Arno Luik
Arno Luik (* 1955 in Königsbronn) ist ein deutscher Journalist und Autor. Heute lebt er in Hamburg.
Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Luik studierte Amerikanistik und Sport an der Universität Tübingen und der Bangor University (Wales) sowie Politik am Amherst College im US-Bundesstaat Massachusetts. Er war Reporter für Tempo und die Wochenpost, Autor für Geo und den Tagesspiegel. 1995/96 war er Chefredakteur der taz, danach Vize der Abendzeitung, seit 2000 ist er Autor der Zeitschrift Stern.
Bekannt geworden ist Luik für seine intensive Art des Interviews; für Aufsehen sorgte sein Gespräch mit dem jungen Boris Becker, der darin 1989 mit dem Bekenntnis überraschte, die Hausbesetzer der Hafenstraße in Hamburg seien ihm „sympathischer als manche Menschen in meiner Umgebung“. Gespräche (u. a. mit Angela Merkel, Martin Walser, Inge und Walter Jens, Otto Graf Lambsdorff, Joschka Fischer, Reinhold Messner, Wendelin Wiedeking, Oskar Lafontaine) von „Deutschlands führendem Interviewer“ (taz) sind in mehr als zwei Dutzend Sprachen übersetzt worden. 2008 wurde Luik vom Medium Magazin als Kulturjournalist des Jahres ausgezeichnet. Martin Walser bezeichnete in einem Spiegel-Essay Luiks Fragestil als "kratzend und streichelnd".
Kennzeichnend für Luiks Gesprächsführung ist eine Mischung aus Beharrlichkeit, Provokation und Empathie. Kritiker wie Befürworter bescheinigen seinen Interviews eine ungewöhnliche Offenheit und Nähe der Gesprächspartner. Im Jahr 2015 veröffentlichte Luik im Magazin Stern ein medial viel diskutiertes Gespräch mit dem damaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, das er mit ihm an mehreren Tagen in Athen geführt hatte. Die Reportage wurde für ihre Intensität und ungewöhnliche Nähe zum Protagonisten kontrovers diskutiert.
Berichterstattung zu Stuttgart 21
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für seine Berichterstattung zu Stuttgart 21 erhielt Luik im November 2010 den „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ des Netzwerks Recherche.[1] Als der Stern-Autor im Juli 2010 erstmals über das umstrittene Bau- und Bahnprojekt schrieb, war Stuttgart 21 „allenfalls ein Thema von regionaler Bedeutung“, so die Laudatio. Das änderte sich in den folgenden Monaten, als Luik in einer zunächst sechsteiligen Serie geheimgehaltene Akten des umstrittenen Großprojekts öffentlich machte: „Luik war der erste, der beweisbare Argumente gegen das Milliardenvorhaben vorlegte.“ Mit seiner Arbeit, so heißt es weiter in der Laudatio, „sorgte er für die grundlegenden Informationen, mit denen eine ehrliche und anständige Analyse der Sinnhaftigkeit des Projektes überhaupt erst möglich wurde“.[2]
In den folgenden Jahren enthüllte Luik im Stern und anderen deutschen Medien weitere Artikel über das Bahnprojekt Stuttgart 21, die auf internen Dokumenten der Deutschen Bahn beruhten. Darin berichtete er unter anderem über erhebliche Kostensteigerungen, Terminverzögerungen sowie technische und planerische Probleme des Projekts. Die Deutsche Bahn widersprach Luiks Darstellungen zu dem Projekt wiederholt.[3][4][5] Ein Kritiker hielt Luiks Darstellungen für übertrieben und ungerechtfertigt und hat darüber ein Buch geschrieben.[6] Bei der öffentlichen Anhörung des Deutschen Bundestags „Offene Fragen zum Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 aufklären“ (BT-Drucksache 18/3647) am 6. Mai 2015 war Luik als Sachverständiger geladen. In den folgenden Jahren bestätigten sich zahlreiche der von Luik beschriebenen Entwicklungen, darunter die wiederholte Verschiebung des Eröffnungstermins sowie deutliche Kostensteigerungen. Seine Recherchen gelten daher als ein bedeutender Beitrag zur öffentlichen Berichterstattung über Stuttgart 21. Seine grundsätzliche Kritik an Stuttgart 21 und der Bahnreform von 1994 gelten rückblickend als vorausschauend.
