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Belgien

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Belgien (amtlich Königreich Belgien, niederländisch Koninkrijk Belgiëⓘ/?, französisch Royaume de Belgiqueⓘ/?) ist ein föderaler Staat in Westeuropa. Es liegt zwischen der Nordsee und den Ardennen und grenzt an die Niederlande, Deutschland, Luxemburg und Frankreich. Belgien zählte am 1. Januar 2024 rund 11,8 Millionen Einwohner[9] auf einer Fläche von 30.688 Quadratkilometern. Mit 383 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Belgien zu den am dichtesten besiedelten Staaten. Der Grad der Urbanisierung Belgiens ist mit fast 98 Prozent der höchste in Europa.[10] Brüssel ist die Hauptstadt und Sitz der belgischen Königsfamilie, der Föderalregierung sowie Zentrum der Region Brüssel-Hauptstadt. Die bevölkerungsreichste Stadt ist Antwerpen, gefolgt von Gent, Charleroi, Lüttich (Liège) und Brüssel, während Brüssel und die umgebenden Gemeinden mit insgesamt ca. 1,25 Millionen Einwohnern den größten Ballungsraum bilden. Die Region Brüssel-Hauptstadt umfasst die Stadt Brüssel selbst sowie 18 unabhängige kommunale Einheiten; deren Einwohner werden vom Belgischen Statistikamt separat erfasst.

Seit der Unabhängigkeit 1830 und Verfassungsgebung 1831 ist Belgien eine parlamentarische Erbmonarchie[11][12][13] (siehe auch belgische Monarchie). Die belgische Geschichte reicht allerdings viel weiter zurück: „Belgien ist ein Land mit einem jungen Staat, aber einer langen Geschichte“ (Christoph Driessen).[14] Belgien umfasst vier Sprachgebiete.[15] Der Norden des Landes mit den Flamen ist niederländisches, der Süden mit den Wallonen französisches Sprachgebiet (vgl. Flämische und Französische Gemeinschaft). Die Region Brüssel-Hauptstadt ist offiziell zweisprachig, jedoch heute mehrheitlich frankophon.[16] Im deutschsprachigen Gebiet in Ostbelgien sind Standarddeutsch und westmitteldeutsche Mundarten verbreitet (vgl. Deutschsprachige Gemeinschaft).

Der seit dem 19. Jahrhundert anhaltende flämisch-wallonische Konflikt prägt die oft einander zuwiderlaufenden Interessen der Vertreter der beiden großen Bevölkerungsgruppen in der belgischen Politik. Die Sprachgesetzgebung ist eine Folge dieses Konflikts. Seit den 1970er Jahren wird versucht, diesem Problem durch eine Dezentralisierung der Staatsorganisation zu begegnen. Dazu wurde Belgien in einen Bundesstaat, bestehend aus drei Regionen und drei Gemeinschaften, umgewandelt. Die Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt sowie die Flämische, die Französische und die Deutschsprachige Gemeinschaft bilden seither das politische Grundgefüge des Landes. Der Staatsaufbau Belgiens gilt als komplex, da u. a. die Hoheitsgebiete der Regionen mit jenen der Gemeinschaften nicht deckungsgleich sind.[17] So überschneiden sich die Zuständigkeiten der Französischen und der Flämischen Gemeinschaft in der offiziell zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt, und das kleine Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft gehört zur mehrheitlich französischsprachigen Region Wallonien. Jedoch strebt die Deutschsprachige Gemeinschaft die Ausgliederung aus Wallonien und die Erhebung zur gleichberechtigten vierten belgischen Region neben Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt an.[18][19]

Belgien ist Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der heutigen Europäischen Union (EU), deren wichtigste Institutionen in seiner Hauptstadt Brüssel ihren Sitz haben. Der belgische Staat ist neben den Niederlanden und Luxemburg Mitglied in der Wirtschaftsunion Benelux.

Belgien ist ein hochentwickeltes Industrieland. Es liegt weltweit an sechzehnter Stelle beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und im weltweiten Mittelfeld bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Auf sozialer Ebene bietet das Land ein umfassendes Sozialsystem, das seine Bürger in Notlagen absichert.[20]

Der Name Belgien begründet sich auf die römische Provinz Gallia Belgica. Dieser nordöstliche Teil Galliens wurde von Stämmen keltischer (d. h. die Belger) und germanischer (d. h. Germani cisrhēnani) Herkunft bewohnt. Im 18. Jahrhundert galt das französische Adjektiv belge oder belgique als Entsprechung von Nederlands ‚niederländisch‘; der kurzlebige unabhängige Belgische Staat von 1790 hieß z. B. auf Französisch États belgiques unis und wurde auf Niederländisch meist Verenigde Nederlandse Staten genannt. Später beschränkte sich der Gebrauch von belge und belgique zunehmend auf die südlichen Niederlande, das heutige Belgien.

Laut den Berechnungen des Königlichen Belgischen Instituts für Naturwissenschaften hat Belgien eine Fläche von 30.688 Quadratkilometern. Davon umfasst

25 % der Landfläche Belgiens werden für Landwirtschaft genutzt.

Flandern bildet den nördlichen Teil des Landes und besteht überwiegend aus Flach- und Hügelland. Es ist die bevölkerungsreichste Region Belgiens. Die politisch eigenständige Region Brüssel-Hauptstadt ist vollständig von der Flämischen Region umgeben, gehört ihr jedoch nicht an. Im Nordosten Flanderns liegen die sandreichen Kempen; im Westen erstrecken sich Küstenebene und Polder. Besonders dicht besiedelt sind die Räume Antwerpen und Gent, die an der Schelde liegen und das Umland von Brüssel. Im äußersten Westen Flanderns befindet sich die Küste mit der Hafenstadt Ostende.[21]

Die Wallonische Region umfasst den südlichen Teil Belgiens und ist flächenmäßig die größte der drei Regionen. Ihr Relief reicht von den lössbedeckten Hochebenen Mittelbelgiens über die Sambre-Maas-Furche bis zu den Ardennen und Belgisch-Lothringen. Ihr Gebiet ist im Bereich der Ardennen gebirgig und dünn besiedelt. Wichtige Städte sind Lüttich und Namur an der Maas sowie Charleroi an der Sambre. Mons an der Haine, Tournai an Schelde und Mouscron liegen im Westen der Region befinden sich in einem grenzüberschreitenden Ballungsgebiet mit der nordfranzösischen Stadt Lille. In Nil-Saint-Vincent in der Gemeinde Walhain befindet sich der geographische Mittelpunkt des belgischen Festlands.

Geologie und Geomorphologie

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Naturräumliche Gliederung Belgiens

Relief Belgiens

Das Relief Belgiens weist einen deutlichen Gegensatz zwischen dem überwiegend flachen Norden und dem stärker gegliederten Süden auf. Große Teile der Flämischen Region liegen unter 100 Metern Höhe. Südlich der Sambre-Maas-Furche steigt das Gelände über den Condroz und die Fagne-Famenne zu den Ardennen und zum Hohen Venn an. Der höchste Punkt des Landes ist das Signal de Botrange mit 694 Metern.[22]

Naturräumliche Gliederung

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Belgien wird herkömmlicherweise nach der Höhenlage in Nieder-, Mittel- und Hochbelgien gegliedert:

  • Niederbelgien liegt überwiegend unter 100 Metern und umfasst unter anderem die Küstenebene mit Dünen und Poldern, die flämische Ebene sowie die sandreichen Gebiete der Kempen. Die belgische Küstenlinie ist – je nach Messweise – etwa 65 bis 67 Kilometer lang. Sie besteht aus breiten Sandstränden, an die sich vielerorts Dünen anschließen.[23] Es handelt sich um einen gleichmäßig feinen Sandstrand, ohne Kiesel oder Felsen. An vielen Stränden finden sich Wellenbrecher.
  • Mittelbelgien liegt überwiegend zwischen 100 und 200 Metern. Es umfasst die löss- und lehmbedeckten Landschaften des Hennegaus, Brabants und der Hesbaye.
  • Hochbelgien liegt überwiegend über 200 Metern und umfasst südlich der Sambre-Maas-Furche unter anderem den Condroz, die Fagne-Famenne, die Calestienne, das Herver Land, die Ardennen und Belgisch-Lothringen.

Südlich der Sambre-Maas-Furche ist der Grund deutlich älter und vielschichtiger. Es treten vielfach paläozoische Gesteine zutage, die während der variszischen Gebirgsbildung gefaltet und später durch Verwitterung freigelegt wurden. Nördlich davon ist das paläozoische Grundgebirge nicht offen aufgeschlossen und wird weitgehend von jüngeren mesozoischen und känozoischen Sedimenten überlagert. Der geologische Bau ist örtlich vielschichtig und lässt sich nicht allein aus der Höhenstufung ableiten.[24]

Küstenlandschaften

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Die heutige Küstenlandschaft entstand im Verlauf des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs, durch Meeres-Ablagerungen, Dünenbildung und umfangreiche menschliche Eingriffe. Die Küste besteht aus Sandstränden und einem meist schmalen Dünengürtel, der früher zusammenhängender war, heute jedoch vielerorts durch Siedlungen und Infrastruktur unterbrochen ist. Die Hoge Blekker bei Koksijde ist mit etwa 33 Metern die höchste Düne der belgischen Küste.[25]

Landwärts schließt sich eine flache Polderlandschaft an. Sie entstand aus Ablagerungen des Meeres und von Flüssen und wird durch Deiche, Schleusen und Entwässerungssysteme vor Überflutung geschützt. Die ton- und schluffreichen Polderböden sind bei geregeltem Wasserhaushalt landwirtschaftlich ertragreich.[26]

Flandrische Ebene mit sandigen Böden

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Zwischen den Küstenpoldern, der Leie und der Schelde erstreckt sich einschließlich des Waaslandes die flanderische Ebene. Sandige und sandig-lehmige Ablagerungen prägen große Teile der Landschaft; örtlich kommen tonreichere, staunasse Böden vor. Die Bodenverhältnisse wechseln kleinräumig und können nicht einer einzigen Bodenklasse zugeordnet werden. Sandig-lehmige Gebiete sind etwas fruchbarer und werden ausgiebiger landwirtschaftlich genutzt als wenig fruchbare nährstoffarme Sandstandorte.

Kempen (Nord-Limburg)

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Weiter im Binnenland östlich der Schelde liegt Kempen. Kempen bilden eine flachwellige Landschaft im Nordosten Belgiens. Ihr Untergrund wird von pleistozänen Flussablagerungen von Maas und Rhein (Flussgeest) sowie von durch Wind gebideten Decksanden großer Mächtigkeit geprägt. Auf den nährstoffarmen Sanden entwickelten sich Podsole und andere saure Böden. Wälder, Äcker, Wiesen, Heiden und Feuchtgebiete wechseln einander ab. Früher bestandene Heideflächen wurden seit dem 19. Jahrhundert teilweise aufgeforstet oder landwirtschaftlich kultiviert.

Löss im Hespengau (Süd-Limburg)

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Südlich der Kempen und überwiegend östlich bis südöstlich von Brüssel liegt die Hesbaye (Hesbengau), eine seh fruchbare und ausgiebig landwirtschaftlich genutzte Lösslandschaft. Die tiefgründigen Lösslehme gehören zu den fruchtbarsten Böden Belgiens. Angebaut werden unter anderem Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Raps und Obst. Die Gegend um Sint-Truiden ist ein bedeutendes Obstanbaugebiet vor allem für Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Erdbeeren. Sie gilt als der Obstgarten Belgiens. Das nördlich anschließende zwischen Leuven, Tienen, Diest und Aarschot gelegene Hageland weist dagegen vielerorts sandigere und weniger fruchtbare Böden auf. Das Hageland ist eine Übergangslandschaft zwischen dem lössreichen Haspengau im Süden und der sandigen Kempen im Norden.

Ostflandern, Antwerpen und Brabant

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Südlich von Schelde und Rupel werden die Böden in weiten Teilen lehmiger, was für die Landwirtschaft günstiger ist. In Brabant sind fruchtbare Lössböden verbreitet, während das Hageland stärker von sandigen und eisenreichen tertiären Ablagerungen geprägt ist. In Ostflandern durchfließt die Dender eine Landschaft, die im Süden von einer Kette tertiärer Hügel überragt wird. Diese Gegend zwischen Ronse, Geraardsbergen, Oudenaarde und Zottegem wird als Flämische Ardennen bezeichnet, gehört geologisch jedoch nicht zu den eigentlichen Ardennen.

Die Hügellandschaft der Flämischen Ardennen setzt sich im nordwestlichen Hennegau als Pays des Collines bis Frasnes-lez-Anvaing fort. Dort gibt es eine Wechselfolge von sandige, tonige und mergelige Ablagerungen. Auf den gut drainierten Hängen und Plateaus haben sich vor allem Braunerden und ausgewaschene Böden entwickelt; in Senken und Talauen treten aufgrund des zeitweise hohen Grundwasserstands Gleye auf. Um Mons liegen lössbedeckte Flächen mit ertragreichen Ackerböden. Im ehemaligen Industrierevier um Charleroi wurden Relief und Böden durch Bergbau, Abraumhalden, Industrieanlagen und Siedlungsentwicklung stark durch den Menschen verändert.

Östlich von Lüttich und der Maas liegt das für seine Bocage-Landschaft bekannte Herver Land. Sein oberflächennaher Untergrund besteht vielerorts aus Kalken, Kreide und Mergeln der Oberkreide, über denen sich lehmige und tonige Verwitterungsböden entwickelten. Die Landschaft wird herkömmlich besonders als Grünland genutzt.

Furche der Sambre und Maas

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Die Haine-Sambre-Maas-Furche ist eine erdgeschichtlich, oberflächengestaltlich und industriell vielschichtig geprägte Zone. Sie folgt einer bedeutenden tektonischen Störungs- und Faltenzone, an der nördlich gelegene jüngere Sedimentgebiete – unter anderem Kreide- und Tertiärablagerungen – an die älteren paläozoischen Gesteine des südlichen und östlichen Belgien stoßen. Oberflächengestaltlich wird diese Zone durch die Täler von Haine, Sambre und Maas geprägt; sie bildet jedoch keine durchgehend scharfe und einheitliche Landschaftsgrenze.

Entlang dieser Zone liegen die bedeutenden ehemaligen Steinkohlereviere der Borinage, des Pays Noir um Charleroi und des Lütticher Beckens. Zusammen mit dem nordfranzösischen Kohlerevier bildeten sie das große westeuropäische Steinkohlenbecken, das seit dem frühen 19. Jahrhundert zum Kerngebiet der belgischen und nordfranzösischen Industrialisierung wurde.[27] Ab 1901 wurde auch das davon räumlich getrennte Limburger Steinkohlerevier erschlossen.

Der südlich der Sambre-Maas-Furche gelegene Condroz ist durch einen regelmäßigen Wechsel langgestreckter Rücken und Senken gekennzeichnet. Die Rücken, die sogenannten tiges, bestehen überwiegend aus widerstandsfähigen Sandsteinen und Psammiten; die dazwischenliegenden chavées sind häufig in weniger widerständige Kalk-, Mergel- oder Tongesteine eingeschnitten. Auf Kalken kommen flachgründige Böden wie Rendzinen vor, während sich in den Senken tiefere schwer zu bearbeitende Lehm- und Tonböden entwickelten. Bei Wépion südlich von Namur befindet sich ein traditionsreiches Erdbeeranbaugebiet.

Die Fagne-Famenne bildet eine langgestreckte Senke zwischen Condroz und Ardennen. Ihr Untergrund besteht überwiegend aus devonischen Schiefern und schluffigen Gesteinen. Südlich davon verläuft die schmale Calestienne, in der devonische Kalksteine verbreitet sind. Dort treten zahlreiche Karsterscheinungen wie Höhlen, Dolinen und Trockentäler auf. Fagne-Famenne und Calestienne sind deshalb erdgeschichtlich und von ihrer Oberflächenbeschaffenheit voneinander zu unterscheiden.[28]

Auf den Schiefern der Fagne-Famenne entwickelten sich vielfach schwere, feuchte und steinige Böden, die eher als Grünland für Weidewirtschaft denn für Ackerbau genutzt werden. In der Calestienne kommen über Kalkstein unter anderem flachgründige, basenreiche Böden vor.

Schiefergebirge der Ardennen

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Die Ardennen bilden den westlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Sie bestehen überwiegend aus paläozoischen Schiefern, Sandsteinen, Grauwacken und Quarziten. Aus deren Verwitterung entstanden in den Ardennen vor allem flachgründige, saure und nährstoffarme Braunerden; unter stärkerer Versauerung und Auswaschung kommt es örtlich zur Ausbildung von Podsolen. Diese Böden gestatten der Vegetation nur eine ärmliche Entwicklung. Der größte Teil des Bodens ist mit Weiden, Wäldern und Wiesen bedeckt, und Ackerbau wird nur an wenigen Orten betrieben. Das stark zertalte Hochland ist großflächig bewaldet. Im Hohen Venn erreicht Belgien am Signal de Botrange 694 Meter nahe der Grenze zu Deutschland. Die höchstgelegene Ortschaft Belgiens ist das ostbelgische Mürringen (655 m O.P.).. Es handelt sich um die höchste Erhebung Belgiens. Dort begünstigen hohe Niederschläge, niedrige Temperaturen und schlechte Entwässerung die Bildung von Mooren und Torfböden.

In den Ardennen überwiegen saure, häufig steinige und teilweise staunasse Böden. Neben Forstwirtschaft und Grünlandnutzung ist Ackerbau vor allem in günstigeren Lagen möglich. Größere Torfgebiete liegen insbesondere im Hohen Venn südlich von Eupen.

Ganz im Süden Belgiens liegt die Gaume, der südliche Teil Belgisch-Lothringens. Geologisch gehört sie zum Rand des Pariser Beckens. Den Untergrund bilden vor allem Ablagerungen der Trias und des Jura, darunter Mergel, Kalkstein, Sandstein und Ton.[29] Die Schichten bilden eine die Gegend prägende Schichtstufenlandschaft. Das im belgischen Vergleich milde Klima begünstigt neben Acker- und Obstbau örtlich auch den Weinbau, insbesondere um Torgny.[30]

Dünen am Strand der Nordsee in De Panne im Westen Flanderns

Belgien ist reich an Gewässern. Der größte Teil Belgiens gehört zu den Einzugsgebieten von Schelde und Maas. Kleinere Gebiete entwässern unter anderem über die Yser unmittelbar zur Nordsee sowie über Rhein-Nebenflüsse. Zu den bedeutenden Flüssen und Kanälen gehören:

Maas, Schelde und Yser entspringen in Frankreich. Die Yser mündet bei Nieuwpoort in Belgien in die Nordsee; Maas und Schelde erreichen die Nordsee über die Niederlande. An der Amel (Amblève) befinden sich bei Coo in der Nähe von Stavelot die Wasserfälle von Coo sowie das Pumpspeicherkraftwerk Coo-Trois-Ponts, das größte Pumpspeicherkraftwerk Belgiens.

Zu den bedeutenden Nebenflüssen der Maas gehören Ourthe, Sambre, Lesse und Semois. Wichtige Nebenflüsse der Schelde sind Leie, Dender und Rupel; die Ieperlee entwässert zur Yser.

Belgien verfügt über ein dichtes Kanalnetz, das Industriegebiete, Binnenhäfen und Seehäfen – vor allem die Hafenstadt Antwerpen – miteinander verbindet. Der Albert-Kanal schließt Lüttich über Hasselt und Genk mit dem Raum Antwerpen an, der Kanal Brüssel–Charleroi verbindet das Sambrebecken mit Brüssel und der Zeekanal Brüssel–Schelde (Willebroek-Kanal) Brüssel mit der Schelde. Der Canal du Centre zweigt bei Seneffe vom Kanal Charleroi–Brüssel ab und führt über La Louvière und das Haine-Tal bis zum Grand Large bei Mons Nimy, wo er an den Kanal Nimy–Blaton–Péronnes anschließt. Er schließt damit die Borinage und das Centre an die Verbindung nach Charleroi und Brüssel an. Am Kanal Brüssel–Charleroi liegt das Schiffshebewerk Ronquières, am Canal du Centre das Schiffshebewerk Strépy-Thieu.

Größere natürliche Seen fehlen weitgehend. Zu den größten künstlichen Seen gehören die Lacs de l’Eau d’Heure südlich von Charleroi bei Cerfontaine sowie die Talsperre Bütgenbach und die Talsperre Robertville.

An Mineralquellen ist Belgien, namentlich im Gebiet der Maas, sehr reich. Die berühmtesten sind die sauren Mineralquellen von Spa und die warmen Quellen von Chaudfontaine. In Spa gibt es unter anderem die eisenhaltige Quelle Pouhon Pierre-le-Grand sowie andere Pouhons wie Sauvenière, Barisart, Groesbeek, Reine, Tonnelet und die schwefelhaltige Quelle Pouhon Géronstère und kohlensäurereiche und Eisen-Kohlesäure-Mischtypen wie Marie-Henriette. Die Thermalquelle Chaudfontaine ist die einzige natürliche Thermalquelle Belgiens mit einer Wassertemperatur von ungefähr 37 Grad Celsius und einem unterirdischen Ursprung in Tiefe von 1600 Metern. Außerdem gibt es unter anderem eisenhaltige Quellen bei Stavelot, Aubel, weitere Schwefelquellen und versteinerte Quellen.

