Auf dem Monitor hüpft mein Herz
Kerngesund sagt der Arzt
Das Kontrastmittel wuselt
In der Herzkammer
Wie Daunen in der Bettfedernreinigung
Ich bin nicht froh
Auf dem Monitor hüpft mein Herz
Kerngesund sagt der Arzt
Das Kontrastmittel wuselt
In der Herzkammer
Wie Daunen in der Bettfedernreinigung
Ich bin nicht froh
Wenn sie vorbeirauschen
Auf der Autobahn
Denken sie keine Sekunde dran
Dass im alten Kloster
Haller am Fenster stand
Nachdem die Seminaristen
Lachend verschwunden waren
Sätze vor sich hin sagte
Worte
Hinab ins Wasser streute
In den Fluss dichtete
Nicht mehr loskam vom Wasser
Die Kleintierschau findet
Beim alten Schulhaus statt
Tombola und Festwirtschaft
Bei der Turnhalle
Unter Dach zum Glück
Petrus meint es nicht gut
Kleine Kinder umringen die Käfige
Der Jungtiere
Man kann über Tierhaltung
Geteilter Meinung sein
Eine Mutter ruft
Zieh dir die Jacke an
Züchter versprüren Befriedigung
Bei der Ausübung ihres Hobbys
Man muss einen Bon kaufen
Und dann am Wurststand anstehen
Auf Festbänken sitzt man
Beieinander
Das ältere Paar sucht den Namen
Vom ersten Goalie vom Hockeyclub
Er spezieller Typ sei er
Der Name liegt auf der Zunge
Wir sind in dem Alter
Wo man Namen vergisst
Vergesse Namen schon jetzt
Sage ich und beisse ab
Kinder sind bei den Küken
Und Kaninchen
Der Erhalt der Zuchtrassen
Sei wichtig
Das Maximum einbezahlen auf Konto 3a
Sodann: eine Karte schreiben
Büttenpapier
Mit chinesischer Weisheit
Gut und recht
Beim Wein sinnieren
Wie schön man es hatte
Als man nicht alles hatte
Recht und billig
Kurzstreckenbillet
Als Spesen ausweisen
Würdig und recht
Neuerdings
Dick+Doof
Ringgi+Zofi
Nimmsch no en Kafi
Trinkemer zäme en Kafi
Chumm s hät no Kafi
Wenigstens so lange
Wie es dauert
Einen Kaffee zu trinken
Haben wir Ruhe
Vor allem
Von alter Grösse gelesen
Gedacht
Jetzt geht’s los
Sie kommen ums zu merken
Grand Hotel Brissago
Bevor Bagger anrollen
Verstohlenes Einsteigen
Jagen nach Geschichten
Tropfenzähler
Beweist das Gegenteil
Am Lieferwagen die Aufschrift
«Fugendichter GmbH»
Wir denken dabei an die Fuge
Aus Schuberts Messe in As-Dur
Ich kannte mal einen
Der Russisch lernte
Um Tolstoi im Original zu lesen
Doch er kam nicht vom Fleck
Lieber schlief er aus
Sass in den Unterhosen
Auf dem Sofa
Während ich mit dem Altglas wegging
Die Bücher blieben unberührt
Er las Tolstoi nicht einmal
Auf Deutsch
Gedankensplitter
Fadenscheiniges
Schlangenhaut auf dem Weg
Eidechsenleder per Centimeter
Man muss sich ein dickes Fell zulegen
Ausgeweidete Schreibmaschinen im Wald
Rotmilane kreisen über der Anstalt
Spaziergänge am See
Haben mich immer gelangweilt
Diese seesüchtigen Schlendriane
Dieser Promenadenblödsinn
Haben immer etwas zu besprechen
Dann und wann bleiben sie stehen
Schauen hinaus:
Wellen blinken
Boote schunkeln
Eimer stinken
Tauben munkeln
Vögel kreischen fürderhin
Voll Futterneid
(wie Menschen)
Scheissen weiss auf öde Landungsstege
Blasse Gesichter im Gleichschritt
Gehen gsunntiget nebeneinender
Ich lasse den See sein
Vom Beginn der Zeiten ist wenig überliefert
Wenig auch aus der Altsteinzeit
Spärlich dokumentiert sind Kelten
Doch immerhin ritzten Römer
Malten Mönche Quadratnoten
Die Meisterschaften der letzten Jahrzehnte
Kann man problemlos nachlesen