Bücher (Auszug)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit „Schaden in der Oberleitung. Das geplante Desaster der Deutschen Bahn“ (Westend Verlag, 2019) legte Luik eine umfassende Analyse der Entwicklung der Deutschen Bahn AG seit der Bahnreform vor. Das Buch verbindet Reportage, Dokumentation und politische Analyse. Im Mittelpunkt stehen die Privatisierungsversuche der Bahn, der angestrebte Börsengang, Bahnchef Mehdorns Bestrebungen aus dem Staatskonzern einen weltweit agierenden Logistikkonzern zu machen, Stuttgart 21 sowie Managemententscheidungen der Bahnchefs seit 1994ff, die Luik für den Niedergang der Deutschen Bahn verantwortlich macht.
Das Buch wurde ein Bestseller und erschien später in einer erweiterten Ausgabe. In Rezensionen wurde die Fülle an recherchiertem Material sowie die journalistische Zuspitzung hervorgehoben. Während Befürworter das Werk als grundlegende Analyse des Krisenzustands der Deutschen Bahn würdigten, kritisierten Gegner den eindeutig wertenden Stil.
2022 brachte Luik den Gesprächsband "Als die Mauer fiel, war ich in der Sauna" (Westend Verlag, 2022) heraus. Dieses Buch versammelt Interviews aus mehreren Jahrzehnten mit Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Der Titel geht auf eine Äußerung Angela Merkels im Gespräch mit Luik zurück. Die Gesprächssammlung wurde vor allem als Rückblick auf die deutsche Zeitgeschichte gelesen und vielfach wegen der Qualität der Gespräche gelobt. Rezensenten hoben hervor, dass Luik seinen Gesprächspartnern Aussagen entlocke, die in anderen Interviews nicht zu finden seien.
2023 entstand nach Luiks Darmkrebsdiagnose "Rauhnächte" (Westend Verlag, 2023). Dieses Werk unterscheidet sich deutlich von seinen früheren Büchern. Es ist ein sehr persönliches Tagebuch über Krankheit, Angst, Hoffnung und Sterblichkeit, zugleich aber auch einen Reflexion über Politik, Journalismus und Gesellschaft.
Das Buch wurde als persönlichstes Werk des Autors bezeichnet. Kritiken beschrieben den Text als sprachlich eindringlich, schonungslos und existenziell. Hervorgehoben wurde die Verbindung autobiografischer Erfahrungen mit scharfer gesellschaftlicher Beobachtung. In seiner Besprechung bezeichnete der SZ-Autor Heribert Prantl Luik als "großartigen Interviewer" und lobte "Rauhnächte" für seine außergewöhnliche Verbindung von persönlicher und politischer Krise.
Allgemeines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Arno Luik zählt zu den profiliertesten deutschen Reportern und Interviewer seiner Generation. Seine journalistische Arbeit wird für ihre Hartnäckigkeit, ihre intensive Recherche und ihren literarischen Stil geschätzt. Gleichzeitig ist seine Arbeit wegen ihrer oft zugespitzten und scharfen Argumentation und seines engagierten Auftretens immer wieder Gegenstand kontroverser Debatten.
Als Chefredakteur der taz war Luik verantwortlich (gemeinsam mit Norbert Thomma) für die legendäre "Karikaturen-taz", die am Mittwoch, dem 17. April 1996, anlässlich des 17. Geburtstags der Zeitung erschien. In dieser Sonderausgabe wurde fast der gesamte redaktionelle Text durch Zeichnungen, Cartoons und Comics ersetzt. Politische Berichte, Kommentare, Kultur- und Sportnachrichten wurden nicht getippt, sondern von mehr als 60 Karikaturistinnen und Karikaturisten visuell übersetzt. Diese Ausgabe war am Kiosk so beliebt, dass sie in vielen Städten blitzschnell ausverkauft war. Sie gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Experimente der deutschen Zeitungsgeschichte.
Arno Luiks Werk bewegt sich zwischen klassischem Journalismus, politischer Analyse und essayistisch-literarischer Kritik. Besonders seine Arbeiten zur Deutschen Bahn haben ihn zu einer zentralen Stimme der Infrastrukturkritik in Deutschland gemacht.
