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Hermann Asemissen

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Grab auf dem Friedhof Zehlendorf I

Hermann Egbert Karl Asemissen (* 23. November 1889 in Libau; † 28. März 1965 in Berlin-Zehlendorf[1]) war ein deutscher Übersetzer. Er zeichnete vor allem für die Übersetzung der Gesammelten Werke Leo Tolstois verantwortlich, die von 1952 bis 1962 in zwanzig Bänden im Verlag Rütten & Loening erschien.

Asemissen war der Sohn von Hermann Friedrich Asemissen, der aus dem westfälischen Neuenheerse in das zaristische Baltikum ausgewandert war und dort eine Gärtnerei besaß. Asemissens Mutter Klara Kuhn[2] stammte aus dem Memelland.

Asemissen absolvierte eine kaufmännische Lehre in Hannover und übernahm 1913 die Leitung einer Filiale der Maggi-Gesellschaft in Moskau. 1914 heiratete er in Moskau[3] Anna Blumenfeld (1891–1984).[2] Während des Ersten Weltkriegs wurde er mit seiner Familie in Sibirien interniert, dort wurde 1915 Sohn Harald geboren[2]. Die Familie kam aber 1918 über Moskau nach Deutschland. Asemissen war fortan in Berlin für die Maggi-Gesellschaft tätig. 1920 wurde der Sohn Hermann Ulrich Asemissen geboren.[2] Sohn Harald starb im 2. Weltkrieg in Wertjatschij am Don.[2]

Nachdem Asemissen in den Ruhestand getreten war, widmete er sich der Übersetzung klassischer russischer Literatur des 19. Jahrhunderts. Asemissen lebte zwar im West-Berliner Stadtteil Zehlendorf, seine Übersetzungen erschienen jedoch ausschließlich bei Verlagen der DDR wie Neues Leben, Rütten & Loening, Kultur und Fortschritt. Insbesondere seine Übersetzungen Leo Tolstois wurden vom Verlag Rütten & Loening dafür geschätzt, dass sie dem „Ungeschliffene[n]“ des Stils Tolstois gerechter würden als frühere Übersetzungen, „ohne grob ungeschliffen zu erscheinen“.[4] Deshalb wurde Asemissen für das Projekt der Ausgabe der gesammelten Werke Tolstois – aus Zeitgründen wurde Krieg und Frieden ausgenommen – als Übersetzer eingesetzt. Der Slawist Rolf Fieguth schätzt Asemissen als einen „unübertroffenen Meister der von allen unnötigen ‚russischen‘ Tonfällen freien Orientierung“.[5]

Hermann Asemissen starb im Alter von 75 Jahren und wurde auf dem Berliner Friedhof Zehlendorf beigesetzt.

