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The Incredible String Band

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The Incredible String Band
The Incredible String Band (1970)

The Incredible String Band (1970)

Allgemeine Informationen
Herkunft Glasgow, Schottland
Genre(s) Folk
Aktive Jahre
Gründung 1965, 1997
Auflösung 1974, 2006
Website
Gründungsmitglieder
Robin Williamson
Gesang, Gitarre, Sitar, Orgel
Mike Heron
Gesang, Banjo, Gitarre
Clive Palmer (bis 1966)
Letzte Besetzung
Gesang, Gitarre, Mandoline, Schlagzeug, Percussion
Robin Williamson
Gesang, Gitarre, Sitar, Orgel
Mike Heron
Gesang
Malcolm Le Maistre
Ehemalige Mitglieder
Gesang, Banjo, Gitarre
Clive Palmer (bis 1966)
Gesang, Schlagzeug
Licorice McKechnie (1968–1971)
Gesang, Bass, Violine
Rose Simpson (1968–1971)
Klarinette, Gitarre
Gerard Dott (1973)
Graham Forbes (ab 1973)
Bass
Stanley Lee (ab 1973)
Schlagzeug
Jack Ingram (ab 1973)

The Incredible String Band, kurz ISB, war eine schottische Folkmusik-Band aus Glasgow.

Die Gruppe ging aus einem Duo von Robin Williamson und Clive Palmer hervor. Gegen Ende 1965 kam Mike Heron als drittes Mitglied hinzu, der sowohl Lieder beisteuerte als auch mehrere Instrumente spielte. Alle drei waren damals junge schottische Folkmusiker. Das Repertoire des Trios bestand zunächst vor allem aus traditionellen Folksongs und Stücken aus dem Umfeld der Jug-Bands, bis Juni 1966 hatte es genug eigenes Material für die erste Platte bei Elektra Records beisammen. Kurz nach deren Erscheinen verließen zwei Mitglieder Schottland, Williamson ging nach Marokko und Palmer nach Afghanistan. Nach Williamsons Rückkehr traten er und Heron wieder als Duo auf und gaben im November 1966 gemeinsam mit Judy Collins und Tom Paxton in der Londoner Royal Albert Hall ihren ersten Auftritt außerhalb Schottlands. Palmer gehörte der Gruppe von da an nicht mehr an und gründete später Clive’s Original Band und The Famous Jug Band.[1]

Ihre ersten Auftritte hatten sie im Glasgower Incredible Folk Club, dessen Besitzer Clive Palmer war. Hiervon rührte ein Teil ihres Bandnamens und ein Gutteil ihrer musikalischen Tradition: Die Folk-Bewegung auf den britischen Inseln erlebte zu diesem Zeitpunkt einen Höhepunkt. So lässt sich denn auch ihr (noch karg instrumentiertes) Debütalbum The Incredible String Band in die britische Folkmusik der 1960er Jahre einordnen. Sie bekamen beim damaligen amerikanischen Folklabel Elektra Records einen Plattenvertrag. Joe Boyd wurde ihr Manager und Produzent und blieb es für die nächsten Alben.[2]

Ab ihrer zweiten Platte vermengten Heron und Williamson bis dahin nie verbundene Musikstile miteinander: Englische Folkmusik stieß auf indische Melodien, afrikanische Klänge vermischten sich mit traditionellem Blues. Obendrein begleiteten sie ihre teils ohnehin schwer verständlichen Texte oft mit ungewohnter Instrumentierung und Stilbrüchen; nicht immer zum Wohlgefallen der Folk-Anhänger jener Zeit. Hintergrundsängerinnen und Mitspieler waren ab 1968 Christina „Licorice“ McKechnie und Rose Simpson: McKechnie mit Gesang und Schlagzeug, Simpson mit Gesang, Bass und Violine. Beide waren zu dieser Zeit die Partnerinnen der beiden Hauptmusiker der Gruppe, Simpson die von Heron und McKechnie die von Williamson. Auf Changing Horses stellten die beiden Musiker sie 1969 als vollwertige Bandmitglieder vor.[2]

Zu dieser Zeit hatte die amerikanische Flower-Power-Bewegung Europa erreicht. Davon konnte die ISB stark profitieren, und so veröffentlichte sie einige Alben mit fantasievollen, mystischen Geschichten, untermalt von Klangaufschichtungen exotischer Instrumente und oft kindhaften (Heron) oder drogenbeeinflussten (Williamson) Gesängen.