Seit seiner Beendigung als Stern-Autor (2018) arbeitet Arno Luik weiterhin als freier Journalist, Autor und Interviewer. Er veröffentlicht regelmäßig Analysen und Kommentare in überregionalen Medien und tritt häufig als Gesprächspartner in politischen und wirtschaftlichen Debatten auf.
In seiner zweiwöchentlichen Kolumne "Merkwürdige Zeiten" für das Hamburger Abendblatt verbindet er autobiografische Beobachtungen mit politischen Essays. Wiederkehrende Themen sind etwa Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit. So setzt er sich kritisch mit der wachsenden Militarisierung Deutschlands auseinander. Im Juni 2025 schrieb er von der "Vorbereitung auf Krieg" und warnte vor einer gesellschaftlichen Gewöhnung an Aufrüstung. In einer viel diskutierten Kolumne kritisierte Luik die Reformvorhaben der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz und stellte die zunehmende soziale Ungleichheit in den Mittelpunkt. Weitere Kolumnen befassen sich mit Trump, dem politischen Klima in den USA, mit Putin, dem Ukrainekrieg und prinzipiell mit der Frage, wie Gesellschaften mit Krisen und autoritären Tendenzen umgehen. Neben seiner scharfen Gesellschaftskritik schreibt er immer wieder sehr poetisch und naturverbunden. In seinen Kolumnen wechseln sich politische Beobachtungen mit fast literarischen Passagen ab. Besonders seit seiner Krebserkrankung wurden diese Töne noch stärker. Natur beschreibt er nicht nur als Kulisse, sondern als Gegenwelt zum politischen Lärm. Er beobachtet Licht und Schatten und verbindet sie mit Nachdenklichkeit. Solche Bilder – etwa Milane, die über ihm ihre Balz- oder Liebesflüge vollführen – stehen dann für Schönheit, Freiheit oder die Kontinuität des Lebens trotz der Krisen, über die er sonst schreibt.
Veröffentlichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Arno Luik im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Die Sports-Interviews. Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3-499-18668-3
- „Verraten sie uns mal den wahren Weg aus der Krise.“ Ein Streitgespräch zwischen Professor Friedhelm Hengsbach SJ und Arno Luik (Stern). Optimal-Verlag, Kelkheim 2004, ISBN 3-921271-37-1
- „Wer zum Teufel sind Sie nun?“ Sechzig Jahre Bundesrepublik. Gespräche über uns. Kunstmann, München 2009, ISBN 978-3-88897-559-2
- Schaden in der Oberleitung: Das geplante Desaster der Deutschen Bahn. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-86489-267-7.
- „Als die Mauer fiel, war ich in der Sauna.“: Gespräche über den Wahnsinn unserer Zeit. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2022, ISBN 978-3-86489-361-2.
- Rauhnächte. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-86489-419-0.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Netzwerk Recherche (Hrsg.): netzwerk recherche verleiht „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ an Heiner Geißler, Andreas Zielcke und Arno Luik für ihre aufklärenden Analysen zu „Stuttgart 21“ ( vom 22. August 2013 im Internet Archive). Presseinformation vom 19. Oktober 2010.
- ↑ Netzwerk Recherche (Hrsg.): Laudatio von Ines Pohl ( vom 24. April 2011 im Internet Archive). Dokument vom 30. November 2010, abgerufen am 10. April 2011.
- ↑ DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Deutsche Bahn: Kostenrahmen für Stuttgart 21 unverändert – Bericht von „stern.de“ über angeblich neue Kostenrisiken ignoriert Klarstellung der DB vom Freitag vergangener Woche. Presseinformation vom 5. April 2011.
- ↑ Deutsche Bahn AG (Hrsg.): DB weist Stern-Bericht zu Stuttgart 21 entschieden zurück: „Fakten widerlegen haltlose Behauptungen“. Presseinformation vom 29. September 2010.
- ↑ Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Deutsche Bahn: Kosten für Stuttgart 21 transparent dargestellt – Bericht von „stern.de“ über angeblich geheim gehaltene Kostensteigerungen unzutreffend. Presseinformation vom 24. November 2010.
- ↑ Lutz Aichele: Oben leben. Schröderscher Buchverlag, Diepholz 2011, ISBN 978-3-89728-071-7, S. 78–81.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Luik, Arno |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 1955 |
| GEBURTSORT | Königsbronn |