier)

Peristeria, „Taubenhaus“, heißt der Ort, und die Schlucht ist nach den Neraiden benannt.

Gestürzter Baum mit Neraide (Foto-Zeichnung-Collage)

Die junge Frau, die diesen gestürzten Baum mit der schlafenden oder vielleicht schon gestorbenen Neraide besucht (denn Neraiden sterben, wenn ihr Baum stirbt), trägt in ihrem Gewand einen Krug mit Wasser. Es ist ein Trankopfer für die Göttin Artemis. (Die anderen beiden bringen ihr eine Taube und ein Häschen zum Opfer. Vravron, Ost-Attika)

Seit wir die Neraiden nicht mehr verehren: dürfen wir hoffen, auf unseren Wanderungen noch Brunnen mit frischem Wasser zu finden? O ja, es gibt sie noch!

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Kein Dorf ohne seinen Brunnen! Diesen sah ich  in einem Taygetosdorf.

Brunnen, wirst du sagen, sind das aber nicht, sondern gefasste Quellen. Brunnen gehen in die Tiefe.

„Wehe mir! Wo ist die Zeit hin? Sank ich nicht in tiefe Brunnen? Die Welt schläft“, so klagt Zarathustra in Nietzsches großem Werk. 

Oh Mensch! Gieb Acht! / Was spricht die tiefe Mitternacht? / „Ich schlief, ich schlief —,/„Aus tiefem Traum bin ich erwacht: —/ „Die Welt ist tief,/„Und tiefer als der Tag gedacht. /„Tief ist ihr Weh —,/ „Lust — tiefer noch als Herzeleid:/„Weh spricht: Vergeh! /„Doch alle Lust will Ewigkeit —,/„— will tiefe, tiefe Ewigkeit!“/—

„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?“ so beginnt Thomas Mann sein monumentales Werk „Joseph und seine Brüder„.

Der goldene Ball der Prinzessin fällt in einen feuchten Brunnen, in dem ein Frosch wohnt. (Der Ball rollt in den Brunnen, „der war tief, so tief, dass man keinen Grund sah“. Die goldene Kugel bedeutet die Vollkommenheit des Kindes, intakte Unschuld und Jungfräulichkeit. )

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Der Brunnen ist sowohl lebensspendend als auch bedrohlich – wie das weibliche Sexualorgan.

An diesem Brunnen, so sagt der Mythos, ruhte die verzweifelte Göttin Demeter, als sie nach ihrer Tochter suchte, die Hades, Gott der Unterwelt, geraubt hatte. Er befindet sich in Eleusis und führt womöglich direkt in Hades΄ Reich.

Ich habe in meinem Roman „Schwanenwege“ meine Heldin Swantje in höchster Not in einen Brunnen fallen lassen, dem einzigen Ausweg. Sie fällt und fällt und landet in auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und viel tausend Blumen standen. (Die ganze Passage  findet sich hier).

Eine Eidechse glitt über einen Stein, hob das Köpfchen, stutzte, krabbelte auf Swantjes Hand. Die Berührung war wie ein zarter Hauch. Funkelte nicht ein Krönchen auf ihrem Kopf? Swantje hielt ganz still und flüsterte:

Kroko, Krone, Krokodilchen,
hast wohl Lust auf Liebesspielchen?

Das Eidechschen züngelte und lispelte:

Woher kommst du, holde Nymphe?
Aus dem schwarzen Sog der Sümpfe?
Aus dem tiefen Brunnenloch,
woher kommst du, sags mir doch!
Wo fandst du das goldne Leibchen,
schönstes aller schönen Weibchen?
Wart ich bring dir sieben Schleier,
dass geschmückt du gehst zur Feier.
Tanzen wirst du, schönes Kind,
tanzen mit dem Frühlingswind!

und schon raschelte es davon.