Als Höhepunkt und Meisterwerk dieses Stils gilt die 1968 erschienene LP The Hangman’s Beautiful Daughter mit extravaganten Titeln wie Koeeoaddi There oder Waltz of the New Moon. 1969 nahm die Band am Woodstock-Festival teil, wurde aber weitgehend ignoriert. Im selben Jahr trat sie mehrfach im New Yorker Fillmore East auf, ihr Konzert am 4. September 1969 war dort bereits ihr fünftes. Zu den Instrumenten, die sie damals einsetzte, zählten neben Gitarre, Mandoline, Violine, Banjo, Mundharmonika, Orgel und Harfe auch Sitar, Oud, Tamboura, Gimbri, Pennywhistle, Fingerzimbeln und Dulcimer.[1]

Ebenfalls 1969 kamen die Mitglieder der Gruppe über einen Bekannten ihres Managers und Produzenten Joe Boyd mit der Scientology in Berührung und traten der Organisation bei. Sie verzichteten fortan auf Drogen und Alkohol, wirkten nach Boyds Eindruck umgänglicher und arbeiteten effizienter. Die neue Sicht auf sich und die Welt sollte das Projekt U vermitteln.[2] Heron schilderte den Weg dorthin später als Ergebnis eigener Suche. Nach Versuchen mit Theosophie, Astrologie und Meditation sei die Scientology für ihn persönlich die Methode gewesen, die am wirkungsvollsten gewirkt habe, und erst sie habe den Anlass gebildet, mit Drogen aufzuhören. Auf die Musik habe sich das mittelbar ausgewirkt, weil die Gruppe ihre frühere Verschlossenheit abgelegt habe. Solange viel konsumiert worden sei, habe die Verständigung mit dem Publikum schlecht funktioniert, die frühen Platten hätten sich dem Hörer nicht von selbst erschlossen.[3]

Ihre Rockpantomime U, 1970 entstanden, wurde mit Gastmusikern und -schauspielern auf Tourneen in Amerika und Europa aufgeführt.

Mit Liquid Acrobat as Regards the Air gelang der Gruppe im Herbst 1971 zum letzten Mal eine Platzierung in den britischen und amerikanischen Charts. Auf diesem Album rückten erstmals elektrische Instrumente wie E-Gitarre und E-Piano in den Vordergrund.[2]

Ab 1971 veröffentlichten Heron und Williamson jeweils Soloalben. Rose Simpson stieg um 1971 aus. Licorice McKechnie verließ die Band vor deren letzter US-Tournee zunächst nur vorübergehend, kehrte nach der Rückkehr der Gruppe aber nicht zurück.[3] Malcolm Le Maistre kam als Sänger hinzu. 1973 gehörte auch der Klarinettist und Gitarrist Gerard Dott zur Besetzung. Nach einer Meldung der Musikzeitschrift Sounds verließ er die Gruppe noch im selben Jahr wieder. Danach bestand sie aus Williamson, Heron, Le Maistre, Graham Forbes, Stanley Lee (Bass) und Jack Ingram (Schlagzeug).[4]

Mit dem Album No Ruinous Feud, das Heron nach anhaltender Kritik an der Produktion des Vorgängers Earthspan erstmals allein produzierte, vollzog die Gruppe einen deutlichen Stilwandel. An die Stelle der exotischen Instrumente, der keltischen Gewänder und der symbolschweren Texte traten einfache, rhythmisch betonte Stücke, Tanzmusik der 1920er und 1930er Jahre sowie Lieder mit Streicher- und Bläserarrangements. Auf der Bühne stand erstmals ein Schlagzeug. Heron begründete die Wendung damit, die Band wolle nun ein breites Publikum erreichen und von ihm lernen, während sie früher auf der Bühne gestanden habe, ohne sich darum zu kümmern, ob die Zuhörer sie verstanden.[3]

Der frühere Erfolg der Band, der stark an die Hippiebewegung geknüpft war, stellte sich im gewandelten Gesellschaftsklima der 1970er Jahre nicht mehr ein, so dass sich die Truppe nach einigen wenig erfolgreichen Alben 1974 auflöste.

Williamson ging in die USA, um dort weiter dem Musikgeschäft nachzugehen, Heron blieb in Schottland und veröffentlichte einige Platten. Simpson, die ursprünglich nach Los Angeles hatte gehen und Toningenieurin werden wollen, lebte 1973 in Wales[3] und wurde dort 1994 Bürgermeisterin von Aberystwyth, der Verbleib von McKechnie ist unbekannt.