Klima und Wetter

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Belgien besitzt ein gemäßigtes ozeanisches Klima, das in der Köppen-Geiger-Klassifikation überwiegend dem Typ Cfb entspricht. Es wird durch die Lage in den mittleren Breiten, die Nähe zum Atlantik und zur Nordsee sowie die häufige Zufuhr maritimer Luftmassen geprägt. Typisch sind verhältnismäßig milde Winter, mäßig warme Sommer und ganzjährig auftretende Niederschläge.[31]

Die Temperaturen nehmen im Allgemeinen mit der Höhenlage ab. Die Küste weist aufgrund des ausgleichenden Einflusses der Nordsee mildere Winter und etwas kühlere Sommer als das Binnenland auf. Die niedrigsten Jahresmittel werden in den höheren Lagen der Ardennen und insbesondere im Hohen Venn erreicht. Auch die Niederschlagsmengen nehmen mit der Höhe zu. In Nieder- und Mittelbelgien fallen im langjährigen Mittel etwa 700 bis 850 Millimeter Niederschlag pro Jahr; in den höheren Lagen südlich der Sambre-Maas-Furche steigen die Mengen deutlich an und erreichen in den Hautes Fagnes fast 1400 Millimeter. Dabei verstärkt das Relief den Niederschlag, da feuchte Luftmassen an den Hängen zum Aufsteigen gezwungen werden.[32]

Belgien wird häufig von atlantischen Tiefdruckgebieten und den mit ihnen verbundenen Frontensystemen beeinflusst. Dadurch ist das Wetter häufig wechselhaft, windig und niederschlagsreich. Bei der Passage eines Tiefdrucksystems können nacheinander Warmfront, Warmsektor und Kaltfront auftreten. Warmfronten sind häufig mit länger anhaltenden Niederschlägen verbunden; im Warmsektor gelangt feuchte maritime Luft nach Belgien, während Kaltfronten mit Niederschlag und einem Wechsel der Luftmasse einhergehen können. Im Winter können Hochdruck- und insbesondere Inversionslagen zu Nebel, niedrigen Temperaturen und einer erhöhten Konzentration von Luftschadstoffen führen. In den Ardennen treten aufgrund der Höhenlage häufiger Schnee und länger anhaltende Schneedecken auf. Nebel ist dort ebenfalls häufig, insbesondere im Herbst und Winter. Die Küste weist dagegen die höchsten mittleren Windgeschwindigkeiten des Landes auf.

Für die aktuelle Klimabeschreibung verwendet das Königliche Meteorologische Institut die internationale Normalperiode 1991–2020. Die Sonnenscheindauer in Belgien insgesamt recht gering. In Uccle beträgt die normale jährliche Sonnenscheindauer rund 1604 Stunden. Die Sonnenscheindauer weist dabei regionale Unterschiede auf und ist insbesondere in den südlichen und küstennahen Landesteilen teilweise höher.[33]

Im Jahr 2023 lebten 98 Prozent der Einwohner Belgiens in Städten.[34] Belgien ist eines der meist verstädterten Länder der Welt (siehe: Liste der Länder nach Urbanisierung).

Großstädte in Belgien mit mindestens 100.000 Einwohnern
RangStadtEinwohner Stadt
1. Januar 2024[35]
Einwohner Bezirk
Januar 2022[35]
1Antwerpen544.759~1.064.000
2Gent269.597~569.000
3Charleroi204.322~397.000
4Brüssel196.828~1.223.000
5Lüttich (frz. Liège)195.778~625.000
6Schaerbeek/Schaarbeek130.405~1.223.000
7Anderlecht126.581~1.223.000
8Brügge (nld. Brugge)119.869~283.000
9Namur114.142~320.000
10Löwen (nld. Leuven)104.009~518.000

Die bedeutendsten Städte liegen an Flüssen. An der Schelde liegen Tournai, Oudenaarde, Gent, Dendermonde und Antwerpen. An der Leie (Lys), die in Gent in die Schelde mündet, liegen Kortrijk und Deinze. An der Maas (Meuse) liegen Dinant, Namur und Lüttich und an der Sambre Charleroi. An der Dender liegen Ath, Lessines, Geraardsbergen, Ninove, Denderleeuw, Aalst und an der Mündung in die Schelde Dendermonde. Die Hauptstadt Brüssel ist eine Ausnahme, da sie nur durch den kleinen Fluss der Senne durchflossen wird und durch den Kanal Brüssel–Charleroi sowie den Willebroek-Kanal künstlich an das Flusssystem angeschlossen ist. An der Senne befindet sich Soignies, Rebecq, Tubize, Halle, Brüssel, Vilvoorde und die Senne fließt in einem gewissen Abstand an Mechelen vorbei. Genappe, Ottignies-Louvain-la-Neuve, Wavre und Löwen liegen an der Dijle. Hasselt liegt am Albert-Kanal und der dem Fluss Demer, die bei Löwen in die Dijle fließt. Lier liegt an der Nete. Eupen, Verviers und Chaudfontaine liegen an der Weser.

Komplizierter Grenzverlauf

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Sowohl im Grenzverlauf zu den Niederlanden (Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden mit den Gemeinden Baarle-Nassau sowie Baarle-Hertog) als auch in Ostbelgien (Grenze zwischen Belgien und Deutschland) gibt es zahlreiche Exklaven sowie Enklaven, so u. a. die Vennbahn-Exklaven. Auch innerhalb Belgiens gibt es Exklaven und Enklaven, so ist z. B. die Gemeinde Voeren eine Exklave der belgischen Provinz Limburg und der Region Flandern. Auch die Gemeinde Comines-Warneton ist eine Exklave der belgischen Provinz Hennegau und der Region Wallonien.

Am 1. Januar 2026 hatte Belgien 11.867.634 Einwohner. Gegenüber dem 1. Januar 2025 nahm die Bevölkerung um 42.083 Personen beziehungsweise 0,36 Prozent zu.[36] Im Jahr 2025 wurden 108.033 Geburten und 112.923 Sterbefälle registriert. Dies entsprach einer Geburtenziffer von rund 9,1 und einer Sterbeziffer von rund 9,5 je 1000 Einwohner. Der daraus sich ergebende Sterbeüberschuss von 4.890 Personen wurde durch einen positiven internationalen Wanderungsüberschuss von 47.562 Personen mehr als ausgeglichen.[37][38]

Die zusammengefasste Geburtenziffer lag 2025 bei 1,43 Kindern je Frau; 2024 hatte sie 1,44 betragen. Der zuletzt verfügbare Vergleichswert der Europäischen Union lag 2024 bei 1,34 Kindern je Frau.[39][40]

Die Lebenserwartung bei der Geburt betrug 2025 insgesamt 82,5 Jahre. Bei Frauen lag sie bei 84,4 Jahren und bei Männern bei 80,5 Jahren.[41] Das Medianalter der Bevölkerung lag am 1. Januar 2025 bei 42,1 Jahren.[42]

Am 1. Januar 2026 waren 2.304.673 Einwohner beziehungsweise rund 19,4 Prozent der Bevölkerung jünger als 18 Jahre. 2.452.949 Einwohner beziehungsweise 20,67 Prozent waren mindestens 65 Jahre alt.[43]

Bevölkerungsstruktur

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Die Bevölkerung Belgiens wird häufig anhand der drei Gemeinschaften und vier Sprachgebiete beschrieben. Genaue amtliche Daten zur Verteilung der tatsächlich gesprochenen Sprachen werden jedoch nicht mehr erhoben, nachdem die Sprachzählungen 1961 gesetzlich abgeschafft worden waren. Die amtliche Sprachgrenze wurde 1962 beziehungsweise 1963 festgelegt.[44] Daher beruhen Angaben über den Anteil der niederländisch-, französisch- und deutschsprachigen Bevölkerung auf Schätzungen und dürfen nicht mit den Einwohnerzahlen der Regionen oder Gemeinschaften gleichgesetzt werden.

Als Flamen werden im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem die Einwohner der Flämischen Region bezeichnet. Zu dieser gehören die Provinzen Antwerpen, Flämisch-Brabant, Limburg, Ostflandern und Westflandern. Daneben gibt es niederländischsprachige Einwohner der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt sowie niederländischsprachige Minderheiten im französischen Sprachgebiet. Wohnort, Sprache und örtloche oder kulturelle Identität sind dabei nicht immer deckungsgleich.

Die Wallonen bilden die überwiegend französischsprachige Bevölkerung der Wallonischen Region. Von ihnen sind die französischsprachigen Bewohner der Region Brüssel-Hauptstadt zu unterscheiden, da Brüssel nicht zur Wallonischen Region gehört. Französischsprachige Minderheiten leben außerdem in Gemeinden des niederländischen und des deutschen Sprachgebiets.

Das deutsche Sprachgebiet besteht aus den neun Gemeinden Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach, Eupen, Kelmis, Lontzen, Raeren und Sankt Vith. Sie bilden das Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft.[45] Am 1. Januar 2026 hatte die Deutschsprachige Gemeinschaft 79.515 Einwohner.[46] Die Einwohnerzahl der Gemeinschaft entspricht allerdings nicht genau der Zahl der deutschsprachigen Belgier, da einerseits auch Anderssprachige in ihrem Gebiet und andererseits Deutschsprachige außerhalb der Gemeinschaft leben. Deutschsprachige Minderheiten gibt es insbesondere in Malmedy und Weismes, die zum französischen Sprachgebiet gehören.

In mehreren Gemeinden bestehen sogenannte Sprachfazilitäten (Spracherleichterungen) für anderssprachige Minderheiten. Im niederländischen Sprachgebiet besitzen die sechs Gemeinden im Brüsseler Umland Drogenbos, Kraainem, Linkebeek, Sint-Genesius-Rode, Wemmel und Wezembeek-Oppem sowie die sechs Sprachgrenzgemeinden Bever, Herstappe, Mesen, Ronse, Spiere-Helkijn und Voeren Fazilitäten für Französischsprachige. Im französischen Sprachgebiet besitzen Comines-Warneton, Enghien, Flobecq und Mouscron Fazilitäten für Niederländischsprachige sowie Malmedy und Weismes für Deutschsprachige. In Baelen, Plombières und Welkenraedt bestehen begrenzte Sonderregelungen im Bildungsbereich für Deutsch- und Niederländischsprachige. Alle neun Gemeinden des deutschen Sprachgebiets besitzen Fazilitäten für Französischsprachige.[47]

Zu den überkommenen Sprachminderheiten ohne eigenes Sprachgebiet gehören Sprecher westgermanischer Sprachvarietäten im französischen Sprachgebiet, etwa des Moselfränkischen im Areler Land (Altbelgien-Süd) und des Platdiets in den sogenannten plattdeutschen Gemeinden Baelen, Plombières und Welkenraedt (Altbelgien-Nord). Im Areler Land bestehen allerdings keine amtlichen Sprachfazilität für Mosekfränkisch; die begrenzten Sonderregelungen in den drei plattdeutschen Gemeinden sind ebenfalls nicht mit einem eigenen Sprachgebiet gleichzusetzen.[47] Nicht berücksicht wurden auch die Bürger in Flandern – insbesondere in Gent und anderen großen Städten – für die Französisch eine bevorzugte Sprache und mitunter sogar Muttersprache war (sogenannte „Fransquillon“).

Als Voyageurs, Gens du voyage oder Woonwagenbewoners werden je nach sprachlichem Zusammenhang unterschiedliche, in Belgien lebende Gruppen von Wohnwagenbewohnern bezeichnet. Dazu gehören unter anderem Manouches beziehungsweise Sinti, Jenische und Gruppen anderer Herkunft. Von ihnen werden die Roma in amtlichen und wissenschaftlichen Darstellungen teilweise unterschieden. Roma und Wohnwagenbewohner bilden keine einheitliche ethnische oder kulturelle Gruppe; verlässliche aktuelle Gesamtzahlen liegen nicht vor.[48]

Mit Stand vom 1. Januar 2026 waren laut dem belgischen Statistikamt Statbel 63,4 Prozent der Bevölkerung Belgier mit belgischer Herkunft. 22,8 Prozent waren Belgier mit ausländischer Herkunft und 13,8 Prozent Nichtbelgier.[49] Die Kategorie „ausländische Herkunft“ wird von Statbel anhand der gegenwärtigen und der ersten Staatsangehörigkeit einer Person sowie der ersten Staatsangehörigkeit ihrer Eltern bestimmt. Sie ist daher nicht mit einer ethnischen Zugehörigkeit oder einer eigenen Migrationserfahrung gleichzusetzen. So sind 67,7 Prozent der Belgier mit ausländischer Herkunft selbst in Belgien geboren.[49]

Die Bevölkerung ausländischer Herkunft stammt aus zahlreichen europäischen und außereuropäischen Staaten. Von den Belgiern mit ausländischer Herkunft und den Nichtbelgiern entfielen 2026 nach der von Statbel verwendeten Herkunftsnationalität 44,9 Prozent auf Mitgliedstaaten der Europäischen Union und die europäischen Nachbarstaaten, während 55,1 Prozent eine Herkunftsnationalität außerhalb der Europäischen Union besaßen.[49] Eine umfassende amtliche Erhebung der innerhalb dieser Bevölkerungsgruppen gesprochenen Sprachen gibt es nicht. Große Bevölkerungsgruppen außerhalb Europas stammen aus Marokko, der Türkei, Algerien und der Demokratischen Republik Kongo.

Die Sprachgebiete Belgiens:
  • Niederländisches Sprachgebiet
  • Französisches Sprachgebiet
  • Deutsches Sprachgebiet
  • zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt

    Gemäß Artikel 4 der belgischen Verfassung umfasst das Land vier Sprachgebiete: das niederländische, das französische und das deutsche Sprachgebiet sowie das zweisprachige Gebiet Brüssel-Hauptstadt. Jede belgische Gemeinde gehört genau einem dieser Sprachgebiete an.[44]

    In Belgien haben drei Sprachen den Status einer Amtssprache:

    Die häufig genannten Anteile von ungefähr 60 Prozent Niederländischsprachigen, rund 40 Prozent Französischsprachigen und weniger als einem Prozent Deutschsprachigen sind Schätzwerte, da seit 1961 keine amtlichen Sprachzählungen mehr stattfinden.[44] Artikel 30 der belgischen Verfassung regelt für Bürger und private Betriebe, dass der Gebrauch der in Belgien gesprochenen Sprachen frei ist. Damit ist grundsätzlich die Sprachenfreiheit von Bürgern und auch Unternehmen verfassungsrechtlich geschützt. Artikel 129 der Verfassung legt aber ausdrücklich bestimmte Bereiche fest, in denen die Sprachgemeinschaften die private Sprachverwendung regeln dürfen – darunter Arbeitsbeziehungen und gesetzlich vorgeschriebene Unternehmensunterlagen.

    Nach der Unabhängigkeit Belgiens 1830 beherrschte Französisch zunächst die staatliche Verwaltung, die Justiz, das höhere Bildungswesen und das politische Leben. Die belgische Verfassung gewährleistete jedoch grundsätzlich die Freiheit des Sprachgebrauchs. Durch mehrere zwischen 1873 und 1963 verabschiedete Sprachgesetze wurden Niederländisch, Französisch und Deutsch schrittweise als Amtssprachen anerkannt und ihr Gebrauch in Verwaltung, Justiz und Bildung geregelt.[50]

    Mit dem Gleichheitsgesetz von 1898 erhielten niederländische und französische Gesetzestexte den gleichen rechtlichen Rang.[51] Die tatsächliche Gleichstellung des Niederländischen in Verwaltung, Justiz und Bildungswesen erfolgte jedoch nur schrittweise. Die Flämische Bewegung hatte bereits seit dem 19. Jahrhundert die stärkere Verwendung des Niederländischen gefordert; nach dem Ersten Weltkrieg gewannen diese Forderungen weiter an politischem Gewicht.

    Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Gebiete Eupen, Malmedy und Sankt Vith infolge des Versailler Vertrags Belgien angegliedert. Die rechtliche Stellung des Deutschen entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten schrittweise. Das deutsche Sprachgebiet wurde im Zuge der Sprachgesetzgebung von 1962 und 1963 festgelegt; die Einteilung Belgiens in vier Sprachgebiete wurde 1970 in der Verfassung verankert.[45]

    Das Gesetz von 1921 leitete den Übergang zum Gebietsgrunsatz ein. Die Sprachgesetzgebung von 1932 baute diese Bestimmung weiter aus und unterschied das niederländische, französische und deutsche Sprachgebiet sowie das zweisprachige Gebiet Brüssel. Die heute geltende Sprachgrenze wurde 1962 und 1963 festgelegt.[52] Sonderregelungen bestehen in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt sowie in den Fazilitätengemeinden. Die sprachrechtliche Einteilung regelt vor allem den Sprachgebrauch der Behörden und öffentlichen Einrichtungen, nicht den privaten Sprachgebrauch der Einwohner.

    Die Französische Gemeinschaft erkannte 1990 die auf ihrem Gebiet seit langem gesprochenen einheimische Regionalsprachen als kulturelles Erbe an. Dazu gehören unter anderem Wallonisch, Picardisch, romanisches Lothringisch, Champenois, das Moselfränkisch/Luxemburgisch sowie weitere germanische Regionalvarietäten. Diese Anerkennung verleiht ihnen jedoch nicht den Status einer belgischen Amtssprache.[53]

    Im 19. und bis weit in das 20. Jahrhundert hinein sprach ein großer Teil der belgischen Bevölkerung im Alltag Mundarten. Auch heute werden Dialekte, Regiolekte und Übergangsformen zwischen Mundart und Standardsprache verwendet. Der Begriff Tussentaal bezeichnet dabei insbesondere in Flandern verbreitete Umgangsvarietäten zwischen den niederländischen Dialekten und dem Standardniederländischen.

    Zu den niederländischen Dialektgruppen in Flandern gehören Westflämisch, Ostflämisch, Brabantisch und Limburgisch. Brabantische Varietäten werden unter anderem in Antwerpen und im flämischen Umland von Brüssel gesprochen. Ostflämisch besitzt sowohl westflämische als auch brabantische Merkmale. Limburgisch gehört zum südniederfränkischen Dialektkontinuum.[54]

    Einen Sonderfall bilden die traditionellen Brüsseler Stadtmundarten. Das eigentliche Brüsseler beziehungsweise Brusseleir beruht auf einer brabantisch-niederländischen Grundlage und weist starke französische Einflüsse auf. Daneben entwickelten sich französischsprachige und gemischte Brüsseler Varietäten. Das umgangssprachliche Brüsseler Französisch enthält zahlreiche niederländische beziehungsweise flämische Bestandteile. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit der seit dem 19. Jahrhundert erfolgten Französisierung Brüssels.

    Im französischen Sprachgebiet werden beziehungsweise wurden seit langem Wallonisch, Picardisch, romanisches Lothringisch und Champenois gesprochen. Ihre heutige Verbreitung ist unterschiedlich und gegenüber dem Standardfranzösischen stark zurückgegangen.

    Im Areler Land werden beziehungsweise wurden seit langem moselfränkische Varietäten gesprochen. Sie erhielten dort keinen amtlichen Status. Die belgisch-luxemburgische Staatsgrenze, die infolge der Teilung Luxemburgs auf der Londoner Konferenz von 1839 entstand, stimmt nicht vollständig mit der traditionellen Sprachgrenze überein.

    In Ostbelgien werden drei größere Dialekträume unterschieden: ein südniederfränkischer, ein ripuarischer und ein moselfränkischer Dialektraum. Südniederfränkische und ripuarische Varietäten werden vor allem im nördlichen und mittleren Teil Ostbelgiens gesprochen, während im südlichen Teil um Sankt Vith, Amel, Büllingen und Burg-Reuland moselfränkische Dialekte verbreitet sind. Daneben bestehen zahlreiche örtliche Übergangsformen.[55] Traditionelle deutsche beziehungsweise niederfränkische Dialekte werden außerdem in den plattdeutschen Gemeinden Baelen, Plombières und Welkenraedt sowie teilweise in Malmedy und Weismes gesprochen.

    Vor der Staatsgründung

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    Als Teil der römischen Provinz Gallia Belgica – deren Name auf die von Caesar als Belgae bezeichneten Bevölkerungsgruppen zurückgeht – erlebte das heutige Gebiet Belgiens zahlreiche Herrschaften. Es war im Frühmittelalter Teil des Fränkischen Reiches, wurde bei dessen Teilungen mehrfach politisch geteilt und zerfiel später in einzelne Herzogtümer und Grafschaften. Das Herzogtum Brabant, das Herzogtum Limburg, die Grafschaft Hennegau und das Hochstift Lüttich gehörten zum Heiligen Römischen Reich, während der größte Teil der Grafschaft Flandern unter französischer Lehnshoheit stand und als Kronflandern bezeichnet wurde. Ein Teil Flanderns östlich der Schelde – Reichsflandern – gehörte dagegen zum Heiligen Römischen Reich. Im Konflikt zwischen dem französischen König und den flämischen Städten fand 1302 die Sporenschlacht statt.