Tabellen und Torverhältnis
Davos-Villars beim Stande von 1:0
Wegen starkem Schneefall abgebrochen
Aktenkundig
Was unsre Tage betrifft
Wird es dereinst
An geneigter Leserschaft fehlen
Der Zug in den Süden setzt sich in Bewegung
Die Frau im braunen Kleid
Die eben den Soldaten noch leidenschaftlich küsste
Schreitet lachend auf dem Perron mit
Beginnt zu rennen
Man lehnt sich neben dem Soldaten
Aus dem Fenster und sieht
Das flatternde Kleid die Bahnhofshalle
Die untergehende Sonne
Eine Zeitlang spielten wir
Wir wären ein Männerchor
Jakob war Sänger
Ich versuchte ihm
Das Lied beizubringen
Welches am Dienstagabend
Jeweils aus dem Saal klang
Das Väter daheim summten
Starb später in den Bergen
Ertrank im See
Wo es heisst
Es hause ein Ungeheuer drin
Halb Kuh halb Drache
Man fand ihn nie
Schleichen durch
Meine Träume
Auf weichen Pfoten
Gehen sie
Rollen sich
Vor meinem Bett
Zusammen
Neofelis nebulosa
Sie schnurren
Die Nebelmuse
Hat sie geschickt
Musa nebulosa
„Brainstorming!“ rief die Lyrikpäpstin
Rigoberta von Richenstein-Brandenberg in den Saal
Wo Dichtschwestern und dichte Brüder
Im Dichtestress
Über Notizheften brüteten
An Weltschmerz litten
Dortselbst selbstvergessen zeichneten
Mit der Hingabe von Kleinkindern
Mindmaps kraftvoll aufs Papier warfen
Blauer Filzstift/ Auch zögerlich ans Werk gingen
Arlette schrieb fleissig mit/ Tauschte
Mit Bärtschi verstohlen Blicke
Ideen von Gedichten
Die nie veröffentlicht werden
„Silberfähre“ hörte man Bärentritts Bariton
Birbaum-Rotzetter flippte am Flipchart fast aus
Vor lauter Inspiration/ Die durch schwülen Saal waberte
Macht ein neues Organigramm
Schlug eine Muse kaugummikauend vor
Das Brainstorming ging weiter/ Sie schrien
Begannen schliesslich rhythmisch zu klatschen/ Zu stampfen
Standen von den Klappsitzen auf
Zur Standing-Ovation
Bis zuletzt alle schrien: Ga! Ga! Ga!
Und Bärtschi in seine Agenda notieren durfte
Dach/Dicht/Doch
Es wieder durchstrich/ Mit Ausmalen begann
Zu Arlette schielend
Bevor wir die Safari gemacht haben
Auf unserer Reise
Jagende Leoparden
Wenn man Glück hat
Stand ich auf dem Balkon
Und sah
Wie aus der dichten Baumkrone
Ein Falke einen Spatz griff
Forttrug übers nächste Dach
Die andern Spatzen machten weiter
Flatterten zwitscherten
Als wäre nichts geschehen
Wenn ich jetzt ein Fotograf wäre
Dann könnte ich die vier alten Frauen
Die plaudernd auf der Bank am Kreisel sitzen
Fotografieren
Ich bin aber kein Fotograf
So fahre ich vorbei
Wenn ich jetzt ein Fotograf wäre
Könnte ich die vier jungen Frauen
Die nebeneinander auf dem Trottoir gehen
Ablichten
Aber ich bin kein Fotograf
Fahre weiter
Wenn ich jetzt ein Fotograf wäre
Könnte ich mein Stativ aufstellen
Warten
Bis die Sonne richtig steht
Aber ich bin kein Fotograf
So bleibt das Sujet
Glänzen regennass
Müde Autos
Aufgereiht
In fahlem
Kandelaberschein
Als riesenhafte
Käfer
Schwerer Regen klatscht auf die Brüstung
Wilder Wind treibt Wolkenrosse über den Hügel
Ein Helikopter trudelt wie ein lästiges Insekt
In den Zirkuswagen schlafen Katzen
Wohltuenede Ordnung
Botanische Tafeln zeigen an
Mag Welt auch branden
Ribbeks Birnen an der Mauer
Gezüchtet
Fische im Zierteich
Hühner scharrend
Rondell
Brunnen fliessen
Allee mit Laub und Melancholie
