Erica turgida
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Erica turgida im Botanischen Garten Kirstenbosch | ||||||||||||
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| Salisb. |
Erica turgida ist eine Pflanzenart aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Sie kommt in Südafrika vor und gilt als „in der Wildnis ausgestorben“ (Extinct in the Wild, EW).
Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erica turgida ist ein aufrecht wachsender, buschiger Zwergstrauch, der eine Wuchshöhe von 30 bis 40 cm erreicht. Die Zweige sind schlank, rutenförmig und leicht behaart. Er bildet zahlreiche kleine, urnen- bis becherförmige, rosafarbene Blüten, die in Büscheln an den Enden kurzer Seitenzweige stehen. Die Blüten sind nur etwa 3 mm lang und an der Blütenöffnung leicht eingeschnürt, aus der die Staubbeutel herausragen. Die Blütezeit ist im Frühsommer von November bis Dezember.[1]
Historische Aspekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erica turgida wuchs früher in den Cape Flats rund um Rondebosch, Kenilworth und auf dem Royal Cape Golf Course im Gebiet Wynberg. Ihr Lebensraum wurde zunächst durch Landwirtschaft zerstört und durch die von Kapstadt ausgehende städtische Expansion weiter eingeschränkt. Pflanzenmaterial wurde 1967 von Elsie Esterhuizen gesammelt und in die Erica-Sammlung des Botanischen Garten Kirstenbosch aufgenommen. Die letzten bekannten Populationen dieser Art sind inzwischen aus Kenilworth verschwunden; heute gilt Erica turgida in der freien Natur als ausgestorben.[1]
Im Jahr 2001 stellte der Botaniker Anthony Hitchcock bei der Beschaffung von Material von Erica verticillata aus dem Belvederegarten in Wien fest,[2] dass dort auch ein Klon von Erica turgida erhalten war, von dem Stecklinge gewonnen werden konnten. Es wird vermutet, dass das Material möglicherweise bereits in den 1790er Jahren von den Botanikern Franz Boos und Georg Scholl gesammelt wurde.[1]
Verbreitung und Lebensraum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der natürliche Lebensraum von Erica turgida ist saurer Fynbos auf Sandböden mit jahreszeitlich schwankender Bodenfeuchtigkeit. Die Art kam in tiefer gelegenen Bereichen mit hohem Grundwasserspiegel vor, die während des Winters durch eine höhere Bodenfeuchtigkeit geprägt sind. Die Sommermonate sind dagegen heiß, trocken und windreich. Die Böden weisen einen pH-Wert von etwa 4 bis 6 auf.[1]
Die klimatischen Bedingungen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes sind durch nächtliche Tiefsttemperaturen von durchschnittlich 4 bis 8 °C gekennzeichnet, die gelegentlich bis auf 0 °C absinken können; leichte Fröste treten vereinzelt auf. Während des Hochsommers können die Höchsttemperaturen an einzelnen Tagen Werte im mittleren bis oberen 30-°C-Bereich erreichen. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Winter bei etwa 8 bis 20 °C und im Sommer bei etwa 12 bis 26 °C.[1]
Die ursprüngliche Begleitvegetation bestand vermutlich aus niedrigem, strauchigem Bewuchs mit dominierenden Restios (Restionaceae). Durch regelmäßig auftretende Brände wurde die ältere Vegetation zurückgedrängt. Anschließend erfolgte eine natürliche Sukzession, bei der zunächst schnellwachsende Stauden, Gräser und Geophyten auftraten, bevor sich wieder langlebige verholzende Pflanzen wie Erica-Arten etablierten.[1]
Ökologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erica turgida ist eine sich selbst aussäende Art und daher auf regelmäßige Brände angewiesen, um die Vegetation zu lichten und neuen Pflanzen die Wiederbesiedlung des Lebensraums zu ermöglichen.[1]
Gefährdung und Schutz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erica turgida ist nicht in der Roten Liste der IUCN erfasst. In der Liste gefährdeter Pflanzen des South African National Biodiversity Institute (SANBI) wird die Art jedoch als in der Natur ausgestorben (Extinct in the Wild, EW) geführt.[1]
In-situ-Erhaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Wiederansiedlung von Erica turgida werden Maßnahmen für geschützte Naturflächen innerhalb des Kenilworth Race Course entwickelt. Bereits vermehrte Pflanzen sollen an geeigneten Standorten wieder ausgepflanzt werden. Ein gezieltes Management der Flächen gilt als entscheidender Faktor für den Erhalt stabiler Bestände. Die Naturschutzbehörden arbeiten dabei mit botanischen Artenschutzexperten sowie Fachleuten des Botanischen Gartens Kirstenbosch zusammen, um die Erfolgsaussichten der Wiederansiedlung zu verbessern.[1]
Ex-situ-Erhaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Erhaltung der Art werden Pflanzen von Erica turgida regelmäßig vermehrt und für Auspflanzungen im Botanischen Garten kultiviert. Darüber hinaus werden Exemplare in Töpfen als Teil der Sammlung seltener Pflanzen in den Baumschulen erhalten. Pflanzenmaterial wurde außerdem an spezialisierte Gärtnereien für Erikengewächse weitergegeben.[1]
Zusätzlich werden Samen gesammelt und für die langfristige Erhaltung in der Millennium Seed Bank eingelagert.[2] Die Sammlung dient als genetische Reserve und soll einen Verlust der Art infolge eines möglichen Aussterbens verhindern.[1]
Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erica turgida gilt bei geeigneten Standortbedingungen als vergleichsweise einfach zu kultivierende Art. Die Pflanzen sind jedoch kurzlebig und erreichen meist ein Alter von etwa acht bis zehn Jahren, bevor sie verholzen oder absterben.[1]
Im Botanischen Garten Kirstenbosch wurde Erica turgida auch in Kulturbeständen gehalten. Eine dichte Bepflanzung kann jedoch die Ausbreitung von Falschem Mehltau begünstigen. Daher wird ein ausreichender Abstand zwischen den Pflanzen empfohlen, um eine bessere Luftzirkulation zu gewährleisten und die Feuchtigkeit auf den Blättern nach Niederschlägen oder Bewässerung schneller abtrocknen zu lassen.[1]
Die Umweltbedingungen in Kirstenbosch unterscheiden sich trotz der räumlichen Nähe vom ursprünglichen Lebensraum der Art. Die höheren Niederschlagsmengen von durchschnittlich etwa 1400 mm pro Jahr sowie der Schutz vor den vorherrschenden Sommerwinden können dort das Auftreten von Falschem Mehltau begünstigen.[1]
Ein Befall kann durch frühzeitige Behandlung mit geeigneten Fungiziden eingedämmt werden. Außerdem lässt sich das Risiko verringern, indem die Pflanzen bevorzugt am Vormittag bewässert werden, da länger feuchtes Laub während der warmen Jahreszeit die Entwicklung der Krankheit begünstigt.[1]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Anthony Hitchcock: Erica turgida. In: PlantZAfrica. South African National Biodiversity Institute, Dezember 2003, abgerufen am 9. August 2026 (englisch).
- 1 2 Anthony Hitchcock, Jenny Williams, Carly Cowell: Lessons learned as Erica turgida is returned. In: Journal for Nature Conservation. Band 56, August 2020, S. 125858, doi:10.1016/j.jnc.2020.125858.