    Die Grafschaft Flandern war nicht deckungsgleich mit der heutigen Region Flandern, da Limburg und Brabant einschließlich Antwerpens nicht zu ihr gehörten. Dafür umfasste sie zeitweise auch den ursprünglich niederländischsprachigen Westhoek bei Dünkirchen und das französischsprachige romanische Flandern um Lille und Douai, die heute Teile von Französisch-Flandern bilden. Vom Hochmittelalter bis zur frühen Neuzeit gehörten die Städte Flanderns mit ihren Tuchindustrien zu den bedeutendsten Wirtschaftszentren Europas.

    Die Grafschaft Flandern, die zuvor vom Haus Flandern und vom Haus Dampierre regiert worden war, fiel 1384 nach dem Tod Ludwigs II. durch die bereits 1369 geschlossene Ehe seiner Erbtochter Margarete mit Philipp dem Kühnen an das Haus Burgund. Brabant und Limburg fielen 1430 an Philipp den Guten. Der Hennegau war zuvor gemeinsam mit Holland und Zeeland von der wittelsbachischen Linie Straubing-Holland regiert worden und gelangte 1433 endgültig unter burgundische Herrschaft.[56] Diese Gebiete wurden 1512 größtenteils dem Burgundischen Reichskreis zugeordnet. Das Hochstift Lüttich blieb äußerlich selbstständig, geriet jedoch zeitweise unter starken burgundischen Einfluss. Die vier burgundischen Herzöge aus dem Haus Valois waren Philipp der Kühne von 1363 bis 1404, Johann Ohnefurcht von 1404 bis 1419, Philipp der Gute von 1419 bis 1467 und Karl der Kühne von 1467 bis 1477. Diese Zeit bildete eine Hochblüte der Kunst. Die Altniederländische Malerei mit herausragenden Vertretern wie Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes und Jan van Eyck gibt davon Zeugnis. Auch die Franko-flämische Musik war von großer Bedeutung für die spätere Entwicklung der europäischen Musikgeschichte.

    Nach dem Tod Karls des Kühnen 1477 gelangten die burgundischen Niederlande durch die Heirat seiner Erbtochter Maria von Burgund mit Maximilian von Österreich, dem späteren römisch-deutschen König und Kaiser, an die Habsburger. Mit den Abdankungen Karls V. 1555 und 1556 wurde die Teilung der Habsburgerdynastie in eine spanische und eine österreichische Linie vollzogen. Die niederländischen Provinzen fielen an die spanischen Habsburger.

    1579 bildeten sich die katholische Union von Arras und die calvinistisch geprägte Utrechter Union. Die Provinzen der Utrechter Union sagten sich 1581 von Spanien los und bildeten die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, deren Unabhängigkeit 1648 im Frieden von Münster anerkannt wurde. Die südlichen Provinzen, darunter der größte Teil Flanderns und Brabants, blieben als Spanische Niederlande unter spanisch-habsburgischer Herrschaft. Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger im Jahr 1700 und dem Spanischen Erbfolgekrieg kamen die nunmehrigen Österreichischen Niederlande 1714 unter die Herrschaft der österreichischen Habsburger.

    Infolge der absolutistisch-zentralistischen Reformpolitik Kaiser Josephs II. kam es 1789 zur Brabanter Revolution und 1790 zur Ausrufung der kurzlebigen Vereinigten Belgischen Staaten. Das revolutionäre Frankreich besetzte die Österreichischen Niederlande erstmals 1792, eroberte sie 1794 dauerhaft und gliederte sie 1795 in die Französische Republik ein. Auf dem Wiener Kongress wurden die südlichen und nördlichen Niederlande 1815 zum Vereinigten Königreich der Niederlande vereinigt. Brüssel und Den Haag dienten abwechselnd als Residenz- und Regierungssitze König Wilhelms I.

    Nach der Staatsgründung

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    Im Zuge der Belgischen Revolution erklärte Belgien 1830 seine Unabhängigkeit von den Niederlanden. Es wurde eine konstitutionelle parlamentarische Monarchie errichtet. Der Nationalkongress wählte Leopold von Sachsen-Coburg zum ersten König der Belgier; er legte am 21. Juli 1831 den Eid auf die Verfassung ab. Die niederländische Anerkennung der belgischen Unabhängigkeit erfolgte erst 1839.[57] Von Anfang an war das Land durch Spannungen geprägt. Politisch herrschte zunächst der Gegensatz zwischen Liberalen, die staatliche Modernisierung und Säkularisierung vorantrieben, und Katholiken, die den Einfluss der Kirche im Bildungswesen und im gesellschaftlichen Leben verteidigten. Wirtschaftlich entwickelte sich Belgien, insbesondere Wallonien, mit Kohlebergbau, Stahlerzeugung und Textilindustrie zur ersten stark industrialisierten Volkswirtschaft Kontinentaleuropas.

    Die Jahre 1879 bis 1884 waren vom Ersten Schulstreit geprägt. Die liberale Regierung unter Walthère Frère-Orban beschloss 1879 ein Gesetz, nach dem jede Gemeinde mindestens eine weltanschaulich neutrale Grundschule unterhalten musste und Religionsunterricht nur außerhalb des regulären Stundenplans stattfinden sollte. Die katholische Kirche rief dagegen Widerstand ins Leben und baute ein katholisches Schulwesen aus. Nach dem Wahlsieg der Katholiken im Jahr 1884 erhielten die Gemeinden wieder größere Freiheit bei dem Aufbau des Unterrichts und Bekenntnisschulen erneut bessere Möglichkeiten staatlicher Förderung.[58] Das Nebeneinander öffentlicher und freier, überwiegend katholischer Schulen wurde später durch den Schulpakt von 1958 dauerhaft abgesichert.

    Leopold II., Sohn des ersten Königs, war von 1885 bis 1908 persönlicher Souverän des Kongo-Freistaats, der staatsrechtlich zunächst nicht zu Belgien gehörte. Nachdem schwere Gewalttaten und Menschenrechtsverletzungen bei der wirtschaftlichen Ausbeutung des Gebietes weltweit bekannt geworden waren, übernahm der belgische Staat den Kongo 1908 als Kolonie. Das Zwangsarbeitssystem, Gewalt, Hunger, Krankheiten, sinkende Geburtenraten und Fluchtbewegungen verursachten einen erheblichen Bevölkerungsrückgang. Dessen genaues Ausmaß ist wegen fehlender verlässlicher Bevölkerungsstatistiken umstritten; die häufig genannte Zahl von zehn Millionen ist keine gesicherte Zahl unmittelbar Getöteter.[59] 1960 wurde der Kongo unabhängig.

    Im Ersten Weltkrieg wurde das neutrale Belgien entsprechend dem Schlieffen-Plan vom Deutschen Reich überfallen und größtenteils vom deutschen Heer besetzt. Unbesetzt blieb lediglich ein kleiner Streifen im äußersten Südwesten Westflanderns, der Westhoek, westlich bzw. hinter der Yser-Front.[60]

    Dieser unbesetzte Teil erstreckte sich ungefähr von der Nordseeküste bei Nieuwpoort (Nieuport) über Veurne bis zur französischen Grenze. Das belgische Heer hielt dort die Yser-Front gegen die deutschen Truppen.[61]

    De Panne wurde dadurch zu einem politischen Mittelpunkt des unbesetzten Belgiens. Die königliche Familie hielt sich dort auf; König Albert I. hatte sein Hauptquartier im nahe gelegenen Veurne. Die belgische Regierung war dagegen nach Sainte-Adresse bei Le Havre in Frankreich ausgewichen.[62][63] Die Übergriffe wurden mit angeblichen Angriffen belgischer Freischärler begründet, für deren Vorhandensein es jedoch keine Belege gab. Im Verlauf des Stellungskrieges wurden vor allem in Westflandern zahlreiche Orte zerstört und Landstriche verwüstet. Ab 1915 errichteten die deutschen Besatzungsbehörden entlang der belgisch-niederländischen Grenze einen etwa 300 Kilometer langen elektrischen Hochspannungszaun, das sogenannte Grenzhochspannungshindernis, um den Grenzverkehr zwischen dem besetzten Belgien und den neutralen Niederlanden zu unterbinden.[64] Ab 1916 verschleppten die deutschen Besatzungsbehörden Zehntausende belgische Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland oder setzten sie in Belgien ein.[65][66]

    Nach dem Krieg wurde das mehrheitlich deutschsprachige Gebiet Eupen-Malmedy durch den Friedensvertrag von Versailles 1920 vorläufig unter belgische Verwaltung gestellt. Die Volksbefragung von 1920 war keine geheime Abstimmung: Gegner der Angliederung mussten sich namentlich in öffentliche Listen eintragen. Nach dieser umstrittenen Befragung und der Bestätigung durch den Völkerbund wurde das Gebiet 1925 vollständig in den belgischen Staat eingegliedert.[67] Belgien beteiligte sich außerdem von 1923 bis 1925 an der Ruhrbesetzung.

    Seit 1936 verfolgte Belgien erneut eine Politik der militärischen Unabhängigkeit und Neutralität. Obwohl das Deutsche Reich 1937 die Unverletzlichkeit Belgiens zugesichert hatte, griff die Wehrmacht das Land am 10. Mai 1940 ohne vorherige Kriegserklärung an. Im Verlauf des Westfeldzugs wurden Belgien, die Niederlande und Luxemburg besetzt. Bei der als „Bruch von Wijnendale“ bezeichneten Beratung im Schloss Wijnendale am 25. Mai 1940 lehnte König Leopold III. die Aufforderung seiner Minister ab, ihnen nach Frankreich zu folgen und den Kampf fortzusetzen, und entschied, bei der belgischen Armee zu bleiben.[68] König Leopold III. kapitulierte am 28. Mai 1940 nach der Schlacht an der Lys gegen den Willen seiner nach Frankreich ausgewichenen Regierung. Er blieb zunächst unter deutscher Bewachung im Schloss Laeken und wurde 1944 mit seiner Familie nach Deutschland verbracht. Die belgische Exilregierung setzte den Krieg von London aus fort. Leopold III. heiratete während der deutschen Besatzung und seiner Kriegsgefangenschaft im Schloss Laeken am 11. September 1941 Lilian Baels zunächst heimlich kirchlich; die standesamtliche Eheschließung folgte am 6. Dezember 1941, womit die kirchliche Trauung entgegen der belgischen Verfassung der zivilen Eheschließung vorausging.[69] Die Ehe und ihre Umstände, aber auch Leopolds Verhalten während der Besatzung und insbesondere seine Weigerung, Belgien mit der Regierung zu verlassen, gehörten zu den Gründen, die nach dem Krieg zur Question royale beitrugen.[70] Nach der Befreiung Belgiens wurde Leopold III. mit seiner Familie zunächst nach Österreich gebracht; nach seiner Freilassung ließ er sich 1945 in Pregny bei Genf in der Schweiz nieder.[71] Dort blieb er bis 1950, als er nach der Volksbefragung über seine Rückkehr nach Belgien zurückkehrte; 1951 dankte er schließlich zugunsten seines Sohnes Baudouin ab.[72]

    Belgien blieb bis zu seiner schrittweisen Befreiung 1944 und Anfang 1945 besetzt. Juden sowie Sinti und Roma wurden verfolgt und verschleppt; zwischen 1942 und 1944 wurden etwa 25.000 Juden aus Belgien überwiegend nach Auschwitz verschleppt.[73] Das Land erlitt Zerstörungen durch die Kampfhandlungen von 1940, alliierte Bombenangriffe, deutsche V-Waffen und insbesondere durch die Ardennenoffensive im Dezember 1944 und Januar 1945, die im Osten des Landes um Sankt Vith und Bastogne schwere Schäden verursachte.

    Nach der Befreiung übernahm Karl von Belgien im September 1944 die Regentschaft, da die Rückkehr Leopolds III. umstritten war. Bei einer nicht bindenden Volksbefragung am 12. März 1950 stimmten 57,7 Prozent für die Rückkehr des Königs. Eine deutliche Mehrheit der flämischen Wähler stimmte dafür, während sich in Wallonien eine Mehrheit dagegen aussprach. Nach Leopolds Rückkehr im Juli 1950 kam es zu Ausständen und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Am 30. Juli erschoss die Gendarmerie in Grâce-Berleur bei Lüttich vier Demonstranten. Am 1. August schlug Leopold vor, seine königlichen Befugnisse seinem Sohn Baudouin zu übertragen, der am 11. August 1950 zum Prinzen mit königlichen Befugnissen ernannt wurde und nach Leopolds Abdankung 1951 König wurde.[74]

    Die Nachkriegszeit wurde durch eine erneute Auseinandersetzung über die staatliche Bezahlung katholischer Schulen geprägt, den Zweiten Schulstreit. Dieser wurde 1958 durch den zwischen den großen Parteien vereinbarten Schulpakt beigelegt. Der Pakt sicherte sowohl öffentlichen als auch anerkannten freien Schulen staatliche Unterstützung und wurde durch das Gesetz vom 29. Mai 1959 umgesetzt.[75]

    Die bereits während des Zweiten Weltkriegs vereinbarte Zusammenarbeit zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg führte zunächst zur 1944 vereinbarten und 1948 in Kraft getretenen Benelux-Zollunion. Der Vertrag über die Benelux-Wirtschaftsunion wurde am 3. Februar 1958 in Den Haag unterzeichnet und trat am 1. November 1960 in Kraft.[76] Belgien zählt zu den Gründerstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und spielte eine wichtige Rolle in der europäischen Einigung. Brüssel wurde zum Sitz des Hauptquartiers der NATO und zu einem der wichtigsten Standorte der Institutionen der heutigen Europäischen Union.

    Im Herbst 1960 legte die christlich-liberale Regierung unter Premierminister Gaston Eyskens das Einheitsgesetz mit Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen und sozialpolitischen Reformen vor. Die Maßnahmen sollten die angespannte Haushaltslage nach der Unabhängigkeit des Kongos verbessern. Dagegen begann im Dezember 1960 ein etwa fünf Wochen dauernder Generalstreik, an dem sich bis zu 700.000 Arbeitnehmer beteiligten. Sein Schwerpunkt lag in den wallonischen Industriegebieten, während die Arbeitsniederlegungen in Flandern weniger umfassend waren. Der Ausstand führte zu gewaltsamen Zusammenstößen und forderte vier Todesopfer. Das Einheitsgesetz wurde dennoch im Januar 1961 vom Parlament verabschiedet.[77]

    Der Gewerkschafter André Renard verband die sozialen Forderungen des Ausstandes zunehmend mit Forderungen nach wirtschaftlichen Strukturreformen und wallonischer Selbstverwaltung. Obwohl der Ausstand sein unmittelbares Ziel verfehlte, stärkte er das wallonische Regionalbewusstsein. Im Frühjahr 1961 entstand unter Renards Führung das Mouvement populaire wallon, das soziale, strukturpolitische und föderalistische Ziele miteinander verband. Diese Verbindung wurde als Renardismus bezeichnet.[78]

    Die Innenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg war zunehmend von der Föderalisierung des belgischen Staates und seiner Einrichtungen geprägt. Die ab 1970 vorgenommenen Staatsreformen sollten insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen den Sprachgemeinschaften und Regionen institutionell regeln. Seit der Verfassungsreform von 1993 ist Belgien ausdrücklich ein Föderalstaat.[79] In Flandern erzielen Parteien, welche die Unabhängigkeit oder Selbstverwaltung Flanders anstreben, regelmäßig hohe Stimmenanteile.

    Die Krise um Marc Dutroux fiel in die Regierungszeit Jean-Luc Dehaenes. Dutroux wurde am 13. August 1996 verhaftet. Die öffentliche Empörung über seine Verbrechen und die Versäumnisse von Polizei und Justiz äußerte sich unter anderem im Weißen Marsch vom 20. Oktober 1996. Die Dutroux-Affäre und insbesondere seine kurzzeitige Flucht im April 1998 beschleunigten die grundlegende Neugestaltung der belgischen Polizei. Mit dem Gesetz vom 7. Dezember 1998 wurden die zuvor getrennten Polizeidienste zu einer auf föderaler und örtlichen Ebene errichteten Polizei zusammengeführt.[80]

    Das Bildungssystem ist in Belgien aufgrund der weitreichenden Befugnisse der einzelnen Gemeinschaften unterschiedlich. Das Hochschulwesen wurde im Zuge des Bologna-Prozesses in allen drei Gemeinschaften auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Für das Bildungswesen sind grundsätzlich die Flämische, die Französische und die Deutschsprachige Gemeinschaft zuständig. Der Föderalstaat regelt lediglich den Beginn und das Ende der Schulpflicht, die Mindestbedingungen für die Verleihung von Diplomen sowie die Pensionen der Lehrkräfte.[81] Die Schulpflicht beginnt mit dem Schuljahr des Kalenderjahres, in dem ein Kind fünf Jahre alt wird, und endet grundsätzlich mit dem 18. Lebensjahr.[82]

    Schulträger und Schulnetze

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    Kennzeichnend für das belgische Bildungswesen ist die Unterscheidung zwischen öffentlichem, freiem subventioniertem Unterricht und nicht subventioniertem Privatunterricht. Hausunterricht ist möglich. Träger einer Schule ist die inrichtende macht beziehungsweise das schoolbestuur im niederländischsprachigen System, der pouvoir organisateur (PO) im französischsprachigen System und der Schulträger im deutschsprachigen System. Der Träger ist unter anderem für die pädagogische Ausrichtung, die Verwaltung und die Beschäftigung des Personals verantwortlich.[83]

    Im niederländischsprachigen Bildungswesen werden drei Schulnetze unterschieden:

    • das von der öffentlichen Einrichtung GO! onderwijs van de Vlaamse Gemeenschap organisierte Gemeinschaftsunterrichtswesen;
    • das von Gemeinden, Städten oder Provinzen organisierte offizielle subventionierte Unterrichtswesen;
    • das freie subventionierte Unterrichtswesen in privatrechtlicher Trägerschaft.

    Im französischsprachigen Bildungswesen bestehen entsprechend:

    • das von Wallonie-Bruxelles Enseignement (WBE) organisierte öffentliche Unterrichtswesen;
    • das von Gemeinden, Städten, Provinzen oder der Französischen Gemeinschaftskommission in Brüssel organisierte offizielle subventionierte Unterrichtswesen;
    • das freie subventionierte Unterrichtswesen, das in einen konfessionellen und einen nicht konfessionellen Bereich gegliedert ist.

    In der Deutschsprachigen Gemeinschaft bestehen das Gemeinschaftsunterrichtswesen (GUW), das offizielle subventionierte Unterrichtswesen (OSUW) und das freie subventionierte Unterrichtswesen (FSUW).[84]

    Die freien subventionierten Schulen werden von privatrechtlichen Organisationen getragen, aber von der jeweils zuständigen Gemeinschaft finanziert oder erhalten eine Beihilfe. Die Mehrheit dieser Schulen ist katholisch. Daneben bestehen jüdische, protestantische und nicht konfessionelle freie Schulen. Zum nicht konfessionellen freien Unterricht gehören auch Schulen mit alternativen oder reformpädagogischen Ansätzen, etwa Steiner- beziehungsweise Waldorfschulen und andere Methoden- oder Aktivschulen. Schulen mit alternativen pädagogischen Konzepten können allerdings auch einem offiziellen Schulnetz angehören.[85]

    Von den freien subventionierten Schulen sind nicht oder lediglich anderweitig anerkannte Privatschulen zu unterscheiden. Zu ihnen gehören zahlreiche internationale und ausländische Schulen. Daneben bestehen in Belgien die von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gemeinsam getragenen Europäischen Schulen. Einige internationale Schulen vergeben ausländische, internationale oder europäische Abschlüsse, während nicht anerkannte Privatschulen keine belgischen Abschlusszeugnisse ausstellen dürfen.[86]

    Die gleichzeitige Bestehen öffentlicher und vor allem katholischer freier Schulen geht auf die in Belgien verfassungsrechtlich gewährleistete Unterrichtsfreiheit zurück. Die Finanzierung und weltanschauliche Ausrichtung der Schulen führten im 19. und 20. Jahrhundert zu zwei großen politischen Auseinandersetzungen, den sogenannten Schulkonflikten beziehungsweise guerres scolaires oder schoolstrijden. Der erste Schulkonflikt dauerte von 1879 bis 1884; der zweite erreichte in den 1950er Jahren seinen Höhepunkt. Der 1958 zwischen Christdemokraten, Sozialisten und Liberalen geschlossene und 1959 gesetzlich umgesetzte Schulpakt sicherte sowohl die öffentliche Finanzierung anerkannter freier Schulen als auch die Wahlfreiheit der Eltern und prägt die Gliederung des belgischen Schulwesens bis heute.[87]

    Schulen der Flämischen Gemeinschaft

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    Ab einem Alter von zweieinhalb Jahren können Kinder in Flandern und im niederländischsprachigen Unterrichtswesen Brüssels den Kindergarten beziehungsweise die Vorschule (niederländisch kleuteronderwijs) besuchen. Für fünfjährige Kinder gilt bereits die Schulpflicht. Ab einem Alter von normalerweise sechs Jahren besuchen die Kinder sechs Jahre lang die Primarschule (lager onderwijs). Kindergarten und Primarschule bilden gemeinsam den grundlegenden Unterricht (basisonderwijs).[88] Französisch wird im niederländischsprachigen Primarschulunterricht grundsätzlich spätestens ab dem fünften Schuljahr als Fremdsprache unterrichtet.