Ich träume
Ich sei Prometheus am Fels
Dunst aus dem Bach
An der Bahnlinie
Ein Fischreiher starr
Eilmeldungen
Erst später die Sonne
Helle Berge
Vermehrt kommt es vor
Dass Möven sich
Auf unsern Dächern niederlassen
Der Stausee verleidet einem
Leichter Wellenschlag
Der Kanal führt Unterwasser
Braune Hügel
Wie in der Toscana
Am Bahnübergang lud man gestern
Einen Velofahrer in die Ambulanz
Heute Morgen steht sie bei der Fabrik
Die Hitze macht das Schreiben schwer
Worte kleben fest
Rattern
Möhnen
Surren
Rumpeln
Kratzen
Knattern
Hämmern
Läuten
Sirren
Brummen
Schaben
Schellen
Pochen
Klirren
Zeigen an
Ein neuer Tag
Ein neues Werk
Bleibe einstweilen liegen
Seit ich ein Boot baue
Schreibe ich keine Gedichte mehr
Hantiere ich jetzt mit Epoxydharz
Verklebe Textstellen zu einem Rumpf
Eine Arche aus Worten
Sollte ich bauen
Nun hoble ich Leisten und länge ab
Beuge mich mit dem Zirkel über Verse
Es ist die Sehnsucht nach der Sintflut
Und während ich korrigiere und nachrechne
Sitzen Raben da
Und lauern Katzen im Hof
Und fallen erste zaghafte Tropfen
Und kommt über die erste eine zweite
Und über die zweite eine dritte Lackschicht
Und wird uns mit einem Olivenzweig
Eine weisse Taube den Weg weisen
Ich muss unbedingt nocheinmal
Auf die Krähen zurückkomnmen
Die Jungvögel vom Dach
Die sich unter dem Regen ducken
Sie scheinen noch viel lernen zu müssen
Ungerschlacht
Jetzt sind sie fort
Aber sie machens nicht schlecht
Füllen ihr Krähendasein aus
Mit starken Schnäbeln picken sie
Da und dort
Gemahnen dreifach mich
An Hans Huckebein
Und die Ohrfeige des Lehrers
Der mich heimschickte
Weil ich die Strophen nicht konnte
Man hat sie nicht überall gern
Und sagt
Sie brächten den Tod
Und picken den Toten
Die Augen aus
Wo doch sowieso gestorben wird
Der Tag geht nun zur Neige
Es könnte ein Gewitter geben
Einen Heidenlärm machen die Krähen
Die über dem Haus kreisen
Als ich die Zeitung lesen will
Jungvögel wohl
Ihrer Art und Grösse nach
Ich lege das Blatt weg und schaue zu
Die Jungen haben es wohl (auch)
Nicht einfach
Später hat sich alles beruhigt
Es schwirren noch Schwalben
Drei Krähen liessen sich still
Auf dem Dachfirst des Nachbarn nieder
Dort oben schauen sie hinunter
Putzen sich das Gefieder
Picken sich gegenseitig liebevoll
Den Anschein nach vertraut
Setzen sich nun gar nieder
Scheinen sich da oben wohl zu fühlen
Dann von weiter her wieder Krah
Grillen und Schwalben
Voll in die Abendruhe
Ich verfertige eine Zeichnung der Szene
Muss 5x neu beginnen
(Proportionen vom Dach)
Als ich wieder schaue
Sind sie weg
Morgens durch Landschaft
Sonne leuchtet
Kühler Zug vom Wäldchen
Landwirtschaftliches
Maschinen und Geräte
Zufriedenes Surren und Brummen
Und inwendig ein Choral
Nach dem Mittag
Gluthitze
Eine Katze liegt auf einem katzengrossen
Schattenfleck
Fast unsichtbar
Ein Pferd hebt den Kopf
Bläht die Nüstern
Schattenhalb
Seitab gleissendes Licht
Spärlicher Wasserstrahl am Brunnen
Doch frisch der Trunk
Bleibt Zeit stehen
Auf dem Feld wird geerntet
Staubige Wege
Bestes Wetter zum Turnfest
Die Holzbauten auf dem Festplatz sind solide
Der Ausstoss hektoliterweise
Heute früh ging ein Kranzturner
Durch meine Strasse
Er ging, wie Psychiatriepatienten mit zuviel Haldol
Ging barfuss und in roter Turnhose