1997 gab es eine Wiedervereinigung für zwei Konzerte zusammen mit Robins Frau Bina Williamson und Lawson Dando sowie ab 1999 vereinzelte Konzerte mit Clive Palmer. Das Konzert vom 17. und 18. August 2000 im Bloomsbury Theatre London wurde teilweise auf CD veröffentlicht. Clive Palmer starb im November 2014 im Alter von 71 Jahren.[5]

Stil und Rezeption

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Das Rockmagazin eclipsed bezeichnete die Gruppe rückblickend als das beste britische Beispiel für Acid Folk. Ihr Debütalbum sei noch im traditionellen britischen Folk verwurzelt gewesen, mit The 5000 Spirits or the Layers of the Onion sei die Musik ins „LSD-Folkhaftige“ gegangen, und auf The Hangman’s Beautiful Daughter beherrschten surreale, bizarre und „andersweltige“ Stimmungen das Geschehen. An die „leicht neben der Spur liegenden“ Gesangsstimmen müssten sich manche Hörer erst gewöhnen.[6]

In einem Überblick zur Geschichte des Folkprog nannte das Magazin The 5000 Spirits or the Layers of the Onion von 1967 eines der ersten Alben dieses Genres, wobei sich dessen Geburtsjahr nur schwer bestimmen lasse. Die Incredible String Band zählt dort zusammen mit Fairport Convention, Lindisfarne, Magna Carta, Pentangle, Spirogyra und Steeleye Span zu den Gruppen der progressiven Folkszene, die gemeinhin nicht als Folkprog gelten, das Genre aber befruchteten.[7]

Das Spätwerk beurteilte dieselbe Zeitschrift ungünstiger. Bei No Ruinous Feud sei die Gruppe „völlig von der Rolle“ gewesen. Nach McKechnies Ausstieg sei der letzte Rest Magie verschwunden, den Liedern fehle es an Spannung, und stilistisch herrsche zwischen Folkrock, Bluegrass, Pubrock, Bossa Nova und Country Planlosigkeit.[2]

Alben

  • 1966: The Incredible String Band (Elektra Records) mit Clive Palmer
  • 1967: 5000 Spirits or the Layers of the Onion (Elektra Records)
  • 1968: The Hangman’s Beautiful Daughter (Elektra Records)
  • 1968: Wee Tam (WEA International Inc)
  • 1968: The Big Huge (WEA International Inc)
  • 1968: Wee Tam & The Big Huge (Elektra Records)
  • 1969: Changing Horses (Elektra Records)
  • 1970: I Looked Up (Elektra Records)
  • 1970: U (Elektra Records)
  • 1970: Be Glad for the Song Has No Ending (Island)
  • 1971: Liquid Acrobat as Regards the Air (Island)
  • 1971: Relics of the ISB (Elektra Records)
  • 1972: Earthspan (Island)
  • 1973: No Ruinous Feud (Island)
  • 1974: Hard Rope & Silken Twine (Island)
  • 1976: Seasons They Change (Island)
  • 1997: The Chelsea Sessions 1967 (Mooncrest)
  • 1997: Live in Concert (BBC Radio 1 1971/72) (Strange Fruit)
  • 1997: On Air (BBC Recordings 1970) (Strange Fruit)
  • 1998: Bloomsbury 1997 (Pig’s Whisker Music)
  • 1998: First Girl I Loved (Mooncrest)
  • 2001: Bloomsbury 2000 (Pig’s Whisker Musik)
  • 2004: Everything’s Fine (Secret Records Ltd)
  • 2005: Nebulous Nearnesses (Quadrant Records)
  • 2005: The Circle Is Unbroken: Live and Studio 1967-1972 (Castle Music)
  • 2007: Across the Airwaves (BBC Broadcast Recordings 1969–1974) (Hux)
  • 2008: Tricks of the Senses (Hux)
  • 2011: Live at the Fillmore 1968 (Hux)
  • Siegfried Schmidt-Joos, Barry Graves: Rock Lexikon. Reinbek 1973
  • Christian Graf, Burghard Rausch: Rockmusik Lexikon. Frankfurt 1996
  • Jonathan Buckley, Mark Ellingham: Rock Rough Guide. Stuttgart/Weimar 1998

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Incredible String Band. In: Bill Graham Presents in New York: Fillmore East. Band I, Nr. 40. Fillmore East Co., New York 1969, S. 11 (englisch, Programmheft zum Auftritt am 4. September 1969).
  2. 1 2 3 4 5 Matthias Bergert, Michael Fuchs-Gamböck, Steven Thomsen: Schnabelschuhe, Schellenkränze und Schalmeien. The Incredible String Band. In: eclipsed. Archiv-Heft Einkaufszettel. 2023, S. 156–157 (Erstveröffentlichung in eclipsed Nr. 212, Sommer 2019).
  3. 1 2 3 4 Bernd Gockel: Acht Jahre dabei. In: Sounds. Nr. 7, Juli 1973, S. 12–16 (Gespräch mit Mike Heron).
  4. ↑ News. In: Sounds. Nr. 11, November 1973, S. 8.
  5. ↑ Nachruf in The Wire
  6. ↑ Alan Tepper: BGO – Qualität und Quantität. In: eclipsed. Nr. 178, März 2016, S. 91 (Rubrik „News From The Past“).
  7. ↑ Matthias Bergert: Let Me Bring You Songs From The Wood. Die Geschichte des Folkprog, Teil II. In: eclipsed. Nr. 192, Juli 2017, S. 60–61.