Ute Walther
Ute Walther (* 23. Juni 1942 in Jena; † 6. Juni 2026[1]) war eine deutsche Opernsängerin (Mezzosopran).
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ute Walther stammte aus einer musikalischen Familie. Ihre Mutter war Sängerin, ihr Vater Dirigent.[2] Sie studierte Gesang an der Musikhochschule Berlin bei Alois Orth und Adelheid Müller-Hess. Ihre Bühnenkarriere begann sie 1968 am Staatstheater Schwerin, wo sie als Octavian in Der Rosenkavalier debütierte.[2] 1974 wechselte sie an das Volkstheater Rostock, dem sie bis 1980 angehörte.[2]
1980 wurde sie an die Staatsoper Dresden verpflichtet.[2] Im Juni 1982 war sie dort in der B-Premiere der Oper Ariadne auf Naxos in der Rolle des Komponisten zu hören.[3] In der Spielzeit 1982/83 war sie an der Staatsoper Dresden als Ortrud in einer Lohengrin-Neuinszenierung von Christine Mielitz besetzt.[4] Im Februar 1985 sang sie in Dresden anlässlich der Wiedereröffnung der Semper-Oper den Octavian.[5] Im Dezember 1985 übernahm sie an der Staatsoper Dresden die Magdalene in einer Neuinszenierung der Wagner-Oper Die Meistersinger von Nürnberg unter der musikalischen Leitung von Siegfried Kurz.[6] Wenige Tage nach der Dresdner Meistersinger-Premiere verließ sie die DDR und setzte ihre Karriere im Westen fort.
Im April 1985 hatte Walther, ebenfalls als Octavian, bereits an der Wiener Staatsoper debütiert, wo sie bis 1990 u. a. als Komponist in Ariadne auf Naxos, als Fricka in Die Walküre und als Prinz Orlofsky in der Operette Die Fledermaus zu hören war.[7][8] Im März 1986 nahm sie auch an einer Japan-Tournee der Wiener Staatsoper teil.
Von 1986 bis zu ihrem Bühnenabschied im Jahre 2007 war Ute Walther Mitglied der Deutschen Oper Berlin (DOB).[1] Sie trat an der DOB in über 600 Vorstellungen auf, in Opern von Wolfgang Amadeus Mozart bis Aribert Reimann.[1] Ihr Hausdebüt gab sie als Komponist in Ariadne auf Naxos.[1] Sie sang an der DOB u. a. Carmen, Cherubino, Dorabella, Prinzessin Eboli, Octavian sowie die Wagner-Rollen Fricka und Waltraute im Ring-Zyklus, Brangäne, Ortrud und Magdalene.[1][2] Die Rolle der Amneris in Aida sang sie an der Deutschen Oper Berlin in insgesamt 65 Vorstellungen.[1] Mit dem DOB-Ensemble trat sie 1987 bei einer Japan-Tournee als Fricka und Waltraute im Ring-Zyklus auf. Im September 1992 wirkte sie an der DOB in der Uraufführung der Oper Das Schloss von Aribert Reimann in der Partie der Olga mit.[9]. 1997–98 übernahm sie an der Deutschen Oper Berlin wieder die Fricka im Ring-Zyklus. 2000 sang sie an der Deutschen Oper Berlin die Brangäne in Tristan und Isolde an der Seite von René Kollo und Gabriele Schnaut. Im späteren Verlauf ihrer Karriere wechselte Walther in das Charakterfach und übernahm Partien wie die Knusperhexe in Hänsel und Gretel, die Kabanicha in Katja Kabanowa und die Herodias in Salome.[1] 2001 war sie an der Deutschen Oper Berlin als Kurfürstin in der Oper Der Prinz von Homburg von Hans Werner Henze zu hören. In der Spielzeit 2005/06 sang sie an der DOB die Rolle der alten Madelon in einer Neuinszenierung der Oper Andrea Chénier.[10] Im Dezember 2007 hatte Walther mit der Rolle der Knusperhexe in Hänsel und Gretel ihren letzten Auftritt an der Deutschen Oper Berlin.[11]
Ute Walther gastierte am Bolschoi-Theater in Moskau, beim Edinburgh Festival (1982 als Komponist in Ariadne auf Naxos im Rahmen eines Gastspiels der Dresdner Staatsoper) sowie in Madrid und Lissabon. In der Spielzeit 1983/84 gastierte sie mehrfach an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.[12] 1989 gastierte sie am Opernhaus Warschau als Fricka und als Waltraute im Ring-Zyklus. 1990 sang sie an der Oper Köln die Brangäne in Tristan und Isolde. 1997 trat sie an der Komischen Oper Berlin als Hexe Ježibaba in Rusalka (Regie: Christine Mielitz) auf.[13]
Ute Walther trat auch als Konzertsängerin hervor. Sie galt als „große“ Bach-Interpretin.[2]
Nach ihrem offiziellen Rückzug vom Künstlerleben kehrte Ute Walther im Sommer 2016 noch einmal auf die Bühne zurück. Im Renaissance-Theater in Berlin spielte sie an der Seite von Karan Armstrong, René Kollo und Victor von Halem in Quartetto, einem Theaterstück über vier ältere Opernsänger von Ronald Harwood.[14]
Ute Walthers Stimme ist u. a. auf Schallplatten der Marken Denon (Rosenkavalier-Mitschnitt 1985, 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven), HMV-Electrola (Die Walküre), Wergo (Das Schloss von Aribert Reimann) und Capriccio (9. Sinfonie von Beethoven unter der musikalischen Leitung von Herbert Kegel) dokumentiert.
Ute Walther starb im Juni 2026 nach „langer, schwerer Krankheit“ im Alter von 83 Jahren.[1]
Rollenrepertoire (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bizet: Titelrolle in Carmen
- Dvořák: Ježibaba in Rusalka
- Giordano: Madelon in Andrea Chénier
- Gounod: Marthe in Faust
- Humperdinck: Hänsel und Knusperhexe in Hänsel und Gretel
- Janáček: Kabanicha in Katja Kabanowa
- Janáček: Försterin und Eule in Das schlaue Füchslein
- Mozart: Cherubino in Le nozze di Figaro
- Mozart: Dorabella in Così fan tutte
- Mozart: Zweite Dame in Die Zauberflöte
- Mussorgski: Schenkwirtin und Amme in Boris Godunow
- Nicolai: Frau Reich in Die lustigen Weiber von Windsor
- Offenbach: La voix de la mère („Stimme der Mutter“) in Les contes d’Hoffmann
- Poulenc: Mère Jeanne und Sœur Mathilde in Dialogues des Carmélites
- Puccini: Frugola („Frettchen“) in Der Mantel
- Puccini: La Badessa in Suor Angelica
- Puccini: Zita in Gianni Schicchi
- Johann Strauß: Prinz Orlofsky in Die Fledermaus
- Richard Strauss: Herodias in Salome
- Richard Strauss: Octavian in Der Rosenkavalier
- Richard Strauss: Komponist in Ariadne auf Naxos
- Richard Strauss: Adelaide in Arabella
- Tschaikowski: Larina in Eugen Onegin
- Tschaikowski: Johanna in Die Jungfrau von Orléans
- Verdi: Maddalena in Rigoletto
- Verdi: Prinzessin Eboli in Don Carlo
- Verdi: Amneris in Aida
- Verdi: Meg Page in Falstaff
- Wagner: Mary in Der fliegende Holländer
- Wagner: Ortrud in Lohengrin
- Wagner: Brangäne in Tristan und Isolde
- Wagner: Magdalene in Die Meistersinger von Nürnberg
- Wagner: Fricka und Waltraute in Der Ring des Nibelungen
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Band 7: Suvanny–Zysset. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. München 2003, ISBN 3-598-11598-9, S. 4965/66.
- Wilhelm Kosch (Hrsg.): Deutsches Theater-Lexikon. Band VII: Wolbring–Zysset. De Gruyter, Berlin [u. a.]. 2011, ISBN 978-3-908255-52-9, S. 2980.
- Wilhelm Kosch (Hrsg.): Deutsches Theater-Lexikon. Nachtragsband 8: V–Z. De Gruyter, Berlin [u. a.] 2019, ISBN 978-3-11-063207-1, S. 118.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Werke von und über Ute Walther im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ute Walther bei Operissimo auf der Basis des Großen Sängerlexikons
- Ute Walther bei Operabase (Engagements und Termine)
- Ute Walther bei Discogs
- Ute Walthers Auftritte an der Wiener Staatsoper
- Ute Walther bei IMDb
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 Die Deutsche Oper Berlin trauert um Kammersängerin Ute Walther. Nachruf. Offizielle Internetpräsenz der Deutschen Oper Berlin. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- 1 2 3 4 5 6 Ute WALTHER wird 75. Vita. In: Online Merker. Ausgabe Juni 2020.
- ↑ Strauss: Ariadne auf Naxos (1982 ff). Besetzungslisten der Staatsoper Dresden. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ Wagner: Lohengrin (1983 ff). Besetzungslisten der Staatsoper Dresden. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ Strauss: Der Rosenkavalier (1985 ff). Besetzungslisten der Staatsoper Dresden. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg (1985 ff). Besetzungslisten der Staatsoper Dresden. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ Der Rosenkavalier. Besetzungsliste der Wiener Staatsoper vom 23. April 1985. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ Ute Walthers Auftritte an der Wiener Staatsoper
- ↑ Andre Sokolowski: Kafka lesen im Schnee. Aufführungskritik zur Wiederaufnahme vom 16. Mai 2005. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ Andrea Chenier. Aufführungskritik und Besetzungsliste. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ Hänsel und Gretel. Besetzung vom 27. Dezember 2007. Abgerufen am 10. Juni 2026.
- ↑ Staatsoper Berlin – Spielzeit 1983/84. Besetzungslisten der Staatsoper Berlin. Abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ Geerd Heinsen: Die Nackte und die Roten. Aufführungskritik. In: Orpheus – das MusikTheatermagazin. Ausgabe März 1997. Seite 14/15.
- ↑ Quartetto - Ronald Harwoods Komödie über alternde Künstler am Berliner Renaissance-Theater von Torsten Fischer inszeniert. Aufführungskritik bei Nachtkritik.de. Abgerufen am 9. Juni 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Walther, Ute |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Opernsängerin (Mezzosopran) |
| GEBURTSDATUM | 23. Juni 1942 |
| GEBURTSORT | Jena |
| STERBEDATUM | 6. Juni 2026 |
| STERBEORT | unsicher: Berlin |