    Ab dem siebten Schuljahr erfolgt der Unterricht an einer Sekundarschule. Der gewöhnliche Vollzeitsekundarunterricht (niederländisch voltijds gewoon secundair onderwijs) ist in drei Stufen gegliedert:

    a) erste Stufe (eerste graad, erstes und zweites Sekundarschuljahr): Orientierung in einem A- oder B-Zweig; b) zweite Stufe (tweede graad, drittes und viertes Sekundarschuljahr); c) dritte Stufe (derde graad, fünftes und sechstes sowie gegebenenfalls siebtes Sekundarschuljahr).

    Ab der zweiten Stufe wählen die Schüler eine Studienrichtung. Die Studienrichtungen werden nach acht Studienbereichen und drei Zielrichtungen (finaliteiten) geordnet:

    • Durchstiegsziel (doorstroomfinaliteit): Vorbereitung auf ein Hochschulstudium;
    • doppeltes Ziel (dubbele finaliteit): Vorbereitung sowohl auf ein Hochschulstudium als auch auf den Arbeitsmarkt;
    • Arbeitsmarktziel (arbeidsmarktfinaliteit): vorwiegend berufspraktische Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt.

    Daneben werden weiterhin vier Unterrichtsformen unterschieden:

    • ASO (algemeen secundair onderwijs, allgemeinbildender Sekundarunterricht);
    • KSO (kunstsecundair onderwijs, künstlerischer Sekundarunterricht);
    • TSO (technisch secundair onderwijs, technischer Sekundarunterricht);
    • BSO (beroepssecundair onderwijs, beruflicher Sekundarunterricht).

    Die Unterrichtsformen sind mit den Zielrichtungen verbunden: ASO gehört zum Durchstiegsziel, BSO zum Arbeitsmarktziel; TSO und KSO können dem Durchstiegsziel oder dem doppelten Ziel angehören.[89]

    Die 1.–2. Sekundarstufe entsprechen der 1. graad und führen zum Getuigschrift van de eerste graad. Das Getuigschrift van de tweede graad van het secundair onderwijs, das früher als Getuigschrift van lager secundair onderwijs bezeichnet wurde, wird in Flandern normalerweise am Ende des 4. Sekundarschuljahres nach dem zweiten Jahr der 2. graad erworben; die Schülerinnen und Schüler sind dabei in der Regel 15 bis 16 Jahre alt.

    Nach dem erfolgreichen sechsten Sekundarschuljahr erhalten Absolventen des Durchstiegsziels und des doppelten Ziels ein diploma secundair onderwijs der Bildungsqualifikationsstufe 4 (OK4), das den unmittelbaren Zugang zu Bachelorstudiengängen ermöglicht. Absolventen des Arbeitsmarktziels erhalten seit dem Schuljahr 2024/25 nach dem sechsten Jahr ein Diplom der Stufe OK3. Dieses berechtigt unmittelbar zu Graduiertenstudiengängen, jedoch nicht zu einem Bachelorstudium. Durch ein zusätzliches siebtes, auf den Hochschulzugang ausgerichtetes Schuljahr kann die entsprechende Hochschulzugangsberechtigung erworben werden. Andere siebte Schuljahre dienen der weiteren beruflichen Spezialisierung.

    Beruflich ausgerichtete Studienrichtungen können auch als dualer Unterricht (duaal leren) organisiert werden, bei dem Unterricht in der Schule und Ausbildung in einem Betrieb miteinander verbunden werden. Seit dem Schuljahr 2025/26 ersetzt das duale Lernen weitgehend das frühere System des Teilzeitlernens und Teilzeitarbeitens.[90]

    Die frühere vierte Stufe des Sekundarunterrichts im Bereich Krankenpflege wurde durch die dreijährige Graduiertenausbildung Basisverpleegkunde ersetzt. Sie wird von Sekundarschulen in Zusammenarbeit mit einer Hochschule angeboten und ist der Stufe 5 des flämischen Qualifikationsrahmens zugeordnet.[91]

    Neben den Regelschulen besteht das buitengewoon onderwijs, das Schülern mit besonderem Förderbedarf in eigenen Schulen unterrichtet. Es gibt verschiedene Formen des buitengewoon onderwijs, die sich nach Art des Unterstützungsbedarfs und dem angestrebten Bildungsweg unterscheiden. Daneben verfolgt Flandern mit dem inklusive onderwijs auch das Ziel, Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen stärker in den regulären Unterricht einzubeziehen.

    Zum flämischen Erwachsenenunterricht (volwassenenonderwijs) gehören die Zentren für Grundbildung (Ligo-centra voor basiseducatie, Ligo-CBE) und die Zentren für Erwachsenenunterricht (centra voor volwassenenonderwijs, CVO). Die Ligo-Zentren vermitteln insbesondere Grundkompetenzen und Sprachkenntnisse. Die CVO bieten modular aufgebauten Sekundarunterricht für Erwachsene, berufliche Qualifikationen, Sprachunterricht und Möglichkeiten zum nachträglichen Erwerb eines Sekundarschulabschlusses an.[92]

    Schulen der Französischen Gemeinschaft

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    Kinder in der Französischen Gemeinschaft Belgiens können ab einem Alter von zweieinhalb Jahren die Vorschule (école maternelle) besuchen. Seit September 2020 beginnt die Schulpflicht mit fünf Jahren, sodass das dritte Vorschuljahr verpflichtend ist.[93]

    Vom normalerweise sechsten bis zum zwölften Lebensjahr besuchen die Kinder die sechsjährige Primarstufe (enseignement primaire). Die école primaire bildet zusammen mit der école maternelle den grundlegenden Unterricht (enseignement fondamental). Die Klassenstufen werden von der première primaire bis zur sixième primaire durchgezählt. Im Zuge des gemeinsamen Kerncurriculums (tronc commun) beginnt der Unterricht in der ersten modernen Fremdsprache grundsätzlich ab dem dritten Primarschuljahr. Welche Sprache unterrichtet wird, hängt auch von den sprachgesetzlichen Vorschriften und vom Standort der Schule ab; in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt ist dies grundsätzlich Niederländisch. Die Primarschule wird in der Regel mit dem Certificat d’études de base (CEB) abgeschlossen.

    Die Sekundarstufe (enseignement secondaire) umfasst normalerweise sechs Jahre und ist in drei Stufen (degrés) gegliedert. Die erste Stufe umfasst grundsätzlich das erste und zweite Sekundarschuljahr. Neben dem gemeinsamen ersten Bildungsweg besteht ein anderer Bildungsweg für Schüler, die den CEB noch nicht erworben haben. Die erste Stufe wird in der Regel mit dem Certificat d’études du premier degré de l’enseignement secondaire (CE1D) abgeschlossen.

    Die zweite Stufe umfasst das dritte und vierte Sekundarschuljahr. Ab diesem Zeitpunkt wird zwischen Übergangsunterricht (enseignement de transition) und Qualifikationsunterricht (enseignement de qualification) unterschieden. Es bestehen vier Unterrichtsformen:

    • allgemeinbildender Unterricht (enseignement général);
    • technischer Unterricht (enseignement technique);
    • künstlerischer Unterricht (enseignement artistique);
    • beruflicher Unterricht (enseignement professionnel).

    Der allgemeinbildende Unterricht gehört zum Übergangsunterricht. Technischer und künstlerischer Unterricht können als Übergangs- oder Qualifikationsunterricht organisiert werden. Der berufliche Unterricht gehört zum Qualifikationsunterricht. Am Ende des vierten Sekundarschuljahres kann das Certificat d’enseignement secondaire du deuxième degré (CE2D) erworben werden. Es bescheinigt den erfolgreichen Abschluss der zweiten Sekundarstufe, ist aber nicht ohne Weiteres einem bestimmten deutschen Schulabschluss gleichzusetzen. Der heutige CE2D hieß früher CESI – Certificat d’enseignement secondaire inférieur. Der CESI wurde allerdings 1994 abgeschafft; danach setzte sich die Bezeichnung CE2D für den Abschluss des zweiten Sekundarschulgrades durch.

    Die dritte Stufe umfasst grundsätzlich das fünfte und sechste Sekundarschuljahr. Der Übergangsunterricht bereitet vor allem auf ein Hochschulstudium vor. Der Qualifikationsunterricht verbindet Allgemeinbildung mit einer beruflichen Ausbildung. Im allgemeinbildenden, technischen und künstlerischen Unterricht kann nach dem sechsten Jahr das Certificat d’enseignement secondaire supérieur (CESS) erworben werden. Es ermöglicht grundsätzlich den Zugang zum Hochschulwesen, wobei für einzelne Studiengänge zusätzliche Aufnahmeprüfungen oder Zulassungsbedingungen gelten.

    Im Qualifikationsunterricht kann zusätzlich ein certificat de qualification (CQ) erworben werden, das eine berufliche Befähigung bescheinigt. Nach dem sechsten Jahr des beruflichen Unterrichts wird das Certificat d’études de sixième année de l’enseignement secondaire professionnel (CE6P) verliehen. Das CESS kann im beruflichen Unterricht in der Regel nach einem entsprechenden siebten Schuljahr erworben werden.[94]

    Daneben besteht eine duale Ausbildung (enseignement en alternance), die schulischen Unterricht und betriebliche Ausbildung verbindet. Sie wird insbesondere in den Centres d’Éducation et de Formation en Alternance (CEFA) angeboten.[95]

    Neben dem regulären Schulwesen gibt es den enseignement spécialisé, der auf die besonderen pädagogischen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, Entwicklungs- oder Lernproblemen ausgerichtet ist. Der Unterricht ist nach verschiedenen Förder- und Bedarfsschwerpunkten gegliedert und kann sowohl auf die schulische Bildung als auch auf die spätere berufliche und soziale Integration ausgerichtet sein. Je nach Unterstützungsbedarf bestehen unterschiedliche Formen und Stufen des enseignement spécialisé.

    Der Erwachsenenunterricht heißt enseignement de promotion sociale und umfasst Bildungsangebote auf Sekundar- und Hochschulebene. Erwachsene können dort berufliche und allgemeine Befähigungen sowie anerkannte Abschlüsse vom CEB bis zum Mastergrad erwerben.[96]

    Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft

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    In der Deutschsprachigen Gemeinschaft können Kinder ab zweieinhalb Jahren zu festgelegten Eintrittsterminen den Kindergarten besuchen. Die Schulpflicht beginnt mit dem Schuljahr des Kalenderjahres, in dem das Kind fünf Jahre alt wird. Auf den Kindergarten folgt normalerweise eine sechsjährige Primarschule und anschließend eine sechsjährige Sekundarschule; im berufsbildenden Unterricht kann ein siebtes Jahr hinzukommen.[97] Nach erfolgreichem Abschluss der Primarschule erhalten die Schüler das Abschlusszeugnis der Grundschule.

    Das erste und zweite Sekundarschuljahr bilden eine Orientierungsstufe. Anschließend können die Schüler zwischen allgemeinbildendem, technischem und berufsbildendem Unterricht wählen. Deutsch ist grundsätzlich Unterrichtssprache. Französisch nimmt als erste Fremdsprache bereits in der Primarschule eine besondere Stellung ein. In der Sekundarschule kommt Englisch als weitere Fremdsprache hinzu; teilweise werden auch Niederländisch sowie bilingualer Sachunterricht angeboten. Das jeweilige Sprachen- und Studienangebot unterscheidet sich je nach Schule und Unterrichtsform.[98]

    Die Schulpflicht besteht bis zum 18. Lebensjahr. Sie kann nach dem Ende der Vollzeitschulpflicht auch durch Teilzeitunterricht oder eine duale mittelständische Ausbildung erfüllt werden. Die duale Ausbildung verbindet die praktische Ausbildung in einem Betrieb mit theoretischem Unterricht in einem Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes (ZAWM).

    Zoologisches Institut der Universität Lüttich

    Das Hochschulwesen untersteht ebenfalls den drei Gemeinschaften. Niederländischsprachige universitäre Einrichtungen sind:

    Die frühere Katholische Universität Brüssel (KUB) ist keine selbständige Universität mehr; ihre Einrichtungen wurden in die KU Leuven eingegliedert.

    Französischsprachige Universitäten sind:

    Die frühere Facultés universitaires Saint-Louis wurde 2023 mit der UCLouvain vereinigt. Die frühere Facultés universitaires Notre-Dame de la Paix trägt seit 2012 den Namen Université de Namur. Die frühere Faculté polytechnique de Mons ist seit 2009 Teil der Université de Mons.[99]

    Im deutschen Sprachgebiet besteht mit der Autonome Hochschule Ostbelgien (AHS) eine eigene Hochschule. Sie bietet Bachelorstudiengänge für das Lehramt im Kindergarten und in der Primarschule, in Gesundheits- und Krankenpflegewissenschaften sowie in Sozialer Arbeit an. In Zusammenarbeit mit dem ZAWM Eupen werden außerdem duale Bachelorstudiengänge im Bereich Finanz- und Verwaltungswissenschaften organisiert.[100]

    Neben den Universitäten bestehen in der Flämischen und der Französischen Gemeinschaft zahlreiche Hochschulen (hogescholen beziehungsweise hautes écoles) sowie Kunsthochschulen (schools of arts beziehungsweise écoles supérieures des arts). Die Hochschulen bieten vor allem berufsorientierte Bachelor- und Graduiertenstudiengänge, teilweise aber auch Masterstudiengänge an.

    Weitere staatlich anerkannte Hochschuleinrichtungen sind unter anderem die Evangelische Theologische Fakultät Löwen (Evangelische Theologische Faculteit), die Fakultät für Protestantische Theologie und Religionswissenschaften in Brüssel (Faculteit voor Protestantse Theologie en Religiestudies) sowie die föderal organisierte Königliche Militärakademie (niederländisch Koninklijke Militaire School, französisch École royale militaire). Sie sind jedoch nicht ohne Weiteres als eigenständige Universitäten den Universitäten der Gemeinschaften gleichzustellen.[101]

    In Brügge befindet sich ein Campus des auf europäische Studien spezialisierten Europakollegs. Ein weiterer Campus besteht im polnischen Natolin bei Warschau.

    Staatsform und Institutionen

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    Schaubild zur belgischen Verfassung, mit den bedeutenden Änderungen von 2014
    Der Palast der Nation ist Sitz des belgischen föderalen Parlaments.

    Belgien ist de jure, d. h. rein verfassungsrechtlich, eine konstitutionelle Monarchie, hat sich jedoch de facto zu einer parlamentarischen Monarchie entwickelt, die seit der Verfassungsänderung 1993 bundesstaatlich organisiert ist.[11][12][1] Die Bundeslegislative setzt sich zusammen aus dem König sowie den beiden Parlamentskammern, der bedeutenderen Abgeordnetenkammer mit 150 und dem Senat mit 60 Mitgliedern. Das aktive und passive Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene existiert erst 1948 zu denselben Bedingungen wie das Wahlrecht für Männer.[102] Der König gehört auch der Exekutive an, die er zusammen mit der 15-köpfigen Föderalregierung bildet, der wiederum der Premierminister als primus inter pares vorsteht.

    Die föderalen Institutionen sind verantwortlich für Justizwesen, Finanzpolitik, innere Sicherheit, Außenpolitik, Landesverteidigung und soziale Sicherheit.

    Das Königreich Belgien verfügt über eine Flagge sowie ein großes, mittleres und kleines Wappen.

    Politische Parteien

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    Die meisten politischen Parteien spalteten sich in den 1960er- bis 1980er-Jahren in jeweils eine flämische und eine frankophone Partei auf, häufig gibt es auch ein deutschsprachiges Pendant. Parteien derselben Gruppierung arbeiten mehr oder weniger eng zusammen und bilden manchmal auch Fraktionsgemeinschaften. Die deutschsprachigen Parteien sind ausschließlich regional tätig.

    Eine Besonderheit der belgischen Abgeordnetenkammer, dem Unterhaus, besteht darin, dass laut Geschäftsordnung der Abgeordnetenkammer bestimmte Parteien der niederländischen bzw. französischen Sprachgruppe zugeordnet sind.[103]

    Politische Parteien in der belgischen Abgeordnetenkammer (Stand: 2025)[104]
    ParteiSitzeAusrichtung
    Niederländische Sprachgruppe[103]
    Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA)23flämisch-nationalistisch, konservativ, autonomistisch
    Vlaams Belang (VB)20rechtsextrem, separatistisch
    Vooruit13sozialdemokratisch
    Christen-Democratisch en Vlaams (CD&V)11christdemokratisch
    Anders8liberal
    Groen7grün-alternativ
    Unabhängige1
    Französische Sprachgruppe[103]
    Mouvement Réformateur (MR)19liberal
    Parti Socialiste (PS)16sozialdemokratisch
    Les Engagés (LE)14zentristisch
    Écologistes confédérés pour l’organisation de luttes originales (Ecolo)2grün-alternativ
    Démocrate Fédéraliste Indépendant A1 (DéFI)1Frankophonismus, liberal
    Gesamtbelgische Parteien
    Partij van de Arbeid/Parti du Travail de Belgique A2 (PVDA/PTB)15kommunistisch
    A1 
    Vertretung der frankophonen Bevölkerung vor allem in Brüssel
    A2 
    Von den insgesamt 15 Abgeordneten der Belgischen Arbeiterpartei sind 8 Abgeordnete der französischen und 7 der niederländischen Sprachgruppe[103] zugeordnet.

    Politische Indizes

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    Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene politische Indizes
    Name des IndexIndexwertWeltweiter RangInterpretationshilfeJahr
    Fragile States Index30,3 von 120159 von 179Stabilität des Landes: sehr stabil
    0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
    Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land
    2024[105]
    Demokratieindex7,64 von 1034 von 167Unvollständige Demokratie
    0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
    2024[106]
    Freedom in the World Index96 von 100—Freiheitsstatus: frei
    0 = unfrei / 100 = frei
    2024[107]
    Rangliste der Pressefreiheit81,2 von 10016 von 180Zufriedenstellende Lage für die Pressefreiheit
    100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage
    2026[108]
    Korruptionswahrnehmungsindex (CPI)69 von 10021 von 1810 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber2025[109]

    Flämisch-wallonische Konflikte

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    Auf einem deutsch-französischen Straßenschild in der deutschsprachigen Gemeinschaft wurden die französischen Bezeichnungen unkenntlich gemacht.

    Belgien ist von innerer Zerrissenheit – vor allem zwischen der flämischen (niederländischsprachigen) und der wallonischen (französischsprachigen) Bevölkerung – geprägt.

    Im Unterschied zur Schweiz (dortige Sprachgruppenanteile) bildet das Nebeneinander der Sprachgruppen einen erheblichen Konfliktstoff. Die Ursachen hierfür sind kulturhistorisch und sozioökonomisch bedingt. Der Belgien-Experte Christoph Driessen beschreibt Belgien als ein Land, „in dem viele Menschen Niederländisch oder Französisch sprechen, ohne niederländisch oder französisch sein zu wollen“.[110]

    Der flämisch-wallonische Konflikt, der zunächst vor allem soziale Ursachen hatte (Verarmung der flämischen Bauernschaft zur Zeit der Industriellen Revolution, soziale Benachteiligung dieser Bevölkerungsschicht im politischen und gesellschaftlichen Gefüge des Landes bei gleichzeitigem Wirtschaftsboom und kulturellem Aufstieg der Wallonie im 19. und frühen 20. Jahrhundert), dauert bis heute an, obwohl sich die sozio-ökonomischen Verhältnisse seit dem Niedergang der für die Wallonie prägenden Montanindustrie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem Aufschwung neuer Wirtschaftszweige in Flandern grundlegend gewandelt haben.

    Daher sind zum Beispiel Volkszählungen, welche die gesprochene Sprache der Einwohner erheben, seit 1961 verboten, um nicht immer wieder aufgrund von sich wandelnden statistischen Ergebnissen neue Konflikte um die Zugehörigkeit bestimmter auf der Sprachengrenze liegender Gemeinden zur einen oder anderen Region anzufachen.[111][112] Um insbesondere die Situation in diesen gemischtsprachlichen Gegenden zu entschärfen, wurden zum Teil Fazilitätengemeinden mit besonderen Minderheitenrechten (insbesondere im Schulbereich) geschaffen.

    „Insgesamt gesehen haben die Spannungen zwischen den beiden großen Volksgruppen Belgiens in der letzten Generation abgenommen. Ein Ende Belgiens ist nicht in Sicht“, urteilte 2018 der Historiker Christoph Driessen in seinem Buch Geschichte Belgiens und verwies darauf, dass die separatistischen Parteien in Flandern in der Minderheit seien und es in Wallonien praktisch keine separatistischen Bestrebungen mehr gebe. Jüngere Belgier sowie viele Einwanderer könnten mit dem Sprachenstreit weniger anfangen als frühere Generationen; sie folgen anderen Identifikationsmodellen, in denen der Frage der Zugehörigkeit zur einen oder anderen Sprachgruppe weniger Gewicht zukommt. Dass es einen innerbelgischen Zusammenhalt gebe, habe auch die Begeisterung für die gesamtbelgische Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 gezeigt, bei der Belgien den dritten Platz belegte.[113] Nichtsdestoweniger ist zu beobachten, dass trotz des verpflichtenden Schulunterrichts in der jeweils anderen Landessprache gute Kenntnisse des Niederländischen in Wallonien kaum verbreitet sind und die flüssige Beherrschung des Französischen in Flandern im Vergleich zu früheren Generationen abgenommen hat. Nicht nur in der Staatsstruktur, auch kulturell führen beide Bevölkerungsgruppen ein weitgehend getrenntes Dasein. Im kulturellen Sektor besteht eine ausgeprägte Affinität Flanderns zu den Niederlanden und Walloniens zu Frankreich. Gleichwohl wird darauf geachtet, dass auf föderaler politischer Ebene die Mehrsprachigkeit Belgiens demonstriert wird; so müssen Spitzenpolitiker, insbesondere in Regierungsämtern, die zweite Landessprache beherrschen (oder lernen), um zu reüssieren, und der König hält Ansprachen, die sich an alle Belgier richten, konsequent in allen drei Amtssprachen.

    Politische Entwicklungen seit 2008

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    Im März 2008 verständigten sich flämische und frankophone Christdemokraten (CD&V und cdH) und Liberale (Open Vld und MR) sowie die wallonischen Sozialisten (PS) auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung mit Yves Leterme (CD&V) als Premierminister.[114]

    Am 18. Dezember 2008 teilte der Kassationshof – das höchste ordentliche Gericht in Belgien – in einem Brief an den Kammervorsitzenden Herman Van Rompuy mit, dass Leterme versucht habe, das Gericht in der Frage des geplanten Verkaufs der belgischen Bank Fortis an den französischen Finanzkonzern BNP Paribas zu beeinflussen; dies hatte Leterme kurz zuvor noch bestritten. Tags darauf trat Leterme zurück.[115]

    Ab dem 30. Dezember 2008 führte Herman Van Rompuy (CD&V) die belgische Föderalregierung, welche sich aus derselben Fünfparteienkoalition zusammensetzte. Nachdem er jedoch am 19. November 2009 zum ersten ständigen Präsidenten des Europäischen Rates designiert worden war, legte er sein Amt am 25. November 2009 nieder. Am gleichen Tag noch wurde Yves Leterme erneut zum Premierminister ernannt und führte seither seine zweite Föderalregierung in dieser Legislaturperiode.[116] Diese Regierung zerbrach im April 2010 wieder, als nach internen Streitigkeiten um eine Lösung im Konflikt um den zweisprachigen Wahlkreis Brüssel-Halle-Vilvoorde die flämische liberale Partei Open Vld ihren Rückzug aus der Regierung bekanntgab.[117]

    Bei den vorgezogenen Neuwahlen am 13. Juni 2010 gewannen die flämischen Nationalisten der N-VA unter Bart De Wever 27 der 150 Sitze und stellten damit unter den flämischen Parteien die stärkste Fraktion im Parlament. In Wallonien wurde die sozialistische PS von Elio Di Rupo stärkste politische Kraft. Die Regierungsbildung war schwierig, und erst anderthalb Jahre später konnte Elio Di Rupo eine Koalitionsregierung bilden, die am 5. Dezember 2011 ernannt wurde. Als „Tripartite“ aus den Parteifamilien der Sozialisten, Liberalen und Christdemokraten bestehend, hatte sie unter den flämischen Parteien keine Mehrheit.[118] Mit dem Sozialisten Elio Di Rupo wurde erstmals seit dem Ende der letzten Regierung von Paul Vanden Boeynants 1979 ein Frankophoner und ein Sozialist zum belgischen Ministerpräsidenten gewählt. Bis zu seiner Wahl blieb die Regierung Leterme geschäftsführend im Amt. Die Zeitspanne von 541 Tagen von der Wahl bis zur Bildung der neuen Regierung stellt einen Rekord in der modernen Weltgeschichte dar.

    Am 21. Juli 2013 – dem belgischen Nationalfeiertag – dankte König Albert II. zugunsten seines ältesten Sohnes Philippe ab, nachdem er dies am 3. Juli 2013 angekündigt hatte.[119]

    Bei der Wahl vom 25. Mai 2014 verloren vor allem die Sozialisten Stimmen, wodurch die vormalige Regierung keine Mehrheit mehr hatte. Die N-VA konnte weitere Zugewinne verbuchen. Am 11. Oktober 2014 wurde die neue Regierung, die Coalition suédoise („schwedische Koalition“) genannt wurde, unter dem frankophonen Premierminister Charles Michel vereidigt. Im Gegensatz zu den bisher üblichen breiten Koalitionen stammen alle beteiligten Parteien, die flämischen Nationalisten (N-VA), Christdemokraten (CD&V) und die Liberalen beider Sprachgruppen (MR und Open Vld) aus dem Mitte-rechts-Spektrum. Erstmals seit 1988 waren die Sozialisten nicht an der Regierung beteiligt, die auf frankophoner Seite keine Mehrheit hatte.[120]

    Die Regierung Michel I stürzte im Dezember 2018 über die Ratifizierung des UN-Migrationspakts, die von der N-VA abgelehnt wurde und die sich aus der Föderalregierung zurückzog. Daraufhin bildete Charles Michel die Regierung Michel II ohne die N-VA-Mitglieder, die vor einem Misstrauensvotum am 18. Dezember 2018 zurücktrat[121] und anschließend geschäftsführend im Amt blieb, auch über die Parlamentswahlen vom 26. Mai 2019 hinaus, da sich keine neue Mehrheit fand.

    Nachdem Charles Michel als Nachfolger von Donald Tusk zum Präsidenten des Europäischen Rates gewählt worden war, kündigte er am 26. Oktober 2019 seinen Rücktritt an. Am 27. Oktober 2019 ernannte der König Sophie Wilmès zur neuen geschäftsführenden Ministerpräsidentin,[122] die erste Frau in diesem Amt seit der Unabhängigkeit vor 188 Jahren. Am 17. März 2020 wurde sie vom König als ordentliche Premierministerin der Regierung Wilmès II vereidigt, nachdem ihr angesichts der COVID-19-Pandemie alle Parteien mit Ausnahme der wallonischen Kommunisten, der flämischen Nationalisten der N-VA und der flämischen Rechtsextremisten von Vlaams Belang die Unterstützung zusagten.[123] Sie versprach, sich nur um die COVID-19-Pandemie in Belgien und deren Folgen zu kümmern und nach einem halben Jahr die Vertrauensfrage zu stellen. Als die Regierungsbildung weiter stockte, sich folglich eine neue Koalition sammelte, jedoch für einen der Informateurs wegen einer Infektion mit COVID-19 die Quarantäne angeordnet wurde, wurde die Zeit erneut verlängert.

    Am 1. Oktober 2020 wurde die neue Regierung unter Premierminister Alexander De Croo vereidigt, die erstmals aus sieben Parteien der vier Parteifamilien der Sozialisten, Liberalen, Christdemokraten und Grünen besteht und „Vivaldi-Koalition“ genannt wird. Sie gilt als linksliberal, ist erstmals paritätisch mit zehn Frauen und zehn Männern besetzt, deutlich jünger und mit fünfzehn Regierungsmitgliedern besetzt, die nie zuvor ein föderales politisches Amt ausübten. Sophie Wilmès wurde darin Außenministerin.[124]

    Die Regierung De Wever wurde nach der Parlamentswahl 2024 gebildet und löste ab dem 3. Februar 2025 die Regierung De Croo ab. Die Mitte-rechts-Koalition besteht aus fünf Parteien, von denen die flämischen Nationalkonservativen der N-VA den Regierungschef Bart De Wever stellen. Wegen der Farbgebung der Koalitionsparteien (N-VA, wallonische Liberale, flämische und wallonische Christdemokraten, flämische Sozialdemokraten) wird diese Koalition als „Arizona-Koalition“ bezeichnet. Die Austeritätspolitik der rechtsliberalen Föderalregierung führte zu großem Widerstand u. a. der Gewerkschaften, die Ende November 2025 – erstmals seit den 1980er-Jahren – einen dreitägigen landesweiten Streik durchführten, der zu einem Generalstreik ausgeweitet werden soll.[veraltet][125]

    Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel

    Belgien ist Gründungsmitglied der Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl und ihrer Nachfolgeeinrichtungen, der Benelux-Gemeinschaft und des Europarates. Das Land ist ebenfalls Gründungsmitglied der Europäischen Währungsunion. Eurobarometer-Umfragen zeigen regelmäßig, dass die belgische Bevölkerung etwa zu zwei Drittel pro-europäisch eingestellt ist, was über dem Durchschnitt der Europäischen Union von knapp über 50 Prozent liegt.[126] Die belgische Hauptstadt Brüssel ist Sitz mehrerer EU-Institutionen und Agenturen wie die Kommission, das Parlament, der Ministerrat, der Wirtschaft- und Sozialausschuss oder der Ausschuss der Regionen, sowie zahlreicher Lobbying-Gruppen, Nichtregierungsorganisationen usw., die im Bereich der Europapolitik arbeiten.

    Die belgischen Regierungen seit 1945 haben sich für den Aufbau Europas eingesetzt. Unter belgischem Ratsvorsitz in der zweiten Hälfte 2001 wurde die Einberufung des Verfassungskonvents beschlossen, der einige Jahre später den Vertrag über eine Verfassung für Europa (VVE) hervorbringen sollte. Belgien setzte sich für den Ratifizierungsprozess des VVE ein und – nach dessen Scheitern – für die Erhaltung der Substanz des VVE im Vertrag von Lissabon, der am 13. Dezember 2007 unterschrieben wurde und am 1. Dezember 2009 in Kraft trat.

    Belgiens Verteidigungspolitik stützt sich nicht nur auf die NATO (Belgien ist Gründungsmitglied), sondern auch auf die EU im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP). Die Hauptstadt Brüssel ist sowohl Sitz der NATO-Hauptorgane als auch der Europäischen Verteidigungsagentur der EU, was Belgien zum Zentrum der euro-atlantischen Verteidigungsstrukturen macht. Das Land stellt für die EU Battlegroups Truppen bereit und beteiligt sich an Einsätzen der EU, beispielsweise an der EUFOR. Durch seine historischen Verbindungen zum afrikanischen Land Kongo ist Belgien Meinungsführer bei Angelegenheiten der Großen Seen und Zentralafrikas innerhalb der EU und ist maßgeblich um eine friedliche Stabilisierung des Ostkongo bemüht.

    Durch Belgiens föderale Struktur, die der Lokalebene außerordentlich Zuständigkeiten zuweist, sind sowohl die Regionen als auch die Gemeinschaften maßgeblich an der belgischen Europapolitik beteiligt und zugleich von der Umsetzung politischer Ziele der EU betroffen. Zum Beispiel sind sie zuständig für Kulturpolitik und können in diesem Bereich Verträge mit ausländischen Staaten abschließen, sodass sie im Ausland ein eigenständiges Profil aufgebaut haben, zum Beispiel indem sie in einigen belgischen Botschaften Kulturreferenten stellen.

    Im ersten Halbjahr 2024 hat Belgien den Ratsvorsitz zum dreizehnten Mal inne.[127][128] Erster Vorsitzender des Rates der Europäischen Union war 1958 der damalige belgische Außenminister Victor Larock.[129] Nach dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon wurde der Belgier Herman Van Rompuy in das neugeschaffene Amt des Präsidenten des Europäischen Rates berufen; zwischen dem 1. Dezember 2019 und dem 30. November 2024 hatte der Belgier Charles Michel dieses Amt inne.

    Belgisch-deutsche Beziehungen

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    Belgien und Deutschland arbeiten eng zusammen. Beide Länder sind Gründungsstaaten der Europäischen Union. Beide Länder sind zudem Mitglied der NATO.

    Die wirtschaftliche Zusammenarbeit ist eng. Deutschland belegt bei den Handelspartnern Belgiens den zweiten Platz nach den Niederlanden. Für die belgische Exportwirtschaft ist Deutschland der wichtigste Partner. Belgien ist Deutschlands elftgrößter Handelspartner weltweit.

    Belgischer Soldat während einer Übung

    Die Belgischen Streitkräfte (niederländisch Belgische Defensie, französisch Défense belge) umfassen die Landstreitkräfte, die Luftstreitkräfte, die Marine und den medizinischen Dienst sowie die Cyber Force. Mitte der 2020er-Jahre verfügten sie über rund 25.000 aktive Militärangehörige. Nach der Strategischen Vision von 2025 soll der Personalbestand bis 2035 auf 34.500 aktive Militärangehörige, 12.800 Reservisten und 8.500 Zivilbeschäftigte steigen.[130]

    Die Wehrpflicht wurde 1994 nicht gesetzlich abgeschafft, sondern ausgesetzt. Seit 2026 bietet Belgien wieder ein freiwilliges, zwölfmonatiges militärisches Dienstjahr an, dessen Teilnehmer als Reservisten eingestellt werden.[131] Die gesamtstaatlichen Verteidigungsausgaben beliefen sich 2024 nach der COFOG-Abgrenzung von Eurostat auf 1,3 % des Bruttoinlandsprodukts.[132] Im Jahr 2025 beschloss die belgische Regierung, die nach der abweichenden Begriffsbestimmung der NATO berechneten Verteidigungsausgaben auf 2 % des Bruttoinlandsprodukts anzuheben.[130]

    Das Heer (niederländisch Leger, französisch Armée) bilden die größte Teilstreitkraft. Sie werden unter anderem im Rahmen der französisch-belgischen Zusammenarbeit Capacité Motorisée (CaMo) in ihrem Kampfwert erhöht.

    Die belgischen Luftstreitkräfte (niederländisch Luchtmacht, französisch Force aérienne) befinden sich im Übergang von der F-16 zur F-35A. Belgien bestellte zunächst 34 F-35A und später weitere elf Flugzeuge; die ersten drei für den Betrieb in Belgien bestimmten Maschinen trafen 2025 auf dem Militärflugplatz Florennes ein.[133] Während der Übergangszeit werden weiterhin F-16 eingesetzt.

    Die Marine arbeitet eng mit der niederländischen Marine zusammen. Sie verfügte 2026 über zehn einsatzfähige Schiffe, darunter die beiden Mehrzweckfregatten Leopold I und Louise-Marie sowie die Patrouillenschiffe Castor und Pollux.[134][135] Die bisherigen Minenjagdboote werden schrittweise durch sechs neue Minenabwehrschiffe der City-Klasse ersetzt. Als erstes Schiff dieser Klasse wurde die Oostende im November 2025 in die belgische Marine übernommen.[136]

    Polizeifahrzeug der föderalen Polizei in Brüssel

    Die auf dem Gesetz vom 7. Dezember 1998 beruhende und zwischen 2001 und 2002 umgesetzte Umgestaltung der Polizei schuf eine auf zwei Ebenen gegliederte Polizei. Die föderale und die lokale Ebene sind eigenständig, arbeiten jedoch eng zusammen und ergänzen einander.[137]

    • Die Föderale Polizei (niederländisch Federale Politie, französisch Police fédérale) besteht aus einem Generalkommissariat und drei Generaldirektionen: der Generaldirektion der Verwaltungspolizei, der Generaldirektion der Kriminalpolizei sowie der Generaldirektion für Ressourcenverwaltung und Information. Daneben bestehen örtliche Koordinations-, Unterstützungs- und kriminalpolizeiliche Direktionen.[138]
    • Die Lokale Polizei (niederländisch Lokale Politie, französisch Police locale) bestand 2026 aus 176 Polizeizonen. Sie ging aus den früheren kommunalen Polizeikorps und den Territorialbrigaden der bis 2001 bestehenden Gendarmerie (niederländisch Rijkswacht, französisch Gendarmerie) hervor.[139]

    Verwaltungsgliederung

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    Verwaltungsgliederung Belgiens (eingezeichnet: Regionen, Provinzen, Bezirke und Gemeinden)
    LuxemburgNiederlandeFrankreichNordseeDeutschlandBrüsselDeutschlandBrüsselFlämische GemeinschaftDeutschsprachige GemeinschaftFranzösische Gemeinschaft Belgiens
    Die drei Gemeinschaften Belgiens: Flämische, Französische und Deutschsprachige Gemeinschaft
    LuxemburgNiederlandeFrankreichNordseeDeutschlandBrüsselFlandernWallonische Region
    Die drei Regionen Belgiens: Flämische und Wallonische Region sowie Region Brüssel-Hauptstadt

    Belgien ist seit 1993 ein Bundesstaat, der sich sowohl in drei Regionen als auch in drei Gemeinschaften gliedert. Als nachgeordnete Verwaltungseinheiten bestehen zehn Provinzen und 43 Arrondissements. Die lokale Selbstverwaltung wird von den 589 Gemeinden ausgeübt.

    Sowohl die Regionen als auch die Gemeinschaften sind Gliedstaaten des belgischen Bundesstaates; sie unterscheiden sich durch ihre territoriale Abgrenzung und ihre Kompetenzen. Die Regionen (niederländisch gewesten, französisch régions) sind zuständig für große Bereiche der Wirtschafts-, Umwelt-, Verkehrs- und Agrarpolitik, zudem üben sie die Rechts- und ggf. Fachaufsicht über Provinzen, Arrondissements und Gemeinden aus. Die Gemeinschaften (niederländisch gemeenschappen, französisch communautés; früher häufig auch als Kultur- bzw. Sprachgemeinschaften bezeichnet) verantworten das gesamte Bildungswesen, die Kulturpolitik sowie weitere „personenbezogene Angelegenheiten“ (Bereiche der Familien-, Gesundheits- und Sozialpolitik, unter anderem die öffentlichen Krankenhäuser). Auch im Vergleich mit anderen Bundesstaaten verfügen Regionen und Gemeinschaften zusammengenommen über ein hohes Maß an Kompetenzen, zudem können sie in ihren Verantwortungsbereichen eigenständig Verträge mit ausländischen Staaten abschließen. Vom belgischen Staat abgeschlossene internationale Verträge, die Kompetenzen der Regionen bzw. Gemeinschaften betreffen, bedürfen der Zustimmung derer Parlamente; dies gilt beispielsweise für die Verträge der Europäischen Union. Bei der Bundesebene sind vor allem die Zuständigkeit für Außen-, Verteidigungs- und Finanzpolitik, die sozialen Sicherungssysteme sowie die Polizei und Justiz verblieben.

    Die territoriale Abgrenzung der Regionen und Gemeinschaften richtet sich nach den Sprachgebieten: Die Flämische Region umfasst das niederländische Sprachgebiet, die Wallonische Region das französische und das deutsche Sprachgebiet, die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt das französisch-niederländische Sprachgebiet. Die Flämische Gemeinschaft übt ihre Befugnisse auf dem niederländischen und dem zweisprachigen Sprachgebiet aus, die Französische Gemeinschaft auf dem französischen und dem zweisprachigen Sprachgebiet, die Deutschsprachige Gemeinschaft auf dem deutschen Sprachgebiet. Regionen und Gemeinschaften verfügen jeweils über ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. Allerdings haben die Flämische Gemeinschaft und die Flämische Region ihre Institutionen zusammengelegt, so dass es nur ein Flämisches Parlament und eine Flämische Regierung gibt, die sowohl die Befugnisse der Region als auch die der Gemeinschaft ausüben.

    Außerdem kennt Belgien auf einer tieferen Verwaltungsebene die zehn Provinzen, die innerhalb der Regionen liegen:

    Die unterste Verwaltungsebene stellen die 581 Gemeinden dar (siehe auch Liste der Städte in Belgien, Liste der Gemeinden in Flandern, Liste der Gemeinden in Wallonien, Liste der Gemeinden in der Region Brüssel-Hauptstadt).

    (Quelle: Eurostat)

    Die gesamtstaatlichen Einnahmen Belgiens beliefen sich 2025 auf 314,7 Milliarden Euro beziehungsweise 49,0 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dem standen Ausgaben in Höhe von 348,0 Milliarden Euro beziehungsweise 54,2 % des BIP gegenüber. Daraus ergab sich ein Haushaltsdefizit von 33,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,2 % des BIP.[140] Diese Angaben beziehen sich auf den gesamten Sektor Staat, also den Föderalstaat, die Gemeinschaften und Regionen, die lokalen Gebietskörperschaften sowie die Sozialversicherung.[140]

    Belgien gelang es zwischen 1995 und 2007, den Anteil der Staatsverschuldung am Bruttoinlandsprodukt von rund 131,5 auf 87,5 % deutlich abzubauen. Infolge der Weltfinanzkrise ab 2007 stieg die Schuldenquote jedoch wieder an.[141] Am 25. November 2011 stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s Belgien von „AA+“ auf „AA“ herab. Begründet wurde dies unter anderem mit der damaligen politischen Krise, den schwachen Wachstumsaussichten und dem zunehmenden Druck auf die öffentlichen Finanzen. Am 24. April 2026 senkte Standard & Poor’s die langfristige Bonitätsbewertung wegen der anhaltend hohen Haushaltsdefizite und der langsamen Haushaltskonsolidierung weiter von „AA“ auf „AA−“; der Ausblick wurde als stabil bewertet.[142]

    Die konsolidierte Bruttoverschuldung des belgischen Staates betrug Ende 2025 rund 692,5 Milliarden Euro beziehungsweise 107,9 % des Bruttoinlandsprodukts. Damit wies Belgien nach Griechenland, Italien und Frankreich die vierthöchste Schuldenquote in der Europäischen Union auf.[140]

    Im Jahr 2024 betrugen die gesamtstaatlichen Ausgaben für folgende Bereiche, jeweils gemessen am Bruttoinlandsprodukt:[143]

    Die zentrale Lage des Landes verschafft der belgischen Wirtschaft einen strategischen Vorteil im Welthandel, unterstützt durch eine gut ausgebaute Infrastruktur wie den Hafen von Antwerpen, der zu den größten europäischen Seehäfen zählt.[144] Belgien war das erste Land auf dem europäischen Festland, das im frühen 19. Jahrhundert industrialisiert wurde.[145] Starke Industrien entstanden im Kohlebergbau, in der Stahl- und Textilindustrie sowie im Maschinenbau, später auch in der chemischen Industrie. Städte wie Lüttich, Charleroi und Gent waren industrielle Zentren.

    Durch den Ersten und den Zweiten Weltkrieg entstanden große Schäden, auf die jeweils eine vergleichsweise schnelle wirtschaftliche Erholung folgte. In den 1950er- und 1960er-Jahren verzeichnete Belgien ein starkes Wirtschaftswachstum; zugleich setzte insbesondere in der Wallonie der Bedeutungsverlust der Kohle- und Stahlindustrie ein. Seit den 1970er-Jahren traten strukturelle Schwächen wie die Überalterung traditioneller Industriezweige verstärkt hervor. Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung stiegen vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren erheblich an. Gleichzeitig gewann Flandern durch den Ausbau der Hafenwirtschaft, der Petrochemie, der Logistik und des Dienstleistungssektors an wirtschaftlichem Gewicht.[146]

    Belgien und Luxemburg sind die beiden europäischen Staaten, in denen ein allgemeines System der selbstätigen Anpassung von Löhnen und Sozialleistungen an die Preisentwicklung fortbesteht; seine jeweilige Anwendung unterscheidet sich in Belgien je nach Wirtschaftsbereich und Tarifvertrag (siehe Indexlohn).[147] Davon zu unterscheiden ist die Indexierung von Wohnungsmieten: Diese können in Belgien grundsätzlich einmal jährlich anhand des Gesundheitsindex angepasst werden, wobei örtlich unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen gelten.[148]

    Der nördliche Teil des heutigen Belgiens hatte ab dem Hochmittelalter eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung. Die Grafschaft Flandern war ein Mittelpunkt der Textilindustrie, vor allem der Herstellung hochwertiger Tuche. Rohwolle wurde insbesondere aus England eingeführt, in Flandern verarbeitet und anschließend in weite Teile Europas ausgeführt. Daneben wurden andere hochwertige Textilien und Luxuswaren hergestellt. Es entstanden wirtschaftlich mächtige Städte wie Brügge, Gent und Ypern, die über weitreichende Stadtrechte, eigene Institutionen, Kaufmanns- und Handwerkergilden sowie Märkte verfügten. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Lage an der Nordsee und die Nähe zu England, Frankreich und dem Rheinland.

    Brügge war über den Meeresarm Zwin mit der Nordsee verbunden und bis ins 15. Jahrhundert einer der bedeutendsten Handelsplätze Europas. Die Stadt war jedoch keine Hansestadt, sondern beherbergte eines der wichtigsten auswärtigen Kontore der Hanse.[149] Seit dem späten Mittelalter beeinträchtigte die fortschreitende Versandung des Zwin den Zugang zum Meer. Zusammen mit politischen Auseinandersetzungen und Veränderungen der europäischen Handelswege führte dies gegen Ende des 15. Jahrhunderts zum Bedeutungsverlust Brügges. Antwerpen übernahm im 16. Jahrhundert dessen Rolle als wichtigster Handelsplatz der südlichen Niederlande und entwickelte sich zu einem europäischen Schwerpunkt des Handels mit Waren aus dem Mittelmeerraum, dem Ostseeraum und den spanischen und portugisischen Kolonialreichen.

    Nachdem spanische Truppen Antwerpen 1585 eingenommen hatten, hielten die nördlichen niederländischen Provinzen die Scheldemündung militärisch gesperrt. Dies beschleunigte den wirtschaftlichen Niedergang Antwerpens und die Verlagerung eines Teils des Handels und Kapitals nach Amsterdam. Der Westfälische Friede von 1648 bestätigte die Kontrolle der nördlichen Niederlande über die Scheldemündung und damit deren Sperrung für die Seeschifffahrt nach Antwerpen.

    Französische Revolutionstruppen erklärten die Schelde 1792 für frei befahrbar; 1795 wurden die Österreichischen Niederlande von Frankreich annektiert. Unter Napoleon Bonaparte wurde der Hafen von Antwerpen anschließend umfangreich ausgebaut. Die 1815 auf dem Wiener Kongress beschlossene Vereinigung der nördlichen und südlichen Niederlande begünstigte die weitere Entwicklung Antwerpens. Nach der belgischen Unabhängigkeit von 1830 blieb die Scheldeschifffahrt zunächst umstritten. Der niederländisch-belgische Vertrag von 1839 sicherte die freie Schifffahrt gegen die Zahlung eines Zolls, der 1863 von Belgien und anderen Handelsstaaten abgelöst wurde.[150]

    Im 19. Jahrhundert nahm vor allem der südliche Landesteil – die Wallonie – durch die Ausbeutung der Kohlevorkommen entlang des Industriegebiets von Sambre und Maas einen bedeutenden Aufschwung. Wichtige Reviere lagen im Borinage, um La Louvière, Charleroi und Lüttich. Das Limburger Steinkohlerevier liegt dagegen überwiegend in Flandern und wurde erst im frühen 20. Jahrhundert in größerem Umfang erschlossen. Eisenerz wurde insbesondere aus Lothringen und Luxemburg eingeführt und in Belgien verhüttet. Das lothringische Minette-Erz wurde zu den belgischen Stahlrevieren vor allem per Eisenbahn befördert; daneben dienten Maas und Sambre als wichtige Wasserwege. Einen durchgehenden Kanalweg von den lothringischen Erzgruben nach Lüttich oder Charleroi gab es nicht.[151] Belgien entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem der führenden Industrie- und Exportländer Europas. Die Gewinne und Lebensverhältnisse waren jedoch regional und gesellschaftlich sehr ungleich verteilt.

    Das nominale Bruttoinlandsprodukt Belgiens betrug nach Angaben der Weltbank im Jahr 2025 rund 725,5 Milliarden US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf belief sich im selben Jahr auf rund 60.750 US-Dollar.[152]

    Belgien hatte 2024 mit durchschnittlich 48,20 Euro je Arbeitsstunde nach Luxemburg und Dänemark die dritthöchsten Arbeitskosten in der Europäischen Union; der Durchschnitt lag bei 33,50 Euro in der EU und bei 37,30 Euro im Euroraum. In den Arbeitskosten sind neben den Bruttolöhnen auch die vom Arbeitgeber getragenen Lohnnebenkosten enthalten.[153]

    Belgien gehört trotz seiner vergleichsweise kleinen Bevölkerung zu den 15 größten Güterexporteuren der Welt.[154] Dank seiner Lage im Zentrum Westeuropas ist es eng in den Binnenmarkt und das Handelsnetz der Europäischen Union eingegliedert. Zu den wichtigsten Handelspartnern gehören die Nachbarländer Deutschland, Frankreich und die Niederlande.

    Im letzten nach der bisherigen Methode veröffentlichten Global Competitiveness Index des Weltwirtschaftsforums belegte Belgien 2019 Platz 22 von 141 Staaten.[155] Im von der konservativen Heritage Foundation herausgegebenen Index für wirtschaftliche Freiheit belegte Belgien 2026 Platz 36 von 184 bewerteten Staaten.[156]

    Die nach der Begriffsbestimmung der Internationalen Arbeitsorganisation ermittelte Arbeitslosenquote lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 6,2 Prozent. Die Jugendarbeitslosenquote betrug im selben Jahr 17,4 Prozent.[157][158] Im zweiten Quartal 2026 gab es rund 5,16 Millionen Erwerbstätige.[159]

    Verteilung der Erwerbstätigen nach Wirtschaftssektoren im Jahr 2023:

    Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und anderer Kennzahlen[6]
    Jahr20102015201620172018201920202021202220232024
    BIP in Mrd. USD
    (Kaufkraftparität)
    471,6541,8553,5571,7599,5651,6647,5716,9800,6840,2869,9
    BIP pro Kopf in USD
    (Kaufkraftparität)
    43.50648.21248.93050.36052.59856.87856.19962.04568.91471.55273.609
    BIP-Wachstum
    (real)
    2,7 %1,5 %1,2 %1,5 %1,9 %2,4 %−4,8 %6,2 %4,3 %1,2 %1,0 %
    Inflation
    (in Prozent)
    2,3 %0,6 %1,8 %2,2 %2,3 %1,3 %0,4 %3,2 %10,3 %2,3 %4,3 %
    Staatsverschuldung
    (in Prozent des BIP)
    100 %106 %105 %102 %100 %98 %111 %109 %103 %103 %105 %
    Langerei in Brügge

    Der Tourismus spielt in Belgien eine bedeutende Rolle. Im Travel & Tourism Development Index 2024 des Weltwirtschaftsforums belegte Belgien Platz 23 von 119 untersuchten Staaten. Der Index war 2022 aus dem früheren Travel and Tourism Competitiveness Index hervorgegangen.[163]

    Im Jahr 2025 wurden in belgischen Beherbergungsbetrieben rund 46,1 Millionen Übernachtungen gemeldet. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste stieg gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent. Die wichtigsten ausländischen Herkunftsländer waren die Niederlande, Deutschland und Frankreich.[164]

    Insbesondere bei britischen Gästen besitzt der Erinnerungstourismus zu den Schauplätzen des Ersten Weltkriegs eine besondere Bedeutung. In der westflämischen Region Westhoek befinden sich zahlreiche Schlachtfelder, Museen, Kriegsdenkmäler und Soldatenfriedhöfe. Mehrere dieser Gedenkstätten gehören seit 2023 als Teil der Grab- und Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs zum UNESCO-Welterbe.[165][166]

    Daneben sind die Badeorte und Küstengemeinden an der belgischen Nordseeküste (Knokke-Heist, Zeebrugge, Blankenberge, De Haan, Bredene, Ostende, Middelkerke, Nieuwpoort, Koksijde und De Panne) beliebte Reiseziele. Außerdem sind die Ardennen eine vielbesuchte Urlaubsregion.[167] Von der belgischen Nordseeküste aus können Tagestouren in die angrenzenden Regionen Frankreichs und der Niederlande unternommen werden.

    Städtereisen führen insbesondere nach Brüssel, Brügge, Gent und Antwerpen. Brügge gehört zu den am stärksten vom Tourismus geprägten Städten des Landes und wird wegen seiner zahlreichen Kanäle gelegentlich als „Venedig des Nordens“ bezeichnet.

    Die Tourismusförderung ist in Belgien örtlich aufgehängt. Wichtige Vereinigungen sind Toerisme Vlaanderen für Flandern, VISITWallonia für Wallonien und visit.brussels für die Region Brüssel-Hauptstadt.[168] Daneben fördert die Tourismusagentur Ostbelgien den Tourismus in der deutschsprachigen Region sowie in Malmedy und Waimes.[169]

    Energiewirtschaft

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    An den beiden Standorten Doel und Tihange ist jeweils noch ein Kernreaktor in Betrieb (siehe Kernenergie in Belgien). Die Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 besitzen zusammen eine elektrische Nettoleistung von 2056 MW. Im Laufe des Jahres 2025 waren zeitweise noch weitere Reaktoren in Betrieb; insgesamt erzeugten die belgischen Kernrkraftwerke in diesem Jahr rund 23,8 TWh und damit etwa 34 Prozent des im Inland erzeugten Stroms.[170]

    Im Winter 2018/19 bestanden zeitweise Sorgen um die Versorgungssicherheit, nachdem sechs der damals sieben belgischen Reaktoren gleichzeitig nicht verfügbar waren. Die Regierung und die zuständigen Stellen bereiteten deshalb zusätzliche Erzeugungskapazitäten und weitere Vorsorgemaßnahmen vor.[171]

    Das Regierungsabkommen von 1999 sah einen schrittweisen Atomausstieg vor. Das Parlament legte diesen 2003 gesetzlich fest; ursprünglich sollten die Reaktoren nach jeweils 40 Betriebsjahren und spätestens bis 2025 abgeschaltet werden. Das Gesetz wurde später mehrfach geändert. Im März 2022 beschloss die Föderalregierung, die Laufzeiten von Doel 4 und Tihange 3 um zehn Jahre bis 2035 zu verlängern.[172] Im Mai 2025 hob das belgische Parlament die gesetzliche Verpflichtung zum Atomausstieg sowie das Verbot des Baus neuer Kernkraftwerke auf. Die vereinbarte Laufzeitverlängerung von Doel 4 und Tihange 3 bis 2035 blieb davon zunächst unberührt.[173]

    Belgien verfügt über zahlreiche Windkraftanlagen und mehrere Offshore-Windparks vor der Nordseeküste. Zusammen deckten die Windkraftanlagen 2025 etwa 15 Prozent des belgischen Stromverbrauchs. Die Offshore-Windparks erzeugten davon rund 6,6 TWh beziehungsweise 8,2 Prozent des Stromverbrauchs.[174]

    Die Offshore-Windkraftanlagen besitzen seit 2020 eine Gesamtleistung von 2261 MW. In der geplanten Prinzessin-Elisabeth-Zone sollen langfristig weitere 3,15 bis 3,5 GW hinzukommen.[175]

    Belgien ist durch Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen mit dem Vereinigten Königreich (Nemo Link, seit Januar 2019) und Deutschland (ALEGrO, seit November 2020) verbunden.[176]

    Finanzwirtschaft

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    Der belgische Bankenmarkt ist stark konzentriert. Auslandsbanken spielen eine wichtige Rolle. Unter den großen belgischen Bankengruppen befinden sich mit BNP Paribas Fortis und ING Belgium zwei Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne; daneben gehören insbesondere die KBC Group und die staatliche Belfius zu den bedeutenden Instituten.[177]

    Fortis entstand 1990 aus der Fusion der niederländischen AMEV-Versicherungsgesellschaft, der VSB Bank und des belgischen Versicherers AG Group. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem grenzüberschreitenden Finanzkonzern, der sowohl Bank- als auch Versicherungsgeschäfte vereinte. Fortis übernahm 1993 die Algemene Spaar- en Lijfrentekas (ASLK/CGER) und 1998 die Generale Bank der belgischen Société générale de Belgique, wodurch es zeitweise zur größten Bankengruppe Belgiens wurde. Im Zuge der Finanzkrise ab 2008 geriet Fortis in Schwierigkeiten; seine belgischen Bankaktivitäten wurden 2009 von der französischen BNP Paribas übernommen und firmieren seither als BNP Paribas Fortis.

    Die belgische Großbank Banque Bruxelles Lambert wurde 1998 von der niederländischen ING Groep übernommen und bildet heute die ING Belgium.

    Als größere belgische Institute bestehen daneben die KBC Group, die an der Wertpapierbörse Euronext Brüssel notiert ist, sowie Belfius. Dexia Bank Belgium wurde 2011 vom belgischen Staat übernommen und 2012 in Belfius umbenannt. Die Bank befindet sich vollständig im Besitz des belgischen Staates. Ein Vorgängerinstitut von Dexia war der belgische Gemeindekredit (Crédit Communal de Belgique/Gemeentekrediet van België), der insbesondere Gemeinden und andere öffentliche Körperschaften finanzierte.

    Crelan ist eine genossenschaftlich organisierte belgische Bankengruppe. Sie entstand 2013 aus der Fusion des belgischen Landbouwkrediet (französisch Crédit Agricole) mit Centea. 2024 wurde die bereits 2021 übernommene AXA Bank Belgium mit Crelan verschmolzen. Die genossenschaftliche CrelanCo hält weiterhin die Mehrheit; seit 2025 besitzt die französische Crédit-Agricole-Gruppe einen Anteil von 9,9 % an der Crelan SA/NV.[178]

    Zu den kleineren Instituten gehören Argenta, die sich vor allem auf Privatkunden konzentriert, und Beobank. Beobank geht auf die 2012 erfolgte Übernahme der belgischen Citibank-Aktivitäten durch Crédit Mutuel Nord Europe zurück und gehört heute zur französischen Crédit Mutuel Alliance Fédérale.

    Belgien verfügt mit der Euronext Brüssel über eine bedeutende Wertpapierbörse. Ihr Leitindex ist der BEL20. Die Marktkapitalisierung der börsennotierten Unternehmen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ist vergleichsweise hoch; dieser Indikator erlaubt für sich genommen jedoch keine Aussage darüber, in welchem Umfang belgische Unternehmen unmittelbar über den Kapitalmarkt finanziert werden.[179]

    Darüber hinaus verfügt die belgische Föderalregierung mit der Société Fédérale de Participations et d’Investissement (SFPIM/FPIM) über eine staatliche Beteiligungs- und Investitionsgesellschaft, die als Holdinggesellschaft und Investitionsgesellschaft tätig ist und sich selbst als belgischen Staatsfonds bezeichnet.[180]

    Nach dem Global Wealth Report 2026 der Bank UBS belief sich das geschätzte Nettovermögen je erwachsener Person in Belgien Ende 2025 auf durchschnittlich 407.920 US-Dollar. Damit belegte Belgien unter den 56 untersuchten Märkten Rang 11. Beim Medianvermögen lag Belgien mit 277.166 US-Dollar auf Rang 2. Zum Vergleich betrug das durchschnittliche Vermögen je erwachsener Person in Deutschland 346.613 US-Dollar und das Medianvermögen 53.485 US-Dollar; Deutschland belegte damit die Ränge 14 beziehungsweise 30. Als Vermögen erfasst UBS finanzielle und nichtfinanzielle Vermögenswerte, insbesondere Immobilien, abzüglich der Schulden.[181]

    UBS schätzte die Zahl der Erwachsenen mit einem Nettovermögen von mehr als einer Million US-Dollar in Belgien auf rund 556.000. Der von UBS berechnete Gini-Koeffizient der Vermögensverteilung lag 2025 bei 0,46 und war damit nach der Slowakei der zweitniedrigste Wert unter den untersuchten Märkten.[182]

    Nach den experimentellen Verteilungsrechnungen der Belgischen Nationalbank verfügten die vermögendsten zehn Prozent der belgischen Haushalte im ersten Quartal 2026 über 54,4 % des Nettovermögens der privaten Haushalte, während auf die vermögensärmere Hälfte 7,7 % entfielen. Diese haushaltsbezogenen Angaben sind wegen abweichender Bezugsgrößen und Methoden nicht unmittelbar mit den personenbezogenen Schätzungen von UBS vergleichbar.[183]

    Regionale Disparitäten

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    Belgien weist stark ausgeprägte regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft auf. Insbesondere Wallonien weist seit längerer Zeit ein niedrigeres Bruttoinlandsprodukt und Einkommen je Einwohner sowie ein schwächeres Wirtschaftswachstum als Flandern auf.[184] Kennzeichnend ist insbesondere der schwierige Strukturwandel der ehemals vom Steinkohlenbergbau und teilweise von der Stahlindustrie geprägten Gegenden. Dazu zählen in Wallonien die Gegend um Charleroi, das Pays Noir, die Borinage westlich und südwestlich von Mons, das Industriegebiet Le Centre um La Louvière sowie das Lütticher Becken um Lüttich.[185] Auch das in Flandern gelegene Limburger Steinkohlerevier war nach der Schließung seiner Bergwerke von einem tiefgreifenden Strukturwandel betroffen; das letzte Bergwerk wurde dort 1992 geschlossen.[186]

    Vergleich des Bruttoinlandsprodukts zwischen den belgischen Provinzen und Regionen, dem Königreich Belgien und zur Europäischen Union[187]
    RangVerwaltungseinheitBIP 2017
    in Mio. Euro
    BIP pro Kopf 2017,
    KKS, (EU-28 = 100)
    BIP pro Kopf
    2017 in Euro
    –  Brüssel 77.694 196 65.000
    1.  Provinz Antwerpen 85.753 140 46.600
    2.  Provinz Wallonisch-Brabant 17.477 131 43.700
    3.  Provinz Flämisch-Brabant 47.104 125 41.500
    –  Flandern 259.786 120 39.800
    –  Belgien 439.052 116 38.700
    4.  Provinz Westflandern 45.263 115 38.100
    5.  Provinz Ostflandern 53.855 108 35.900
    –  EU-28 15.383.066 100 30.000
    6.  Provinz Limburg 27.810 96 32.000
    –  Wallonische Region 101.378 84 28.000
    7.  Provinz Lüttich 30.812 84 27.900
    8.  Provinz Namur 13.008 80 26.400
    9.  Provinz Hennegau 33.202 75 24.800
    10.  Provinz Luxemburg 6.880 73 24.300
    Umfang der belgischen Exporte nach Sektoren, 2019

    Belgien verzeichnete 2025 ein geringes Defizit in der Leistungsbilanz von rund 0,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP); 2024 hatte die Leistungsbilanz nach überarbeitetend Angaben noch einen Überschuss von 0,7 % des BIP aufgewiesen.[188] Die Handelsbilanz wies 2025 einen Überschuss von rund 0,9 % des BIP auf.[188] Die belgische Wirtschaft ist stark in weltweite Lieferketten eingebunden, weshalb ein erheblicher Teil des Warenhandels aus Vor- und Zwischenerzeugnissen besteht.[189] Zu den wichtigsten belgischen Exportwarengruppen gehören chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Maschinen und Ausrüstungen, Nahrungsmittel sowie Metallerzeugnisse.[190]

    Demgegenüber war die Dienstleistungsbilanz 2025 mit rund −1,4 % des BIP negativ.[188] Positiv wirkten sich unter anderem die strategisch günstige Lage Belgiens und die Beförderungsdienstleistungen und Warenumschlag rund um den Hafen Antwerpen aus. Auch die Fernmelde-, Computer- und Informationsdienstleistungen sowie die Einnahmen aus der Nutzung geistigen Eigentums wiesen positive Salden auf. Belastet wurde die Dienstleistungsbilanz dagegen vor allem durch den Reiseverkehr; auch der Saldo der Finanzdienstleistungen war negativ.[191]

    Die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen war 2025 mit rund 1,4 % des BIP positiv.[188] Dazu gehören sowohl die Erwerbseinkommen von in Belgien ansässigen Arbeitnehmern, die im Ausland arbeiten, darunter Grenzgänger nach Luxemburg, als auch grenzüberschreitende Vermögenseinkommen. Begünstigt wird der Saldo durch den positiven belgischen Nettoauslandsvermögen, der Ende 2025 rund 52 % des BIP betrug.[192] Den Einnahmen stehen allerdings unter anderem Dividenden, Zinsen und reinvestierte Gewinne gegenüber, die belgische Unternehmen an ausländische Kapitalgeber zahlen.

