Du hast also beschlossen bzw. ziehst in Erwägung, dich einer bariatrischen Operation zu unterziehen? So eine große Entscheidung muss gut überdacht werden – man trifft sie nicht von einen Tag auf den anderen. Es ist nicht die Art von Entscheidung wie „was ziehe ich morgen bloß an?“ (ja, ich betone das, da es tatsächlich Leute gibt, denen das nicht so ganz klar ist!). Eine bariatrische OP ist eine Entscheidung, die den Rest deines Lebens beeinflusst. Es ist ein großer Eingriff, der deinen Körper verändert. Bariatrische Operationen gehören neben Eingriffen am Herz zu den schwerwiegendsten Operationen, die es gibt. So etwas darf also wirklich nicht unterschätzt werden.
Ich hatte für mich persönlich erkannt, dass ich so nicht mehr weiterleben konnte. Dass solche eine OP für mich meine letzte Chance ist, um ein normales, halbwegs gesundes Leben führen zu können. Es ist für mich die letzte Chance auf ein neues Leben. Ich habe mit meinen „jungen“ 26 Jahren keine Lebensqualität mehr. Ich kann Dinge und Aktivitäten, die für normalgewichtige, gesunde Leute in meinem Alter selbstverständlich sind, nicht mehr tun oder wenn, dann nur in Verbindung mit Beschwerden oder sogar Schmerzen. Mein Leben ist schwerstens eingeschränkt – in jederlei Hinsicht – und selbst am Versuch, mein Gewicht eine Zeit lang zu halten scheiterte ich in den letzten Monaten. Die Kilos schlichen sich im letzten Jahr vor der OP langsam und heimlich dazu, ich bin psychisch am Ende und körperlich fühle ich mich immer schlechter. Ich hatte im Laufe der Jahre einige „Diäten“ und „Ernährungsumstellungen“ hinter mir und auf Dauer funktionierte nichts davon. Wieso? Weil ich mit meinem Gefresse (ja, man kann es nicht anders nennen!) im Laufe der Jahre meinen Magen so dermaßen ausgeleiert habe, dass nur noch abartig große Portionen dazu führen, dass ich mich annährend und halbwegs satt fühle. Satt – das ist sowieso etwas, das ich schon lange nicht mehr kenne. Ich habe schon lange keine Ahnung mehr, wie es sich wohl anfühlt satt zu sein. Ich starre meistens mit schlechtem Gewissen und ungläubig auf die für mich kleinen, unzufriedenstellenden Portionen, die Normalgewichtige essen. In der Öffentlichkeit esse ich schon lange nicht mehr – dafür schäme ich mich viel zu sehr. Ich kann also noch so viel Disziplin bei meinen Abnehm-Versuchen haben, die Tatsache, dass ich kein Sättigkeitsgefühl mehr habe, zog mir im Endeffekt immer einen Strich durch die Rechnung. Ich war stets brav bei meinen Versuchen, nahm mit unbeschreiblich viel Disziplin ein paar Kilos ab und nach kurzer Zeit ging es einfach nicht mehr. Die Folge war, dass ich mich wieder so ernährte wie davor und innerhalb von kurzer Zeit hatte ich die abgenommenen Kilos wieder drauf. Und es kamen noch weitere dazu. Der berühmt-berüchtigte Jojo-Effekt. Dieser Frust, diese nach so vielen Jahren zusammengekommene Verzweiflung und Hilflosigkeit und die Tatsache, dass ich mich seit vielen Wochen nur noch Zuhause einsperre und jeder noch so kurze Weg sich für mich wie eine Wanderung zum Mount Everest anfühlt, all das führte mich schlussendlich zu der Entscheidung mich einer Adipositas-OP zu unterziehen. Es ist meine letzte Hoffnung, mein letzter Strohhalm. Ich will mit dieser persönlichen Erfahrung hier nur betonen und zeigen, dass ich die Entscheidung zur Adipositas-OP erst traf, als ich wirklich keinen anderen Weg mehr sah. Nur deshalb ziehe ich solch eine schwerweigende Operation in Erwägung und bin bereit das Risiko sämtlicher potentieller Komplikationen (und die sind wirklich nicht schön und auch ziemlich verängstigend) während und nach solch einer OP auf mich zu nehmen.
Ich kann auch durch meine intensive Recherche und insbesondere meine genaue Beobachtung zahlreicher Erfahrungsberichte und Beiträge bereits bariatrisch operierter Menschen, aber auch durch die aus zweiter Hand miterlebte Erfahrung einer Verwandten sagen: Solch ein Eingriff und die Folgen, die dieser haben kann, sind wirklich kein Zuckerschlecken und sind sehr ernst zu nehmen. Manche erwischt es wirklich hart. Manche haben eine oder gar mehrere darauffolgende (Not-)Operationen, die aufgrund von unterschiedlicher, plötzlich auftauchender Komplikationen notwendig sind. Manche vertragen fast gar keine oder viele Lebensmittel nicht mehr. Manche rutschen in (andere) Essstörungen oder entwickeln psychische Erkrankungen wie schwere Depressionen. Manche kämpfen in der Intensivstation um ihr Leben oder liegen im Koma und manche, ja, wir müssen uns der Realität stellen, sterben sogar während des Eingriffs oder nach dem Eingriff aufgrund postoperativer Komplikationen. All das kann natürlich auch nach fast jedem anderen operativen Eingriff geschehen und ist man in einer schlechteren gesundheitlichen Verfassung, so ist der Eingriff natürlich umso riskanter. Man kann möglichen Komplikationen jedoch auch zu einem gewissen Maß entgegenwirken und das Risiko minimieren, indem man sich an alle fachmedizinischen Empfehlungen bzw. Regeln vor, während und nach der Operation hält. Indem man auf seinen Körper hört und auf sein „Bauchgefühl“ achtet. Wenn du nach der OP das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, wenn du Schmerzen, Schluckprobleme, öfteres Erbrechen oder Übelkeit hast, dann hör auf dieses Bauchgefühl und begib dich sofort, ohne zu warten, zu deinem Arzt oder in die Notambulanz. Meine Verwandte ließ sich gerade noch rechtzeitig mit dem Krankenwagen zur Notambulanz fahren, wo festgestellt wurde, dass sie eine Hernie (Narbenbruch) und einen dadurch entstandenen Darmverschluss hatte. Sie begab sich noch rechtzeitig ins Krankenhaus, wurde notoperiert und danach war alles wieder gut. (Im selben Jahr hatte sie zwar noch eine Blinddarm-Entzündung und musste den Blinddarm operativ entfernen lassen, aber das ist wieder eine andere Geschichte…sowas scheint jedoch bei bariatrisch Operierten nicht selten der Fall zu sein – oft müssen Monate danach Blinddarm oder Gallenblase raus. Ob dies tatsächlich an dem Eingriff liegt und wieso das geschieht wurde leider noch nicht wirklich erforscht, da es noch zu wenige Langzeitstudien zu den neueren bariatrischen OP-Methoden gibt.) Daraus habe ich gelernt, dass solche Zeichen des Körpers, insbesondere wenn man eine bariatrische OP hatte, absolut ernstzunehmend sind.
Ich möchte hier wirklich niemanden verängstigen. Ich möchte bloß das Augenmerk darauf richten, dass die Entscheidung zu solch einer OP nicht leichtfertig getroffen werden sollte. Man würde das Risiko solcher OPs aber nicht eingehen, wenn sie nicht in den meisten Fällen auch viele positive und erfolgreiche Resultate hätte. Viele positive Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten, vorher-nachher-Fotos von Menschen, die sich nach der Operation „halbiert“ haben oder plötzlich wie die eigene junge Schwester/der eigene junge Bruder aussehen und Operierte, die nun glücklich und stolz über ihr „neues Leben“ und ihre neu gewonnene Lebensqualität erzählen, die dankbar davon berichten, dass ihre damaligen Begleiterkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck oder Beschwerden wie schwere Atmung, Gelenks- und Wirbelsäuleschmerzen und Schlafapnoe nun Geschichte sind – all das sind Zeugen der möglichen positiven Resultate einer Adipositas-OP als Hilfsmittel. Und all diese positiven Punkte führen dazu, dass ich in Hinsicht auf meine anstehende OP fest, ja felsenfest, entschlossen bin. Denn ich will ein neues Leben mit zumindest annähernd der Lebensqualität, die ich in meinem Alter haben sollte. Ich will keine Schmerzen mehr haben, mich nicht zu jeder Jahreszeit schwitzend und keuchend durch die Gegend schleppen. Ich will wissen wie es sich anfühlt in schöne Kleidung zu passen, sich nicht ständig verstecken zu müssen und wie es ist satt zu sein. Ich will kleinere, normale Portionen essen, beweglicher sein und vor allem will ich eines: gesund werden und mein Leben endlich so richtig leben. Aus diesem Grund bin ich so fest entschlossen in meiner Entscheidung für die OP. Mit diesem Ziel stets vor Augen werde ich mithilfe des Magenbypasses mein Bestes geben und ich hoffe von ganzem Herzen, dass dann auch ich bald von positiven Geschichten aus meinem neuen Leben und von meinen kleinen sowie großen Erfolgen berichten werde können.