Julius Cäsar Maskottchen

Genitiv

Der Genitiv ist einer der sechs Fälle (Kasus) im Lateinischen. Während es den Genitiv auch im Deutschen gibt, spielt er dort eine weniger wichtige Rolle als im Lateinischen. Grundsätzlich bezeichnet der Genitiv eine Zugehörigkeit und wird auch als Wesfall bezeichnet, weil er angibt, wessen etwas ist.

Im Lateinischen hat der Genitiv eine Vielzahl von Funktionen, die über die bloße Angabe des Besitzers hinausgehen. Man erkennt ihn an bestimmten Endungen, die je nach Deklinationsklasse anders aussehen.

Die Formen des Genitivs

Endungen des Genitivs

In der folgenden Tabelle sind die Genitiv-Endungen im Überblick zusammengestellt:

DeklinationGenitiv SingularGenitiv Plural
a-Deklination (1.)-ae-ārum
o-Deklination (2.)-ōrum
3. Deklination-is-um / (-ium)
u-Deklination (4.)-ūs-uum
e-Deklination (5.)-ēī-ērum
Beachte, dass bei der 3. Deklination die Endung -um überwiegt, aber manche Wörter auch -ium haben (z.B. civis -> civium).

Beispiele für Genitivformen

Hier noch ein paar konkrete Beispiele für die Genitivformen verschiedener Substantive:

NominativGenitiv SingularGenitiv Plural
familiafamiliaefamiliārum
servusservīservōrum
puerpuerīpuerōrum
rexrēgisrēgum
manusmanūsmanuum
rēsrēīrērum

Funktionen des Genitivs

Genitivus possessivus (Genitiv des Besitzers)

Die Hauptfunktion des Genitivs ist die Angabe des Besitzers. Er antwortet auf die Frage „Wessen?“:

Der Genitiv des Besitzers drückt eine Zugehörigkeit aus. Er zeigt an, dass etwas jemandem gehört oder zu jemandem gehört. Dabei kann es sich um konkrete Dinge wie Geld oder Bücher handeln, aber auch um abstrakte Begriffe wie Eigenschaften oder Gefühle.

Beispiele:

Genitivus partitivus (Genitiv des Ganzen)

Der Genitivus partitivus (Genitiv des Ganzen) bezeichnet das Ganze, von dem ein Teil genommen wird:

Der Genitiv des Ganzen gibt an, dass etwas zu einer größeren Menge oder Gruppe gehört. Oft wird er verwendet, um eine unbestimmte Menge oder Anzahl auszudrücken. Das übergeordnete Wort ist dabei häufig ein Pronomen (z.B. unus, nihil) oder ein Mengenausdruck (z.B. pars, multitudo).

Weitere Beispiele:

Genitivus obiectivus und subiectivus

Der Genitiv kann auch das Objekt (obiectivus) oder Subjekt (subiectivus) einer Handlung bezeichnen, je nachdem ob der Genitiv die Handlung ausführt oder an ihr beteiligt ist:

Manchmal lässt der Kontext beide Deutungen zu:

Der Genitivus subiectivus bezeichnet das logische Subjekt einer Handlung oder eines Vorgangs, das im übergeordneten Substantiv ausgedrückt wird. Der Genitivus obiectivus dagegen bezeichnet das Objekt oder Ziel einer Handlung.

Weitere Beispiele:

Genitivus qualitatis (Genitiv der Eigenschaft)

Der Genitiv kann auch eine Eigenschaft oder Beschaffenheit ausdrücken:

Der Genitiv der Eigenschaft beschreibt näher, wie etwas oder jemand beschaffen ist. Er wird oft von einem Adjektiv begleitet und gibt genauere Informationen zu Alter, Größe, Wert, Charakter usw.

Weitere Beispiele:

Genitiv bei esse

In Verbindung mit einer Form von esse drückt der Genitiv oft Besitz, Aufgabe oder Merkmal aus:

Der Genitiv bei esse ist eine besondere Verwendung des Genitivs, bei der das Verb „sein“ eine Zugehörigkeit oder Eigenschaft ausdrückt. Besonders häufig sind dabei Wendungen, die eine Aufgabe oder Pflicht bezeichnen.

Weitere Beispiele:

Genitivus pretii (Genitiv des Wertes)

Bei bestimmten Ausdrücken der Wertschätzung steht der Genitiv:

Der Genitiv des Wertes wird verwendet, um den Preis oder Wert von etwas anzugeben. Häufig findet man ihn bei Verben wie aestimāre (schätzen), ēsse (kosten) oder bei Adjektiven wie dignus (würdig, wert).

Weitere Beispiele: