Du machst Umwege.
Du drehst Gedankenschleifen.
Du verausgabst dich.
Du fragst: Was wäre
gewesen – und was hätte
sein können – – – und was
könnte geschehen –
und so drehst du dich im Kreis
immer um dich selbst –
denn du bist ein Mensch –
und so sind Menschen nun mal
gestrickt und gewebt –
und so drehst du dich
im Geiste um zwei Worte –
gestrickt – und: gewebt –
sind diese Worte
treffend, klingen sie richtig? –
und so verstrickst du
dich in zwei kleine,
nicht bedeutsame Worte –
doch sind sie wirklich
so unbedeutend?
Klingen die Worte richtig,
erhellt sich dein Tag –
doch klingen sie falsch,
verstrickst du dich aufs neue,
gehst neue Wege –
neue Umwege –
bis die richtigen Worte
am Wegrand liegen –
Goldrutenworte
oder Löwenzahnworte,
Gras- und Moos-Worte –
irgendwo zwischen
den Flüssen deiner Träume
und der Wirklichkeit –
der so genannten!
Manchmal fließen sie dir zu –
und jene Worte
die dir zufließen –
sind das Gold, das du bergen
darfst und bergen musst –
doch kaum fließen sie –
die vermeintlich goldenen
Worte wie Wellen –
bellen die Hunde
oder jemand ruft dich an,
ruft dir etwas zu –
und so erwachst du
aus deinem halb gedachten
und halb geträumten
Fluss der Gedichte –
und du bist ein halber Mensch,
einer, der sich teilt –
mit-teilt und aufteilt –
zwischen dem Gold der Worte
und dem Schwarz der Nacht
deines Vergessens!
Dein Fluss ist unterbrochen –
doch wenn du Glück hast
fließt er irgendwann,
irgendwoanders weiter –
manchmal als keines
Rinnsal – doch du weißt –
irgendwo (– doch wo? –) wird er
wohl zum Wasserfall –
und da stehst du dann
unter rauschenden Worten
und denkst: der Umweg –
ein jeder Umweg –
hat sich am Ende gelohnt –
denn wo du ankommst –
wieder und wieder –
bist du nah an der Quelle
und im Wasserfall
des Mysteriums
das aus dir sprudelt und sich
doch nicht um dich dreht –
und du denkst (falls du
überhaupt noch denkst) – hier bin
ich endlich richtig –
denn schließlich scheinen
die Worte so zu fließen,
wie sie sein sollten –
nicht überflüssig,
sondern wie flüssiges Gold –
und du weißt: Hier bin
ich wirklich richtig –
doch zugleich wird dir bewußt:
kein einziges Wort
hat dir je gehört –
die Worte sind nicht deine,
denn sie flossen nur
wer weiß von woher –
in deine Richtung – bis sie
dich dann mitrissen –
wie ein Wasserfall – – –
in dem dein ich sich auflöst –
bis du nicht mehr denkst
und dich nicht mehr fragst:
Was klingt richtig, was klingt falsch?
Du fragst: gar nichts mehr –
etwas reißt dich mit –
und entreißt dich den Fragen –
einen Moment lang –
zwei Momente lang –
und für diesen Zustand lebst
und denkst und schreibst du –
und träumst und wachst du
und wächst dem Licht entgegen –
wie eine Welle –
die fraglos aufsteigt –
– aus dem großen Ozean
deines Vergessens –
derer, die du warst,
sein wolltest oder solltest –
und niemals weißt du
wo – an welchem Punkt –
sich die Welle brechen wird –
doch wo auch immer
sich die Welle bricht –
du warst die Welle, warst Licht,
warst eine Quelle –
einen Moment lang,
ein, zwei Atemzüge lang –
warst du atemlos –
und gebannt: im Land
in dem die Fragen enden –
und dafür lebst du –
und dafür schreibst du
und dafür nimmst du jeden
Weg oder Umweg
durch die Nacht in Kauf
denn kein Gold der Welt wiegt ihn –
jenen Zustand – auf –
in dem du fraglos
und schwere-los dahintreibst –
getragen: vom Fluss –
getragen: vom Licht,
getragen: von der Welle –
die steigt, fällt – und spricht.
Hannah
2.11.2026