    Darüber hinaus verzeichnete Belgien 2025 ein Defizit in der Übertragungsbilanz von rund 1,0 % des BIP.[188] Zu den entsprechenden Zahlungen zählen staatliche Übertragungen an die Europäische Union und internationale Organisationen sowie private Übertragungen wie Rücküberweisungen. Das wachsende Defizit der vergangenen Jahre wurde unter anderem mit höheren Beiträgen zum EU-Haushalt und gestiegenen grenzüberschreitenden privaten Übertragungen in Verbindung gebracht.[193] Im September 2026 revidierte die Belgische Nationalbank die Zahlungsbilanzdaten insbesondere für den elektronischen Handel, den Reiseverkehr und die Rücküberweisungen methodisch.[194]

    Belgien ist Teil des Europäischen Binnenmarkts. Zusammen mit 20 anderen EU-Mitgliedstaaten (blau) bildet es eine Währungsunion, die Eurozone.
    Entwicklung des belgischen Außenhandels[195]
    Mrd. US$
    (2019)
    % gg. Vj. Mrd. US$
    (2020)
    % gg. Vj. Mrd. US$
    (2021)
    % gg. Vj.
    Einfuhr 318,8 −6,2 294,2 −7,7 344,7 +17,2
    Ausfuhr 311,7 −3,6 296,1 −5,0 336,5 +13,6
    Saldo −7,1 +2,0 −8,2
    Haupthandelspartner Belgiens (2021)[195]
    Export (in Prozent) nach Import (in Prozent) von
     Deutschland 17,1  Niederlande 21,0
     Frankreich 13,4  Deutschland 15,9
     Niederlande 12,1  Frankreich 10,2
     Vereinigte Staaten 7,1  Irland 5,5
     Vereinigtes Königreich 6,3  Vereinigte Staaten 4,8
     Italien 4,2  Italien 4,3
     Spanien 2,6  Spanien 3,3
    sonstige Staaten 37,2 sonstige Staaten 35,0

    Der föderale Aufbau Belgiens spiegelt sich auch in der Medienlandschaft des Landes wider. Es bestehen weitgehend getrennte, nach den Sprachgemeinschaften aufgebaute Medienmärkte auf Niederländisch, Französisch und Deutsch.[196]

    Der flämische Zeitungsmarkt ist stark konzentriert und wird vor allem von zwei Verlagsgruppen beherrscht: Mediahuis mit Sitz in Antwerpen ist unter anderem Herausgeber von De Standaard und Het Nieuwsblad, DPG Media (ehemals De Persgroep) Herausgeber von Het Laatste Nieuws und De Morgen. Mediafin, ein Gemeinschaftsunternehmen von Rossel und der Roularta Media Group, gibt die Wirtschaftszeitung De Tijd heraus.[197][198] Die Roularta Media Group mit Sitz in Roeselare gibt außerdem die Zeitschrift Knack heraus.

    Die französischsprachige Zeitung Le Soir wird vom Verlagshaus Rossel mit Sitz in Brüssel herausgegeben. La Libre Belgique, La Dernière Heure/Les Sports und L’Avenir gehören zur ebenfalls in Brüssel ansässigen IPM Group.[199] Im Juli 2026 genehmigte die Belgische Wettbewerbsbehörde unter Auflagen die Übernahme der Presseaktivitäten von IPM durch Rossel.[200] Sudinfo mit seinen Regionalausgaben, darunter La Meuse, wird von der zum Rossel-Konzern gehörenden Groupe Sudmedia herausgegeben.[201] Die Wirtschaftszeitung L’Écho wird wie De Tijd von Mediafin verlegt. Die Zeitschrift Le Vif/L’Express erscheint bei der Roularta Media Group.

    Beim Rundfunk bestehen für die drei Sprachgemeinschaften jeweils getrennte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten: die VRT (Vlaamse Radio- en Televisieomroeporganisatie) für die Flämische Gemeinschaft, die RTBF (Radio-télévision belge de la Communauté française) für die Französische Gemeinschaft und der BRF (Belgischer Rundfunk) für die Deutschsprachige Gemeinschaft. Der Zuständigkeitsbereich der RTBF umfasst damit neben dem französischsprachigen Teil der Wallonie auch die französischsprachige Bevölkerung der Region Brüssel-Hauptstadt. Der BRF bietet Hörfunk-, Fernseh- und Onlineangebote an.[202] Von den deutschsprachigen Ostbelgiern werden aufgrund der Grenzlage neben den BRF-Programmen auch Hörfunk- und Fernsehprogramme aus Deutschland genutzt.

    Bedeutendste und einzige deutschsprachige Tageszeitung Belgiens ist das in Eupen erscheinende GrenzEcho.[203] Weitere deutschsprachige Publikationen sind die Wochenzeitungen Wochenspiegel und KurierJournal, das Online-Magazin Ostbelgien Direkt sowie die landwirtschaftliche Verbandszeitschrift Der Bauer.[204][205]

    Da in Belgien keine amtliche Statistik über die Religionszugehörigkeit geführt wird, beruhen entsprechende Angaben auf Umfragen. Nach dem European Social Survey von 2023 gehörten rund 59 Prozent der Befragten keiner Glaubensgemeinschaft an. Rund 34 Prozent bezeichneten sich als Christen, darunter 31 Prozent als römisch-katholisch, 1,3 Prozent als protestantisch und 0,6 Prozent als orthodox; rund 6 Prozent bezeichneten sich als muslimisch.[206] Daneben bestehen kleinere jüdische, buddhistische und hinduistische Minderheiten.

    Traditionell war Belgien lange Zeit ein stark katholisch geprägtes Land. Genaue historische Bekenntniszahlen sind jedoch nur eingeschränkt verfügbar. Um 1905 lebten historischen Schätzungen zufolge mehr als 25.000 Juden in Belgien.[207]

    Die religiösen Gegensätze gehörten neben politischen, sprachlichen, sozialen und wirtschaftlichen Spannungen zu den Ursachen der Belgischen Revolution und der Abspaltung Belgiens im Jahr 1830 vom überwiegend protestantisch regierten Norden der 1815 gebildeten Vereinigten Niederlande.[208] Die katholische Tradition prägte alle drei Sprachgebiete. Mit der KU Leuven ist eine der bedeutendsten Universitäten des Landes aus einer katholischen Tradition hervorgegangen. Vor allem das ländliche Flandern war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts stark katholisch geprägt; im frühzeitig industrialisierten Wallonien begünstigten der Liberalismus und die sozialistische Arbeiterbewegung eine stärkere Säkularisierung, die in den 1960er-Jahren auch den flämischen Landesteil erfasste.

    Die Vereinigte Protestantische Kirche in Belgien entstand 1978 durch den Zusammenschluss mehrerer protestantischer Kirchen. Sie ist eine unierte Kirche mit reformierten, lutherischen und methodistischen Traditionen.[209] In Brüssel befindet sich die traditionsreiche Église Protestante de Bruxelles, die gewöhnlich Chapelle royale genannt wird, weil der evangelische König Leopold I. dort am Gottesdienst teilnahm.[210] Die deutschsprachige evangelische Emmausgemeinde in Brüssel ist eine selbstständige Gemeinde, die mit der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien und der Evangelischen Kirche in Deutschland verbunden ist.[211] Daneben bestehen protestantische Freikirchen, darunter die Baptisten in Belgien.

    Nach dem European Social Survey von 2023 bezeichneten sich rund 6 Prozent der Befragten als muslimisch.[206] Die muslimische Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf größere Städte wie Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Charleroi. Viele belgische Muslime haben familiäre Wurzeln in Marokko oder der Türkei.

    Der belgische Staat erkennt sechs Religionen sowie eine nichtkonfessionelle Weltanschauung an und fördert ihre Vertretungsorgane: die römisch-katholische, die protestantisch-evangelische, die jüdische, die anglikanische, die islamische und die orthodoxe Religionsgemeinschaft sowie den organisierten weltanschaulichen Humanismus. Die jüdische Religionsgemeinschaft wurde 1808, die anglikanische 1835, die protestantisch-evangelische 1876, der Islam 1974, die orthodoxe Kirche 1985 und der organisierte weltanschauliche Humanismus 2002 anerkannt. Buddhismus und Hinduismus sind bislang nicht als Religionen anerkannt; ihre Vertretungsorganisationen erhalten jedoch staatliche Zuschüsse.[212]

    Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen des Eurobarometers ergab 2020, dass Religion für 24 Prozent der Befragten in Belgien wichtig war; 25 Prozent hielten sie für weder wichtig noch unwichtig und 51 Prozent für unwichtig.[213]

    Homosexualität

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    Belgien verfügt über eine weitreichende rechtliche Gleichstellung homosexueller Menschen. Einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen sind seit 1795 legal. Zwischen 1965 und 1985 bestand allerdings ein höheres Schutzalter für homosexuelle als für heterosexuelle Handlungen.[214] Zum Vergleich waren einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Männern in Deutschland aufgrund des § 175 des Strafgesetzbuches bis 1969 strafbar. Im Jahr 2003 wurde ein allgemeines Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet; das geltende föderale Antidiskriminierungsgesetz vom 10. Mai 2007 schützt unter anderem vor Benachteiligungen aufgrund der sexuellen Orientierung.[215] Als zweiter Staat der Welt öffnete Belgien nach den Niederlanden im Jahr 2003 die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.[216] Die Vereinigte Protestantische Kirche erlaubt seit 2007 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

    In Antwerpen lebt eine der größten orthodoxen und ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaften Europas, die in einigen Vierteln das Stadtbild prägt.[217] Unia, die unabhängige öffentliche Einrichtung zur Bekämpfung von Diskriminierung, erhielt 2024 insgesamt 277 Meldungen mit Bezug auf Antisemitismus oder Holocaustleugnung; daraus wurden 79 Vorgänge eröffnet. Meldungen an Unia sind dabei nicht mit polizeilich registrierten Straftaten gleichzusetzen.[218]

    Das Heimspiel der belgischen Fußballnationalmannschaft gegen Israel in der UEFA Nations League im September 2024 wurde aus Sicherheitsgründen nach Debrecen in Ungarn verlegt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen, nachdem sich keine belgische örtliche Behörde zur Austragung des Spiels bereit erklärt hatte.[219]

    Seit mehreren Jahren steht der Karnevalsumzug der Stadt Aalst in der Kritik, weil dort wiederholt antijüdische Stereotype verwendet wurden. Die UNESCO strich den Aalster Karneval im Dezember 2019 auf Antrag der Stadt von der Liste des immateriellen Kulturerbes. Die UNESCO verwies dabei auf wiederkehrende rassistische und antisemitische Darstellungen, die mit den Grundsätzen der Organisation unvereinbar seien.[220]

    Zu den schwersten antisemitischen Gewalttaten der jüngeren belgischen Geschichte gehört der Anschlag auf das Jüdische Museum von Belgien in Brüssel, bei dem am 24. Mai 2014 vier Menschen erschossen wurden.

    Infrastruktur und Verkehr

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    Dank seiner zentralen Lage als europäisches Handelszentrum hat Belgien eines der weltweit dichtesten Verkehrsnetze. Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird, belegte Belgien 2016 den sechsten Platz unter 160 Ländern. Besonders gut schnitten die Parameter für internationale Schifffahrt und den logistischen Zeitaufwand ab.[221]

    In der Feuerwehr in Belgien waren im Jahr 2019 landesweit 5.519 Berufsfeuerwehrleuten und 12.230 freiwilligen Feuerwehrleuten in 252 Feuerwachen und Feuerwehrhäusern organisiert, die 34 sogenannten Hilfeleistungszonen und der Feuerwehr Brüssel zugeteilt sind. Für Feuerwehreinsätze standen im gleichen Jahr 1.680 Löschfahrzeuge und 270 Drehleitern bzw. Teleskopmasten bereit.[222] Die nationale Feuerwehrorganisation Direction générale Sécurité civile repräsentiert die belgische Feuerwehr mit ihren Feuerwehrangehörigen im Weltfeuerwehrverband CTIF.[223]

    Regionalzug im Bahnhof Antwerpen-Centraal

    Belgien war mit der 1835 eingeweihten Strecke von Brüssel nach Mechelen das erste Land in Kontinentaleuropa mit Eisenbahnverbindungen. Die staatliche Eisenbahngesellschaft, die den Zugverkehr durchführt, ist die Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen (NMBS/SNCB). Die Eisenbahninfrastruktur wird von Infrabel betrieben, das belgische Bahnnetz ist eines der am dichtesten ausgebauten Netze der Welt. Für Brüssel und das Umland ist am 13. Dezember 2015 ein S-Zug-Netz in Betrieb gegangen, seit 2018 verkehren ebenfalls in Antwerpen, Charleroi, Gent und Lüttich S-Züge.

    Im internationalen Bahnverkehr ist Belgien mit Hochgeschwindigkeitsstrecken an seine Nachbarländer angebunden. Nach Deutschland, Frankreich, in die Niederlande, sowie ins Vereinigte Königreich über den Eurotunnel verkehren Eurostar-, ICE-, TGV-Züge. In die Nachbarländer bestehen außerdem Intercity- und Regionalzugverbindungen. Der Nachtzugverkehr von und nach Belgien wurde 2020 mit dem Nightjet der Österreichischen Bundesbahnen wiederaufgenommen.[224]

    Die traditionsreiche Schlafwagengesellschaft Compagnie Internationale des Wagons-Lits, die unter anderem die Luxuszüge Orient-Express, Nord- und Süd-Express oder Ostende-Wien-Express betrieb, wurde von dem aus Lüttich stammenden Georges Nagelmackers gegründet.

    Öffentlicher Nahverkehr

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    Kusttram entlang der Küste

    Belgien verfügt über ein dicht ausgebautes Netz im öffentlichen Nahverkehr. Landesweit gibt es drei Nahverkehrsunternehmen: STIB/MIVB in Brüssel, De Lijn in Flandern und Transport en Commun (TEC) in der Wallonie.

    Neben Busverkehr hat Belgien auch eine lange Geschichte mit städtischem Schienenverkehr. In Brüssel existiert ein Metro-System. Städtische Straßen- und Stadtbahnen verkehren zudem in Antwerpen, Brüssel, Charleroi, Gent und Lüttich.

    Alle Orte entlang der gesamten Nordseeküste Belgiens sind mit der längsten Überland-Straßenbahnlinie der Welt verbunden, der Kusttram. Diese ist einer der letzten Überreste des einstigen landesweiten Überlandstraßenbahnnetzes, welches von der Nationalen Kleinbahngesellschaft (SNCV/NMVB) betrieben wurde.

    Belgien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mittel- und Westeuropa. Der bedeutendste Hafen ist Antwerpen an der Schelde, einer der größten und wichtigsten Seehäfen der Welt. Auch der Seehafen von Brügge-Zeebrügge gilt als einer der modernsten und bedeutendsten in Europa. Traditionelle Bedeutung als Fährhafen besaß, bis zur Eröffnung des Eurotunnels, der Hafen von Ostende.

    Der wichtigste Flughafen des Landes ist Brüssel-Zaventem. Weitere Flughäfen sind Brüssel-Charleroi, Lüttich, Antwerpen und Ostende-Brügge.

    Die staatliche belgische Fluggesellschaft war bis zu ihrem Bankrott am 6. November 2001 die traditionsreiche Sabena. Sie ging in der SN Brussels Airlines auf, die sich wiederum mit Virgin Express zur Brussels Airlines vereinigte.

    Straßenverkehr

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    Das gesamte Straßennetz umfasste 2013 etwa 154.012 Kilometer, wovon 120.514 Kilometer asphaltiert sind.[225]

    Belgien besitzt ein sehr gut ausgebautes Autobahnnetz mit einer Länge von 1.756 Kilometern im Jahr 2010, das – wie auch alle anderen Straßen in Belgien – fast komplett mit Straßenlaternen ausgestattet und nachts beleuchtet ist. Jedoch soll diese Beleuchtung aus Gründen der Stromersparnis und damit des Klimaschutzes künftig eingeschränkt werden und folglich zwischen 0:30 Uhr und 4:30 Uhr abgeschaltet bleiben. Aufgrund des hohen ausländischen Verkehrsaufkommens war für 2008 eine Autobahnmaut in Höhe von 60 Euro geplant, die für heftige Diskussionen gesorgt hatte und bis heute nicht eingeführt wurde.

    Ein belgisches Biergeschäft

    Eine typische gesamtbelgische Küche gibt es nicht, da zahlreiche Spezialitäten eher der flämischen Küche oder der Küche Walloniens zuzuordnen sind oder von den Kochkünsten der Nachbarländer, insbesondere Frankreichs inspiriert sind. Es wurde eine weltbekannte Erfindung in Belgien gemacht, die häufig falsch eingeordnet wird: Pommes frites. Belgische Waffeln stellen ebenfalls eine Spezialität dar. Die bekanntesten Waffelarten sind die Brüsseler und die Lütticher Waffeln. Des Weiteren ist Belgien für seine Pralinen bekannt, welche zur Weltspitze gehören. Diese sind nicht zu verwechseln mit den Lyonaiser Pralinen (Pralines roses). Eine weitere Besonderheit ist die Sortenvielfalt der belgischen Biere, darunter zahlreiche Abteibiere (Abdijbier, Bière d’Abbaye), insbesondere die Trappistenbiere Westmalle, Westvleteren, Rochefort, Orval und Chimay mit höherem Alkoholgehalt, mit Spontangärung vergorene Biere (z. B. Lambic, Geuze, Faro) mit Hefen, die im Bereich der Senne heimisch sind oder mit Fruchtaromen versetzte Biere (z. B. Kriek). Jedoch ist die am meisten getrunkene Biersorte Pilsner Bier, insbesondere von den Marken Jupiler aus Lüttich und Stella Artois aus Löwen, die beide zum belgischen Brauereikonzern AB-InBev gehören, und Maes aus Mechelen von Alken-Maes. Die hohe Sortenvielfalt ist auch mit dem fehlenden Tradition des Reinheitsgebots zu erklären. Sehr starke Biere wurden in Belgien auch deshalb so beliebt, weil die Steuer auf Branntwein verhältnismäßig hoch war und ist[226] und durch das Vandervelde-Gesetz, welches bis in die 1980er-Jahre den Verkauf von Branntwein in der Gastronomie verbot.

