Oft stehen Brandruinen, Reste von Hรคusern lange. Und erstaunlich oft gibt es sie. Wenn kein Geld da ist und natรผrlich niemand ein Grundstรผck mit einer teuer zu entsorgenden Ruine kaufen wรผrde. Und es ist auch ziemlich eklig da drin, wenn niemand zu Schaden gekommen ist.
Eine Melange aus Glasscherben, geschmolzenen Stiefeln und verkohlten Balken, verbogene Bleche, und Dinge, bei denen man rรคtseln muss, was es mal war. Der Rest als Gerippe erkenntlich: Heizlรผfter und Radios, zu rettendes Werkzeug, ein Beil ohne Stiel. Und der Geruch.
Gestern hat sich das Heu wieder entzรผndet, es qualmte noch und der Ostwind fuhr hinein, wieder Feuerwehr, am Samstagabend. Der Stall war ein vollgestopftes Lager und erst nach und nach geht ihm auf, was da alles war. Dafรผr findet er im Haus , auf dem Dachboden Kleidung und Sachen, die er vรถllig vergessen hatte. Freunde schenken Socken. Der PC und die Musik sind schon wieder angeschlossen. Der Alltag muss weitergehen.
Aber die Nerven sind angespannt, noch im Alarmzustand. Man will alles gleichzeitig tun, Leute melden sich und wollen helfen, aber es ist noch nicht soweit. Durcheinander รผberall. Dann kommen die Vorschlรคge, aber wohin damit.
Manchen Menschen geschehen รถfter solche Ereignisse und sie fallen immer wieder auf die Fรผแบe. Aber es kann auch sein, dass mal ein traumatisierter Seelenanteil abgespalten wird, oder auch aktiviert wird. Ich erinnere mich an den Waldbrand auf La Gomera von 2012, wo viele Menschen alles verloren und evakuiert wurden. Davon sieht man heute nur noch die schwarzen Palmen und die meisten Besucher wissen gar nichts davon. Nur kennt man den einen oder anderen, den der Verlust der Bรคume oder Tiere so depressiv machte,dass er sich nicht wieder davon erholte. Hier wie dort. Feuer ist gnadenlos.
Die รberforderung greift einen an. Der Verstand will es nicht richtig greifen. Es ist auch Identitรคt, die sich mit dem, was man um sich hat, verschrรคnkt. Und das gibt normalerweise die Sicherheit. So ist es doch meistens.
Ich selbst habe zweimal alles zurรผckgelassen, frรผher als ich noch anders war. Da bin ich einfach abgehauen nach Indien und lieร meine Identitรคt zurรผck, so hoffte ich. Vor allem hatte ich erheblichen Seelenverlust nach einigen Jahren, wovon ich รผberhaupt keine Ahnung hatte, und ich lernte es auf die harte Art. Aber an die alte Wohnung dachte ich dann schon noch lange. Ich hatte dann lange gar kein richtiges Zuhause mehr und konnte es auch nicht selbst bilden oder hervorbringen. Auch Bindung konnte ich nicht.
Wenn man in sich nicht ganz ist, vollstรคndig, sich nicht mit seinem Selbst verbunden hat, dann kann man tausendmal versuchen, es im Auรen zu erschaffen. Wie oft hat man dann perfekt mรถblierte Rรคume, in denen nichts lebt. Eine Leere, ohne Seele, wie ich sie in den Wohnlandschaften der Mรถbelwerbung sehe.
Zuhause ist fรผr mich die Verbundenheit mit dem Leben, den Tieren und Pflanzen um mich herum. Auch das Dorf. Vertrauen fรคllt mir immer noch schwer. Aber es gibt Erdung und Einfachheit. Es ist ein langer Weg zu sich selber, manchmal. Und Erinnern hilft , sich rรผckzuverbinden.
UPS wรคhrend ich dies gestern schrieb, knallte die Sicherung raus und der Strom blieb den ganzen Tag weg. Das passierte im ganzen Umland, mehrere Umspannwerke hatten sich ausgeschaltet. Jetzt ist noch Improvisation angesagt. Bei vielen Leuten sind Gerรคte kaputt gegangen, meine Heizung geht noch nicht. Das Feuer-Jahr….
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