Die Bierflasche in der Hand, wie eine Laterne
Voll, wie Haubitzen
Haben sie das Pulver verschossen
Am Bahnhof sammeln sich Vereine
Turnerinnen und Turner in frohem Reigen
Müde und zufrieden
In lustiger Folge tragen Fähnriche stolz
Ihr Banner
Blumensträusse und Ehrenbecher
Kränze
Nehmen auf dem Perron lauwarmes Bier
Singen beim Einsteigen
Am Nachmittag dann misst sich die Schuljugend
Über 60 und 80 Meter
Freudiges Geschrei und aufgeregte Eltern
Erinnern mich an die Schulzeit
Zu zweit in der Altersklasse gestartet
Freute mich Silber nicht
Am grünen Stausee
Entenmutter mit 7-10 Küken
Am Wehr:
Ein Kran mit Greifzange
Fischt Schwemmholz
Aus dem Staubecken
Mit einem Motorboot fährt ein Arbeiter
Kreismanöver
Treibt Schwemmteppiche zum Kran
Eine Krähe schreitet auf einem Stamm
Der sich leicht in der Achse wiegt
Taucht den Schnabel ins Wasser
Gemahnt an Hans Huckebein
Sonne wärmt
Rückwärtig passieren Züge die Brücke
Güter und Personen
Fahrplanmässig
Im Nachtzug steht ein Kind am Fenster
Am Lieferwagen die Aufschrift
«Total Fugendichter GmbH»
Wir denken dabei an die Fuge
Aus Schuberts Messe in As-Dur
Beim Arzt:
Dieser sass am Feiertag über Akten
Farbige Kartonmappen in Stössen
Diese sind unterschiedlich dick
Einige enthalten Skizzen
Andere Romanfragmente
Totholz
Eichelhäher
Kein schöner Land
Gedichte sind Teil des Problems
Einer warf vorletzte Woche ein Glas
Aus dem vierten Stock
Spaziergänge am See
Haben mich immer gelangweilt
Diese seesüchtigen Schlendriane
Dieser Promenadenblödsinn
Haben immer etwas zu besprechen
Dann und wann bleiben sie stehen
Schauen hinaus:
Wellen blinken
Boote schunkeln
Eimer stinken
Tauben munkeln
Vögel kreischen fürderhin
Voll Futterneid
(wie Menschen)
Scheissen weiss auf öde Landungsstege
Blasse Gesichter im Gleichschritt
Gehen gsunntiget nebeneinender
Ich lasse den See sein
Den Dichtern ins Stammbuch
Memento mori
Noch jeden kriegte er ins Lotterbett
Er adelt Dichter immerhin
Füllt Bibliotheken
Im Anfang war das Wort
Bestenfalls
Spass verstand der Rippenmann noch nie
Auch das Versmass sagt ihm nichts
Worte sind vergänglich wie Gräser
Man reisst sie aus
Wirft alles ins Feuer
Memento mori
Vergiss nicht
Woher du kamst
Ungewiss wohin
Der neue Ort muss gut sein
Zurück kam keiner
Männer verschiedenen Alters
Stehen im Schneegestöber
Vor dem Industriebau
Ihrem Gotteshaus
Einige steigen in Autos
Andere gehen zu Fuss
Hände in den Taschen
Sie gehen zu den Häusern
Streben dem Bahnhof zu
Den äusseren Quartieren
Gehen über den Steg
Mit dem allgemeinem Fahrverbot
(…)
Der Wind lässt das Bäumchen
Im gelben Schein tanzen
Zerrt an letzten Blättern
Unruhige Wimpel
(…)
Skifahrer gleiten auf Fellen
Bergwärts
Zur Querung des Bächleins
Werden die Skier abgenommen
Ein paar Meter weit getragen
Der Steilhang ist mit Spitzkehren
Gut machbar
Es setzt Schneefall ain
Zuweilen schauen alte Männer zu
Wie Häuser abgebrochen werden
Sie haben die Hände in den Taschen
Mützen sind nicht selten
Die Frauen schickten sie spazieren
Wir schreiben ab:
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weissen Wegen
streckt sie die Zweige hin- bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit
Rainer Maria Rilke
Lernten auswendig
Lichterheilig