    In Belgien werden auch Schaumweine in dem Gebiet Crémant de Wallonie erzeugt.

    Bekannt sind auch die belgischen Abteikäse von Chimay, Orval, Maredsous und sonstige Käse wie Fromage de Herve, Remoudou oder Passendale.

    In der Wallonie ist der Karneval tief mit Brauchtum und jahrhundertealten Ritualen verbunden. Er hat oft ländliche Wurzeln, ist stark ritualisiert und verzichtet weitgehend auf politische Satire.

    Drei der bekanntesten Karneval sind:

    • Karneval von Binche: Berühmt für die „Gilles“- Männer in aufwendig bestickten Kostümen, Wachsmasken und Straußenfederhüten, die Orangen in Zuschauerschaft werfen – ein Symbol für Glück und Fruchtbarkeit. Die Tradition wurde 2003 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.[227]
    • Karneval von Malmedy: Der „Cwarmê“ mit Figuren wie dem „Haguète“ verkörpert regionale Identität, wird ausschließlich auf Wallonisch kommentiert und ist bereits seit dem 15. Jahrhundert belegt.[228]
    • Karneval Stavelot: Am Laetare-Sonntag ziehen die „Blancs-Moussis“ durch die Straßen – weiß vermummte Figuren mit roten Nasen, die Konfetti werfen und die Geistlichkeit parodieren. Auch dieser Brauch wurde 2022 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Föderation Wallonie-Brüssel aufgenommen.[229]

    In der Wallonie ist der Karneval eng mit der Fastenzeit verknüpft. Viele Feiern finden nicht im klassischen Faschingszeitraum, sondern erst am Laetare-Sonntag statt.

    In Flandern ist der bekannteste Karneval der Karneval von Aalst, wo riesige Prunkwagen mit bissiger politischer Satire durch die Stadt ziehen – nicht unähnlich den Karnevalsumzügen in Köln oder Düsseldorf. Aalst war bis 2019 Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes, wurde jedoch nach antisemitischen Darstellungen aus dem Verzeichnis entfernt.[230]

    Auch andere flämische Städte wie Dendermonde, Halle oder Ronse pflegen ihre Karnevalstraditionen mit viel Musik, Humor und Familienfreundlichkeit – allerdings meist ohne tief verwurzelte folkloristische Figuren wie in der Wallonie.

    Die belgische Fußballnationalmannschaft 2018

    Ein beliebter Sport in Belgien ist Fußball. Die 1. belgische Liga ist eine der ältesten der Welt. In den 1970er- und 1980er-Jahren gehörte das belgische Nationalteam (Rote Teufel genannt) zur internationalen Spitze. Nach der Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 konnte sich Belgien allerdings zwölf Jahre lang nicht mehr für ein internationales Turnier qualifizieren. In den letzten Jahren zählte die belgische Nationalmannschaft jedoch wieder zur Weltspitze, wie sie mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 bewies. (Siehe auch: Fußball in Belgien)

    Der Nationalsport in Belgien ist jedoch der Radsport. Deswegen hat Belgien auch einige Berühmtheiten im Radsport hervorgebracht. So gehörten und gehören Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck, Johan Museeuw, Peter Van Petegem sowie Tom Boonen zu den besten Radsportlern der Welt. Wichtige Eintagesklassiker finden in Belgien statt, beispielsweise Lüttich–Bastogne–Lüttich und die Flandern-Rundfahrt.

    Speziell zu erwähnen ist auch der Cyclocross, eine Spezialdisziplin des Radsports, welche im Winter ausgetragen wird. Die heimischen Rennen werden von zehntausenden Zuschauern besucht. In der Regel werden drei bis vier der ca. acht Weltcup-Wettbewerbe in Belgien ausgetragen, ebenso wie die meisten am höchsten eingestuften sonstigen Wettbewerbe. Belgien dominiert den Sport wie kein anderes Land und stellte mit Abstand die meisten Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger, wobei besonders Sven Nys hervorzuheben ist.

    Auch der Tennissport ist im Aufwind. Die flämische Kim Clijsters und die wallonische Justine Henin gehörten lange Zeit zu den besten Spielerinnen der Welt.

    In der Leichtathletik ist Kim Gevaert (100 und 200 m) Europameisterin und Tia Hellebaut (Hochsprung) Olympiasiegerin.

    Rugby Union wird ebenfalls in Belgien gespielt. Der belgischen Nationalmannschaft gelang jedoch noch nicht die Qualifikation für eine Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Belgien ist einer der Teilnehmer bei der Rugby-Union-Europameisterschaft und trifft dort auf andere aufstrebende Nationalmannschaften. Der ehemalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Jacques Rogge war für die belgische Nationalmannschaft aktiv.

    Nicht vergessen werden sollte Karambolage und Billard Artistique, in denen die Sportler René Vingerhoedt und Raymond Ceulemans über Jahre die Szene dominierten. Den Titel bei der Snookerweltmeisterschaft 2023 errang Luca Brecel. Auch für viele Amateur- und Kneipenspieler hat Billard einen hohen Stellenwert.

    Der Rundkurs von Spa-Francorchamps wird zu den anspruchsvollsten Strecken im Motorsport gezählt. Hier gastieren in regelmäßigen Abständen internationale Rennserien, darunter seit 1950 die Formel 1. Zu den Höhepunkten gehört auch das jährlich stattfindende 24-Stunden-Rennen.

    Mit dem Circuit Zolder verfügt Belgien über eine zweite Rennstrecke von überregionaler Bedeutung. Von 1973 bis 1984 trug hier ebenfalls die Formel 1 Rennen aus. Nivelles-Baulers, der dritte Kurs, auf dem Formel-1-Rennen stattfanden, existiert nicht mehr.

    Auf der Speedwaybahn von Heusden-Zolder wurden bereits mehrmals internationale Prädikatsrennen ausgefahren. Auf der Grasbahn in Alken in der Provinz Limburg wurde bereits das Finale zur Grasbahn-Europameisterschaft ausgetragen.

    Special Olympics Belgien wurde 1979 gegründet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.

    Comics sind in Belgien generell sehr populär; ein großer bekennender Fan war zum Beispiel König Baudouin. Den Bandes Dessinées (kurz BD, französisch) oder Strips (niederländisch) begegnen Menschen häufig im Stadtbild. Qualitative Buchhandlungen in Belgien verfügen über spezielle BD-Abteilungen. Zudem werden in großen Supermärkten Comics angeboten.

    Comics sind ein Hauptexportartikel belgischer Verlage, denn viele international bekannte und berühmte Comiczeichner und Autoren stammen aus Belgien, das damit im Vergleich zu seiner Größe die meisten in Europa hervorgebracht hat. Die berühmtesten sind Willy Vandersteen (Suske und Wiske), Jean Graton (Michel Vaillant), Morris (Lucky Luke), Hergé (Tim und Struppi), Peyo (Die Schlümpfe und weiteres), André Franquin (Spirou und Fantasio, Gaston und Marsupilami) und Philippe Geluck (Le Chat).

    Belgische Kinospielfilmproduktion[231]
    JahrAnzahl
    197514
    19857
    19958
    200528

    In Belgien ist es möglich, Comic als Studienrichtung an Kunsthochschulen wie der Königlichen Akademie für bildende Kunst und dem Institut Saint-Luc in Brüssel zu studieren. Daher werden die Bandes Dessinées in Belgien auch als „neunte Kunst“ tituliert. In Brüssel gibt es ein Comic-Museum (Centre Belge de la Bande Dessinée), in dem dieser Kunstrichtung auf drei Etagen gehuldigt wird.

    Im 15. und 16. Jahrhundert, der Zeit der Renaissance, waren zahlreiche Komponisten aus dem Gebiet des heutigen Belgien, vor allem aus dem Hennegau, führend. Die Musik der Renaissance war stilprägend in Europa. Bedeutende Namen der franko-flämischen Musik sind Guillaume Dufay, Johannes Ockeghem, Josquin Desprez, Heinrich Isaac, Jacob Obrecht, Adrian Willaert, Orlando di Lasso. Der französische Komponist César Franck wurde in Lüttich geboren, verbrachte seine ersten dreizehn Lebensjahre in Belgien und war dort bereits musikalisch aktiv, bevor die Familie 1835 nach Paris umsiedelte. Für die Musikwelt des 19. Jahrhunderts (und darüber hinaus) war Adolphe Sax eine bedeutende Figur. Ein weltweit äußerst renommierter Musikwettbewerb ist der Concours Reine Elisabeth.

    Im Jazz sind der Mundharmonikaspieler Toots Thielemans, der Tenorsaxophonist und Flötist Bobby Jaspar und der Gitarrist Philip Catherine international hervorgetreten. Der Rockmusiker Gotye, der mit seinem Hit Somebody That I Used to Know berühmt und erfolgreich wurde, ist in Belgien geboren.

    Zu den bekanntesten Bands im 21. Jahrhundert zählen dEUS, Gotye, Hooverphonic und Triggerfinger.

    Seit den späten 1990er-Jahren ist Belgien eine Hochburg der Trance-Musik (früher v. a. Hard Trance). International erfolgreich sind die Gruppen Ian Van Dahl, Lasgo und Sylver. In der etwas progressiveren Szene sind z. B. Push oder Yves Deruyter sehr bekannt.

    In Belgien gibt es viele Musikfestivals. Bekannt sind unter anderem Tomorrowland, Rock Werchter, Dour Festival, Pukkelpop, Gentse Feesten oder Coleur Café, Graspop Metal Meeting, Brussels Summer Festival, Les Ardentes oder Ronquières Festival.

    Seit dem 14. Jahrhundert hatte sich ein Wandel vollzogen: Weltliche Mäzene lösten die Kirche als wichtigsten Auftraggeber für Kunstwerke ab. Darin begründete sich die Altniederländische Malerei, die stilprägend wurde und zahlreiche bekannte Maler – die flämische Primitive – hervorbrachte. Bekannte Maler sind Pieter Bruegel der Ältere, Peter Paul Rubens, Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes, Jan van Eyck. Für spätere Epochen bekannt wurde der Industriemaler Léonard Defrance, James Ensor und der Surrealist René Magritte wie auch der Freund von Vincent van Gogh, Eugène Boch, und dessen Schwester Anna Boch.

    Sonstige Künstler

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    Sehenswürdigkeiten

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    In Belgien ist die aktive Sterbehilfe erlaubt, auch bei Minderjährigen, und durch ein Gesetz geregelt, das dafür Ärzte mit besonderer Weiterbildung vorsieht.[232]

    Im Jahr 2017 haben insgesamt 2.309 Menschen die aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen, darunter drei Minderjährige.[233] Im Jahr 2009 existierten 822 Fälle, davon knapp 80 Prozent in Flandern.[234]

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    Einzelnachweise

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    1. 1 2 Die Rolle der Monarchie, belgium.be; abgerufen am 12. April 2020.
    2. ↑ Der König, Die Monarchie in Belgien; abgerufen am 12. April 2020.
    3. 1 2 La Belgique est désormais un peu plus grande. In: lalibre.be. 10. Januar 2019, abgerufen am 17. Januar 2019 (französisch, Anpassung der Fläche an neue Vorgaben von Eurostat, wodurch die Grundfläche durch die Einbeziehung von Stränden bei Niedrigwasser ab 2019 um 160 km² größer geworden ist).
    4. ↑ Bevölkerung nach Wohnsitz, Nationalität, Familienstand, Alter und Geschlecht. In: statbel.fgov.be. Statbel – Direction générale Statistique – Statistics Belgium (Föderaler Öffentlicher Dienst)
    5. ↑ Population growth (annual %). In: World Economic Outlook Database. Weltbank, 2022, abgerufen am 22. Oktober 2022 (englisch).
    6. 1 2 GDP, current prices Billions of U.S. dollars. In: IMF DataMapper. Internationaler Währungsfonds, 2025, abgerufen am 13. November 2025 (englisch).; GDP, current prices Purchasing power parity; billions of international dollars. In: IMF DataMapper. Internationaler Währungsfonds, 2025, abgerufen am 13. November 2025 (englisch).GDP per capita, current prices. U.S. dollars per capita. In: IMF DataMapper. Internationaler Währungsfonds, 2025, abgerufen am 13. November 2025 (englisch).; GDP per capita, current prices—Purchasing power parity; international dollars per capita. In: IMF DataMapper. Internationaler Währungsfonds, 2025, abgerufen am 13. November 2025 (englisch).
    7. ↑ Table: Human Development Index and its components. In: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Hrsg.): Human Development Report 2025. United Nations Development Programme, New York 2025, ISBN 978-92-1154263-9, S. 278 (englisch, undp.org [PDF]).
    8. ↑ Davor Belgischer Franc (bfr), unterteilt in 100 Centimes (c).
    9. ↑ Bevölkerung nach Wohnsitz, Nationalität, Familienstand, Alter und Geschlecht. In: statbel.fgov.be. Statbel – Direction générale Statistique – Statistics Belgium (Föderaler Öffentlicher Dienst)
    10. ↑ Europäische Union: Urbanisierungsgrad in den Mitgliedsstaaten im Jahr 2018. In: de.statista.com. Abgerufen am 3. Dezember 2019.
    11. 1 2 Horst Siegemund: Königreich Belgien. In: Winfried Steffani (Hrsg.): Regierungsmehrheit und Opposition in den Staaten der EG. 1991, S. 61–91 (springer.com).
    12. 1 2 Wichard Woyke: Das politische System Belgiens. In: Wolfgang Ismayr (Hrsg.): Die politischen Systeme Westeuropas. 3. Auflage. UTB, 2004, S. 389–414 (springer.com).
    13. ↑ Olivier Alsteens, Generaldirektor beim Öffentlichen Dienst Kanzlei des Premierministers: Die Monarchie in Belgien. (PDF; 4,1 MB) In: belgium.be. Föderaler Öffentlicher Dienst (FÖD), archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. Mai 2011; abgerufen am 12. August 2014.
    14. ↑ Christoph Driessen: Geschichte Belgiens. Die gespaltene Nation. Regensburg 2023, S. 9.
    15. ↑ Die Verfassung Belgiens. In: senate.be. Belgischer Senat, abgerufen am 17. April 2024 (Artikel 4 der Verfassung des Königreichs Belgien).
    16. ↑ Bruxelles, singulière et spécifique. In: lalibre.be. La Libre Belgique, 18. August 2010, abgerufen am 16. April 2022 (französisch).
    17. ↑ Warum wurde Belgien ein Föderalstaat? In: ostbelgienlive.be. Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, abgerufen am 26. Juli 2017.
    18. ↑ Parlament der DG: Grundsatzerklärung des Parlaments zur Positionierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Prozess der Staatsreform vom 27. Juni 2011 (Memento vom 13. November 2014 im Internet Archive) (PDF; 270 kB).
    19. ↑ Vgl. hierzu Karl-Heinz Lambertz im Juni 2012: Belgien, ein Land mit Zukunft? (Memento vom 9. Januar 2015 im Internet Archive) (PDF; 58 kB, S. 3): „Ein Bundesstaatsmodell mit den vier Gliedstaaten Flandern, Wallonien, Brüssel und Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens liegt in der logischen Kontinuität der bisherigen Entwicklung und entspricht ohne Zweifel den vier institutionellen Realitäten, die sich seit dem Ende des Einheitsstaates in Belgien gefestigt haben und mit denen sich eine sehr große Mehrheit der jeweiligen Bevölkerung eng verbunden fühlt.“
    20. ↑ Homepage zum Sozialen Netz in Belgien. Die klassische soziale Sicherheit in Belgien umfasst drei Systeme und sieben Zweige. Die „soziale Sicherheit“ sorgt für Ersatzeinkommen und Zusatzleistungen. „Solidarität“ ist der Zentralbegriff dieses Systems.
    21. ↑ Die belgische Küste. In: belgium.be. Föderaler Öffentlicher Dienst (FÖD), abgerufen am 7. Juni 2021.
    22. ↑ Die Geographie Belgiens. Belgischer Föderaler Öffentlicher Dienst, abgerufen am 3. Oktober 2026.
    23. ↑ De Belgische Kust. Kustportaal, abgerufen am 3. Oktober 2026 (niederländisch).
    24. ↑ Carte géologique de Wallonie. Service géologique de Wallonie, abgerufen am 3. Oktober 2026 (französisch).
    25. ↑ Met je klas naar Koksijde – De Hoge Blekker. Provinz Westflandern, abgerufen am 3. Oktober 2026 (niederländisch).
    26. ↑ Geografische beschrijving van België. Belgischer Föderaler Öffentlicher Dienst, abgerufen am 3. Oktober 2026 (niederländisch).
    27. ↑ Walter Sperling / Adolf Karger (Hrsg.): Fischer Länderkunde – Band 8: Europa, Frankfurt am Main 1989, S. 220–225.
    28. ↑ Notice explicative de la carte géologique Agimont–Beauraing. (PDF) Service public de Wallonie, abgerufen am 3. Oktober 2026 (französisch).
    29. ↑ Guide de lecture des cartes géologiques de Wallonie. (PDF) Service public de Wallonie, abgerufen am 3. Oktober 2026 (französisch).
    30. ↑ Die Geographie Belgiens. Belgischer Föderaler Öffentlicher Dienst, abgerufen am 3. Oktober 2026.
    31. ↑ Atlas climatique de la Belgique. Königliches Meteorologisches Institut von Belgien, abgerufen am 3. Oktober 2026 (französisch).
    32. ↑ Le climat de la Belgique – Paramètres. Königliches Meteorologisches Institut von Belgien, abgerufen am 3. Oktober 2026 (französisch).
    33. ↑ Atlas climatique de la Belgique. Königliches Meteorologisches Institut von Belgien, abgerufen am 3. Oktober 2026 (französisch).
    34. ↑ Urban population (% of total population). Weltbank, abgerufen am 20. Juli 2025 (englisch).
    35. 1 2 Bevölkerung gemäß dem Wohnsitz, Staatsbürgerschaft (Belgier/nicht-Belgier), Zivilstand, Alter und Geschlecht. Statbel, abgerufen am 16. Juni 2022.
    36. ↑ Belgien zählte am 1. Januar 2026 11.867.634 Einwohner. Statbel, 10. Juni 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026.
    37. ↑ Geburtenrate und Fruchtbarkeit. Statbel, 11. Juni 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026.
    38. ↑ Todesfälle im Jahr 2025 sind vergleichbar mit dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2024. Statbel, 10. Juni 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026.
    39. ↑ Geburtenrate und Fruchtbarkeit. Statbel, 11. Juni 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026.
    40. ↑ EU fertility rate at 1.34 live births per woman in 2024. Eurostat, 6. März 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026 (englisch).
    41. ↑ Lebenserwartung und Sterbetafeln. Statbel, 9. Juli 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026.
    42. ↑ Population structure indicators at national level. In: Eurostat Data Browser. Eurostat, abgerufen am 5. Oktober 2026 (englisch).
    43. ↑ Population by gender and age group in Belgium, 2016–2026. In: be.STAT. Statbel, 10. Juni 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026 (englisch).
    44. 1 2 3 Taalgebieden in België. Vlaamse overheid, abgerufen am 5. Oktober 2026 (niederländisch).
    45. 1 2 Four language areas. Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft, abgerufen am 5. Oktober 2026 (englisch).
    46. ↑ Bevölkerungsstruktur. Ostbelgien Statistik, 10. Juni 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026.
    47. 1 2 Municipalities with language facilities. (PDF) Föderaler Öffentlicher Dienst Auswärtige Angelegenheiten, Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit, abgerufen am 5. Oktober 2026 (englisch).
    48. ↑ Discrimination à l’égard des Roms et des Gens du voyage en Belgique. Unia, 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026 (französisch).
    49. 1 2 3 Diversität nach Herkunft in Belgien. Statbel, 11. Juni 2026, abgerufen am 5. Oktober 2026.
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    54. ↑ De Staat van het Nederlands 2021. (PDF) Nederlandse Taalunie, 2021, abgerufen am 5. Oktober 2026 (niederländisch).
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    63. ↑ {{Internetquelle |url=https://www.depanne.be/de/sehen-unternehmen/wandern/wanderrouten/kriegswanderung-de-panne-im-ersten-weltkrieg |titel=Auf den Spuren von König Albert I. Das deutsche Militär ging während des Vormarsches und der Besetzung mit Erschießungen, Brandstiftungen und Geiselnahmen gegen Zivilisten vor. In Dinant und mehreren anderen belgischen Städten kam es zu Massakern an der Zivilbevölkerung. Am 25. August 1914 setzten deutsche Truppen die Universitätsbibliothek Löwen in Brand; dabei wurden Tausende Bücher und Handschriften vernichtet.<ref>History of the University Library. KU Leuven, abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
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    66. ↑ Forced Labour. In: 1914–1918 Online: International Encyclopedia of the First World War. Abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
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