Woher kennen wir das, dass in der Tiefe des Brunnens die Natur verständlich redet? Ach ja, von „Frau Holle„! Oder auch von „Goldmarie und Pechmarie“, wo die Apfelbäume Schüttel mich! rufen, und die Brote im Backofen rufen „Hol mich heraus!„, und die gute fleißige Goldmarie tuts und wird reichlich belohnt.

Eine „Frau am Brunnen“ spielt auch eine biblische Rolle. Wer war sie? Jesus traf sie in Samaria an einem Brunnen und kam mit ihr ins Gespräch. Das gehört sich eigentlich nicht, denn Juden reden nicht mit Samaritern. Diese Frau hatte, wie sich herausstellt, schon „fünf Männer“ und ist daher nach jüdischen Moralvorstellungen eine doppelt Geächtete. Sie sprechen über das Wasser, das die Frau jeden Tag schöpft und nach Hause schleppt. Wenn man es getrunken hat, wird man wieder durstig. Das ist ärgerlich. Als die Frau hört, es gebe ein Wasser, das für immer den Durst lösche, wird sie neugierig und will von diesem Wasser haben…. Diese Frau, eine Samariterin mit unordentlichem Liebesleben, wird in der christlichen Tradition zu Fotini (die Erleuchtete oder Leuchtende) und zur ersten Missionarin des Christus. Ihr sind viele Kirchen geweiht an Orten, an denen zuvor die dunkle Hekate verehrt wurde.

Ag. Fotini am Ilissos, Athen

Nun, das sind ein paar winzige Bruchstücke zu einem großen Thema. Danke für den Impuls, liebe Myriade!

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abc-etüde: Ungereimtes vom Alter (in gebundener Rede)

Abglanz
säuerlich
scheuern.

Das sind die Wörter, die der abenteuerzeit-familienreise-Blog für Christianes abc-etüden spendete.

 

Vom Alter

Dein Körper riecht jetzt säuerlich

Und in den Augen ist kaum mehr

Ein Abglanz früher Lebensfreude zu erkennen.

Das ist das Alter.

 

Willst du es tarnen? Wen willst du denn

Mit Düften, die nicht deine sind, verlocken?

Willst künstlich Glanz in deine Augen träufeln,

die welke Haut vielleicht

Mit Bürsten scheuern, bis sie rötlich

Wie bei den Jungen glüht?

 

Tus nicht! Sei keine Närrin!

Das Alter hat die Schönheit weggefressen

Und keine Rezeptur bringt sie zurück.

Was anderes hat dir das Alter aufgetragen

Als mit verliebtem Äugeln zu betören

Du brauchst jetzt Weisheit, meine Liebe,

und Verstand, und viel Geduld.

 

Vor allem aber musst du schweigen lernen.

Denn niemand braucht mehr, was du einst

Gelernt hast oder warst und träumtest.

 

Wenn brav du in der Ecke sitzen bleibst

Und manchmal einen neuen Hut spendierst

(Es darf auch gern ein teures Armband sein)

Dann wird die Jugend dir dein Alter wohl verzeihn.

 

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Impulswerkstatt, Bild 4: Kirchen und Kapellen in meiner Umgebung

Was wäre Griechenland ohne seine Kirchen? Dein Impuls No 4, liebe Myriade, ermuntert mich, noch ein paar weitere Kirchen, Kirchlein und Kapellen zu präsentieren, die so charakteristisch für die griechische Welt sind. Viele habe ich fotografiert, etliche gezeichnet. Hier beschränke ich mich auf wenige aus meiner unmittelbaren Umwelt.

Ich beginne mal mit dem allerkleinsten: Ist das schon eine Kapelle? Nein, es ist ein Nebengebäude in einem kleinen Kloster.

Kaum größer ist dieses alte byzantinische Kirchlein, das schön gerahmt von Zypressen und Ölbäumen den Eingang zu einem einst prächtigen, jetzt aber verwaisten Geschlechterturm bewacht.

Die Wände sind, wie es hier in der Mani üblich ist, mit alten Fresken geschmückt, deren Gesichter nach dem allgegenwärtigen Vandalismus der osmanischen Jahre wieder hineingemalt wurden.