Mit dem Buch am Küchentisch
Schneeflocken tanzten
Im Ofen Feuer tobte
Die Mutter am Guezle
Das Haus voller Duft
Der Tiger zusammengerollt
Die Vorfreude
Draussen Teig zum Auskühlen
Prägten uns die ersten vier Zeilen gut ein
Der Rest wollte uns nicht in den Kopf
Aus Gesundheitlichen Gründen
(Gesundheitlichen gross)
Bleibt unser Lokal ab sofort geschlossen
& bedanken uns bei allen
Die uns über all die Jahre die Treue gehalten
Es war schön mit Euch
Werni+Jeanette
(Gilt auch als Leidzirkular)
Es war absehbar
Werni mit Sauerstoff/ Blieb viel hinten
Jeanette/ Krücken/ Tremor
Ein Letztes Tschumpeli
Temperiertes Herrgöttli
Wie er diese Saisonstelle gehabt hat
Arosa/ Unvergessen
Die Wirtin/ Damals/ Kochte an Weihnachten
Fürs Personal/ eine Erbsensuppe/ eine Suppe
Gnagi/ Schnörrli/ Schwänzli/ Alles
Der Boden fürs grosse Besäufnis
Heute Geschäftsübergabe
Zwei Herren im Anzug
Inventar übernommen
Balken und Wagenräder kommen weg
Man wünscht Erfolg
Nicht zum ersten Mal seit das AJZ
Bei Nacht und Nebel abgerissen
Fehlt ein Unterschlupf/ Ein Platz zum Sein
Wo man sich nach Befehlsausgabe
Verschlaufen kann
Erstens
Fahrt durch ein Land mit Kopfweh
Alles (die Landschaft)
In nebulöse Watte gepackt
Häuser und Schafe
Hügel gar
Zweitens
Rabattmarken einkleben
Drittens
Bruchwaren günstig erstanden
Viertens
Playmobilstadt mit Denkmälern gespickt
Fassaden und Herbst
(Laubhaufen+Bläser)
Geflügel
Hinrichtungen in der Steinach
Gemäss Tafel
(Ertränken)
Gallus zähmt den Bären
Diesen verschlugs ins Wappen
Morgenregenfrisch
Anwohner ziemlich freundlich
Funiculaire
Fünftens
Rückfahrt in die goldene Sonne hinein
Sechstens
Ansichtskarten
Das Wirken der Menschen berührt eigenartig
Gedanken sintern
Zuhinterst in enger Schlucht
Auf bewachsnem Sporn
Von kalten Wassern umtost
Die Grundmauern einer Kapelle
Wer mag sie dort hinten gebaut haben
Und weshalb
Wie nagte der Zahn
Jetzt thronen Bäume
Stauden
Liegen Steine und Mörtel
Archäologen fehlen
Heute alles klar wahr
Das Gefieder des Schwans
Schön und gut
Einleuchtend
Ideal
Die morgendliche Fledermaus
Über den Hochhäusern am Stadtrand hatte sich eine riesenhafte dunkle Wolke zusammengebraut. Das Luftgebilde sah aus, wie ein gigantischer Steinbrocken, der sich langsam senkte und die Häuser zu zerdrücken drohte. Darunter, bei den Häusern, waren Kinder auf dem Weg von der Schule. In den Häusern bemerkte man die Vorgänge am Himmel nicht. Im nahem Fluss spiegelte sich nun die Wolke und es sah nicht gut aus. Sie verhiess nichts Gutes, wenigstens Regen. Dass dieser kommen würde war der allgemeinen Wetterlage geschuldet, von der gestern Prognosen kamen. Es wäre lächerlich, wenn man sich bei der meteorologischen Anstalt melden würde um genauere Angaben über die besagte Wolke zu erhalten. Von den Hochhäusern, keiner beliebten Wohngegend, würde nichts übrig bleiben. Sie würden ob der schieren Grösse des Steins zermalmt. Es wäre eine regelrechte Katastrophe, welche die kleine Stadt in der Weltöffentlichkeit bekannt machen würde. Im hintersten Hinterindien würde man ungläubig auf Bildschirme schauen und sehen, was kaum zu glauben wäre, eben, dass eine Wolke, zu Stein geworden, eine ganze Hochhaussiedlung am Rande einer Kleinstadt unter sich begraben würde.