  • Rustam Agischew: Der unheimliche Schamane. Erzählung. Verl. Kultur u. Fortschritt, Berlin 1950.
  • Wachtang Ananjan: Am Ufer des Sewan. Verlag Neues Leben Berlin, 1950
  • Aleksandr I. Kuprin: Der Moloch. Rütten & Loening, Berlin 1954.
  • Ivan Michajlovič Majskij: Vor dem Sturm. Erinnerungen an Kindheit und Jugendjahre. Verl. Kultur u. Fortschritt, Berlin 1950.
  • Ivan Michajlovič Majskij: Vor dem Sturm. Erinnerungen an Kindheit und Jugendjahre. Verl. Kultur und Fortschritt, Berlin 1950.
  • Jakov Isidorovič Perelʹman: Ein Frühstück mit Denkaufgaben. Kinderbuchverl., Berlin, Dresden 1950.
  • Jakov Isidorovič Perelʹman: Denkaufgaben mit Zahlenriesen. Kinderbuchverl., Berlin, Dresden 1950.
  • Lev Nikolaevič Tolstoj: Kindheit. Rütten & Loening, Berlin 1952.
  • Irina V. Karnauchova: Spätzchen und ihre Freunde. Verl. Neues Leben, Berlin 1951.
  • Mirzä Ibraẖimov: Die Zeit wird kommen. Roman. Verl. Kultur u. Fortschritt, Berlin 1952.
  • N. Pospelov: Geschichte der russischen Literatur. Verl. Kultur und Fortschritt, Berlin 1952–1954.
  • L. I. Timofejew et al.: Geschichte der Sowjetliteratur. Kultur und Fortschritt, Berlin 1953.
  • Vladimir Galaktionovič Korolenko: Die Geschichte meines Zeitgenossen. Rütten & Loening, Berlin 1953.
  • Rachim Džalil: Schüsse in Chodshent. Roman. Verl. Kultur u. Fortschritt, Berlin 1954.
  • Lev Nikolaevič Tolstoj, Wieland Herzfelde und Hermann Asemissen (Hrsg.): Anna Karenina. Rütten & Loening, Berlin 1956.
  • Aleksandr Bek: Höher und höher. Roman. Verl. Kultur u. Fortschritt, Berlin 1958.
  • Lev Nikolaevič Tolstoj: Die Kosaken und andere Erzählungen. Rütten & Loening, Berlin 1957.
  • Lev Nikolaevič Tolstoj: Volkserzählungen. Rütten & Loening, Berlin 1960.
  • Lev Nikolaevič Tolstoj: Die Kreutzersonate und andere Erzählungen. Rütten & Loening, Berlin 1961.
  • Lev Nikolaevič Tolstoj: Hadschi Murat und andere Erzählungen. Rütten & Loening, Berlin 1962.
  • Michail M. Prišvin: Michail Prischwin. 1963.
  • Michail Michajlovič Prišvin: Der versunkene Weg. Roman. Verl. Kultur u. Fortschritt, Berlin 1960.
  • F.M.Dostojewskij: DIE ERNIEDRIGTEN UND BELEIDIGTEN Roman, DEUTSCHE BUCHGEMEINSCHAFT 1965
  • Aleksey Tashinskiy: Eine Verflechtungsgeschichte zwischen Ideologie und Idiosynkrasie. Gesammelte Werke in Einzelausgaben von Lev Tolstoj im DDR-Verlag Rütten & Loening 1952–1962. In: Aleksey Tashinskiy, Julija Boguna und Andreas F. Kelletat (Hrsg.). Übersetzer und Übersetzen in der DDR. Translationshistorische Studien. Frank & Timme, Berlin 2020, ISBN 978-3-7329-0698-7 (Transkulturalität – Translation – Transfer), S. 17–58.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Sterberegister Standesamt Berlin-Zehlendorf, Nr. 931/1965
  2. 1 2 3 4 5 Roland Linde: Der Amtsmeierhof Asemissen und das Amt Barkausen : Eine Hof- und Familiengeschichte aus dem Lippisch Ravensbergischen Grenzgebiet. Norderstedt 2002, ISBN 978-3-8311-3666-7, S. 257–260 (372 S.).
  3. ↑ Sterbeeintrag Standesamt Berlin-Zehlendorf, Nr. 931/1965
  4. ↑ Aleksey Tashinskiy: Eine Verflechtungsgeschichte zwischen Ideologie und Idiosynkrasie. Gesammelte Werke in Einzelausgaben von Lev Tolstoj im DDR-Verlag Rütten & Loening 1952–1962. In: Alekse Tashinskiy, Julija Boguna und Andreas F. Kelletat (Hrsg.). Übersetzer und Übersetzen in der DDR. Translationshistorische Studien. Frank & Timme, Berlin 2020, ISBN 978-3-7329-0698-7 (Transkulturalität – Translation – Transfer), S. 17–58, hier S. 41.
  5. ↑ Rolf Fieguth: Gombrowicz mit deutscher Fresse. Zweiter Versuch. In: Andreas Lawaty und Marek Zybura (Hrsg.). Gombrowicz in Europa. Deutsch-polnische Versuche einer kulturellen Verortung. Harrassowitz, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-447-05368-6 (Veröffentlichungen des Nordost-Instituts. 2), S. 116–130, hier S. 127.