 

Bedeutender, aber in keinem besseren Zustand sind die Fresken in der sehr alten byzantinischen Kirche in unserem Zentraldorf.  Erbaut wurde sie im 12. Jahrhundert mit Spolien (recycelten Bauteilen) aus dem 5. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz.

IMG_5452Ich habe mich gelegentlich in den nur durch das Tageslicht und die ewigen Lichter ein wenig erhellten Raum gesetzt und gezeichnet.

Hier sieht man sie von außen, vom Zentralplatz aus gezeichnet.

Die Hauptkirche des Ortes hat natürlich ganz andere Ausmaße. Man baute sie im 19. Jahrhundert, als die ursprüngliche zu klein wurde. Heute ist sie viel zu groß für das kleine Dorf. Architektonisch ist sie typisch für die stilunsichere Zeit des 19. Jahrhunderts: Es handelt sich um eine neoklassizistisch beeinflusste Kreuzkuppelkirche.

Rein byzantinisch und unverfälscht ist diese besonders schöne Kirche in Karytaina (Arkadien) aus dem 12. Jahrhundert, die wunderbar eingebettet in grünem Grund liegt. Schade nur, dass die Fresken sehr unfachmännisch renoviert wurden.

Ganz anders ist die Bauform der prächtigen Hauptkirche des Mani-Dorfs Ano Doloi. Sie ist deutlich venezianisch geprägt. Venedig beherrschte die Peloponnes (Moreas) von 1204/1209 bis 1500 und erneut von 1685/1688 bis 1715. Ich vermute, die Bauzeit liegt in der zweiten Epoche.

Aus der zweiten venezianischen Epoche stammt auch die Kirche in Alt-Kardamili, die ich sorgfältig zeichnete, freilich ohne den ganzen Glockenturm aufs Blatt zu bekommen. Und auch der Haupteingang wurde abgeschnitten, ts, ts!

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Ich mag es, wenn eine Kirche (und kein Windrad) die Silhouette einer Berglinie prägt. Diese hier steht oberghalb des Mani-Dorfs Stavropygio, wo ich mein Öl pressen lasse.

Die Kirche im Nachbardorf Malta – hier als Zeichnung mit überblendetem Foto – hat  venezianische Merkmale, wurde aber durch die Kuppeln dem byzantinischen Typus angeähnelt.

Namenlos ist keine der Kirchen, aber leider weiß ich meistens nicht, wem sie gewidmet sind. Von dieser aber weiß ich den Namen: „Lebenspendende Quelle“ heißt sie und liegt abseits im Gebirge neben einer Quelle, die jetzt freilich in Rohren eingefangen und für Bewässerungszwecke im Tal missbraucht wird.

 

Die kleinen Kirchen Griechenlands sind fast immer offen, so auch diese, die mir bei Regen inmitten wilder Natur Schutz gewähren sollte. Nur musste ich zuvor den Riegel mithilfe eines Steins öffnen.

Malerisches Moos und Flechten hatten die Fresken überzogen.

Zuflucht bei schwieriger Witterung bot unserer Wandergruppe auch diese geräumige leere Kirche, die gleich in eine Taverne umgestaltet wurde.  Sie liegt im winzigen Bergdorf Ano Verga, dessen Lichter mir immer des Nachts vom gegenüberliegenden Berghang herüberleuchten.

Nein, ich werde jetzt nicht auch noch die großen Kirchen von Kalamatas vorstellen, von denen es zahlreiche gibt. Denn Kalamata ist Bischofssitz und stark kirchlich geprägt. Hier nur zum Abschluss die Skizze einer der größeren Kirchen, die ich immer sehe, wenn ich den Zeitungskiosk ansteuere. Ich zeichnete den komplizierten Säulenvorbau und fügte später die Farben durch Überblendung mit einem Foto hinzu. In Wirklichkeit ist sie gelb.

 

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