Spätsommer
Sah heute einen Knaben in kurzen Hosen
Behende unter einem Zaun durchschlüpfen
Der Sommer sei schlecht gewesen
Sagen sie
Lustig und grün zieht das Wasser
Bei der Fähre vorbei
Erstmals dachte man morgens
Herbst
09:17
Regen tropft aufs Vordach
Ein Mann
Daunenjacke/ Sonnebrille
Meditiert vor einem Herrgöttli
(…)
T-Rex
Ein riesenhafter Bagger
Aregger AG
Reisst die Flanke
Eines Gebäudes auf
Armierungseisen/ Gekröse
(…)
Der Tod ist in unserer Nähe
Wenn
Man dem halbseitig Rasierten
Seine Morgendosis reicht
(…)
Schneeforscher Schneebeli
Gäbs ihn nicht
Müsste man ihn erfinden
Inmitten des Geblöks
Der aufstrebenden Stadt
Sitzt dunkel gekleidet
Ernst dreinblickend
Umwölkte Stirn
Signalisiert Weltschmerz
Die Suche fürs einzig Wahre
An Stoffen leidend
Obwohl noch jung
Vor leerem Notizblock
Mit Kaffee und Zigarette
Vom Leben umbrandet
Dem Hupen und Brüllen
Durch uns hindurchblickend
Der Welt entrückt
Arbeiter des Wortes
Sich an kaltem Kaffee labend
Besser
Diesen gar nicht trinkend
Requisit zur Installation
Einen Schriftsteller darstellend
An Bistrotisch sitzend
Ein Clichée bildend
Einsamkeit wirkt
Zweistellig
In den Wohnungen (des Herrn)
In Liegenschaften
Er (der Tod) lacht uns an
Aus Fotografien
Vergilbten Albumseiten
Zahnlücken
Bild der Vergänglichkeit
Nippsachen voller Staub
Meisterschaftswimpel
Einsamkeit dringt durch Ritzen
Schlüssellöcher
Zuweilen bis ins Treppenhaus hinaus
Auf Vorplätze
Wo einst wir uns die Knie aufschlugen
Teppichvorleger (stumm)
An ihren Bildern sollt ihr sie erkennen
Pokale schmücken Vitrinen
Erste Schultage
Lachende Menschen (oft)
Auch Nachdenkliche
Schnappschüsse
Unschärfen
Friedhöfe sind eine Zumutung
Diagnosen
Leergut rausbringen
Altpapier
Wieder eine anzünden
Hören die Vögel nicht
Das heisere Husten der Elstern
Heimweh hiess früher
Schweizer Krankheit
Das dünne Läuten der Kapelle vom Hügel
Still noch liegt die Wagenburg
Der Fahrenden
BE FR Kennzeichen
Krähen sind zugange
Motorrad unter dem Baum
Die aufblasbare Riesenerdbeere
Tagsüber mit den Ärmchen rudernd
Wenn das Feld zum Pflücken offen ist
Liegt schlaff in der Wiese
An eine Montgolfière gemahnend
Ein Reiher
Fernöstliches evozierend
Ein feiner Regenbogen an der andern Talseite
Bei W. setzt Regen ein
Dort fährt ein Auto an
Ruhende Behausungen
Stumme Gärten
Leichte Tropfen netzen die Pellerine
Kalt ist es ja nicht
Zügig radelt man weiter
Beim Haus mit dem Turm öffnet sich der Blick
Ferne die Berge
Kein Fischer am Fluss
Regentropfen Kreise ins Wasser zeichnend
Vier schwarze Vögel (Krähen) fliegen in einen unruhigen verdunkelten Himmel mit groben Wolken. Sie bilden vier Eckpunkte eines Vierecks oder Trapezes, dessen Seiten sich, je nach Flugbahn der Tiere, unablässig ändern. Für kurze Zeit überkreuzen sie sich, um dann, bevor sie aus dem Blickfeld verschwinden (Hinter den Häusern) abermals eine geometrische Form darstellen, angedeutet mit Eckpunkten.
Regen fällt aufs Blätterdach
Vom Höhleineingang tropfts
Kühle Grubenluft
Kalk und Mergel
Nebel verhüllt zeitenweise die Dörfer
Bietet neue Einblicke ins Land
Ein Grünspecht zog seine Bahn
Der Abstieg schwer
Man kommt mühsam voran
Glitschiger Fels
Über der Kreuzung der Landstrasse kreisen Schwalben
Sie zeichnen kreischend Kreise
Unten stocken Lastwagen
(…)
Morgens leichter Regen
Sonne
Den Wald sanft ausleuchtend
Wenn mans könnte müsste man
Das Stativ aufstellen
So bleibt der Regenbogen
Mit einer abgebrannten Zigarette im Mund
Befestigt (…) ein kleines Banner
Für die Initiative gegen Pestizide
Geduldig knüpft er die Schnürchen am Zaun fest
An der Limmat
Unweit der Stelle wo Massena
Den Brückenschlag wagte
Eine Entenmutter mit drei Jungen
Junge Männer lümmeln auf Elektrorollern
Das Risimännli
Wild Geige spielend
Was vorkommt
Wenn das Wetter ändert
Der Fischer nach dem Spitalaufenthalt
Der
Wenns geht
Jeden Tag draussen auf dem See war
Um die Fische gehe es schon lange nicht mehr
(…)
Oft packt man seine Sachen zusammen
Nickt sich einen letztes Mal zu
Geht mit den besten Wünschen
Briefen im Gepäck
Hinaus auf die staubige Landstrasse
Verspricht
Sich bald wieder zu zeigen
Wenigstens Nachricht zu geben
Man zog mit dem Wind fort
Stieg über Stege
Ging zu den Bergen
Bis ans weite Meer
Kehrte nie zurück
Schulterte den Sack
Den ein jeder zu tragen hat
Ein Tier auf dem Weg
Hastig fressend
Entpuppt sich als Lichtspiel
Plastictüte und Wind
Velo
(…) wann immer alltäglicher Ärger wucherte, wie ein Geschwür. Die Zumutungen der menschlichen Existenz zudringlich wurden, Probleme, (…) wenn er sich unverstanden fühlte, auch müde, es satt war, immer und immer wieder von vorn zu beginnen, setzte er sich aufs Rennrad, während Gedanken Purzelbäume schlugen. Das Gehirn rekapitulierte die Sitzung mit diesem B. (Arschloch), Wort für Wort, Phrase um Phrase. Das Gewäsch derer, die sich gerne reden hören. Vorallem dieser B., wie bereits erwähnt, Schafseckel. (…)
Dazu Selbstzweifel, Trauer, Unrast. Jetzt murmelte er die Sachen, die man B. hätte sagen müssen. Kalter Wind blies ihm um die Ohren. Radfahren verlernt man nie. Wenn man es einmal erlickt hat, kann man es immer. Es geht im Wesentlichen darum, das Gleichgewicht des Fahrzeuges zu halten, und gleichzeitig mittels der Pedale, die nötige Kraft aufzubringen, die eine flotte Fortbewegung sicherstellt. Man entwickelt ein Gespür fürs Fahrrad. Man kennt die Fahreigenschaften auf trockenem Asphalt, nassem Laub, frischem Schnee und Kies. Man erinnert sich an Fahrten im Eisregen und kaputtem Reissverschluss. Man spürt Staub auf der Zunge, unbarmherzig brennt die Sonne auf die Strasse. Dass man einmal die Handschuhe vergass, vergisst man nie.
(…)
Es stellte sich nach den ersten Kilometern eine gewisse Beruhigung ein, die sich bei der ersten Steigung verstärkte. Bilder wurden kleiner, verschwommener. Worte klangen leiser und verloren Eindringlichkeit, während die Beine in die Pedale traten und das Herz klopfte. Als man das Dorf unterhalb zu Gesicht bekam, wurde der ausgleichende Effekt noch einmal stärker. Puls und Kraft hatten nun die Gedanken übersteuert. Zweifel, Trauer, Wut, alles schien zu schmelzen, wie Asche zu zerfallen. Der Kopf wurde frei, leer. Sorgen verflüchtigten sich, wie Morgennebel in den Wässermatten, wenn Katzen lauern. Mit jeder Kehre, die dazugewonnen wurde, wuchs Freude. Es stellte sich innere Ruhe ein, während das Herz kräftig klopfte. Die Unbilden des Lebens waren weg. Das Rennrad an einen Masten gelehnt, sah er die Welt, Landschaft unterhalb, mit andern Augen. Es hatte alles einen zauberhaften Glanz erhalten. (…)
Dann schwang er sich in den Sattel und nahm die Abfahrt in Angriff, als gäbe es keinen Morgen mehr.