Der November zweifelt

Der November zweifelt Der November war leicht verschnupft. Da hatte er noch nicht mal richtig losgelegt, und schon waren wieder alle von ihm genervt. Dabei gab er sich wirklich Mühe. Wer ausser ihm hatte so viele verschiedene Regenarten im Programm? Von leichten Schauern über wilde Stürme konnte er alles bieten, er hatte lange und ernsthaft […]

Der November zweifelt

Frau Roggenbrot schrubbt

Frau Roggenbrot schrubbt mit Inbrunst und Nachdruck, dieser Fleck wird verschwinden, das weiß sie aus jahrzehntelanger Erfahrung, sie muss nur hartnäckig bleiben, und hartnäckig sein, das kann sie. All die Flecken, die sie aus Möbeln, von Kochtöpfen und Herdplatten gescheuert hat, tanzen einen kleinen Reigen in ihrem Kopf und mischen sich mit längst verschwundenen Menschen, für die sie geputzt hat. Die Schule, in die ihre Kinder gegangen sind, der Kreidestaub dort, gegen den sie einen unerbittlichen Kampf ausgefochten hat. Die Büroetagen, in der die Schreibtische erzählt haben von den Dingen, die dort am Tag passiert sind, und die unzähligen Papierkörbe, in denen sie bei weitem nicht nur Papier gefunden hat. Frau Roggenbrot lächelt säuerlich. Man lernt die Menschen am besten über das kennen, was sie wegwerfen, das war schon immer so.
Die Rente war nichts für sie, einfach aufhören mit dem, was sie am besten kann? Nicht mit ihr. Sie hat weiter gearbeitet, auch, wenn ihre Kinder das nicht gut fanden. Sie taucht lieber in andere Leben ein als zu Hause herumzusitzen, und wo könnte sie das besser als in fremden Wohnungen? Frau Roggenbrot tunkt den Lappen in heißes Seifenwasser und scheuert weiter. In letzter Zeit allerdings schleichen sich ab und zu neue Gedanken in ihren Kopf. Ein Hund taucht darin auf, einer mit langen Ohren, die sie streicheln kann. Frau Roggenbrot stützt sich mit dem Lappen in der Hand auf die Arbeitsplatte und sieht aus dem Fenster. Draußen scheint die Sonne. Sie könnte jetzt mit dem Hund am Fluss spazierengehen. Auf dem Kochtopf in ihrer Hand spiegelt sich ein schwacher Abglanz der Sonne, der Fleck ist verschwunden. Bedächtig stellt sie den Topf ab, legt den Lappen zur Seite und streift die Schürze ab. Genug ist genug. Als sie die Tür leise hinter sich schließt, beginnt ein neues Kapitel.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden, organisiert von Christiane. Vielen Dank dafür! Ich fühle mich gerade inspiriert von Frau Roggenbrot und werde heute Mittag auf jeden Fall rausgehen. 😊

Grinsezeit

die Zeit
ist eine Grinsekatz
putzt die samtigen Pfoten
träumt das Wunderland
schnurrt unsichtbar über dir
räkelt sich launisch
manchmal taucht ihr Grinsen auf
wenn du murrst
über die Eile
es hängt über dir
wie die abnehmende Mondsichel
das Schnurren durchdringt
die Poren der Welt

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Dienstag ist Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen! Mit dabei sind:

Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Nachtwandlerin
Gedankenweberei
Erinnerungswerkstatt
Lebensbetrunken
Dein Poet
Geschichte/n mit Gott
Wortmann
Traumspruch
Voller Worte
Puzzleblume
wolkenleer
Querfühlerin
L wie
Grossstadtpoetin

im Dunkel

im Dunkel
blühen Träume in grellen Farben
verströmen psychedelische Düfte
mein Atem geht hastig
zuviele Möglichkeiten
in neonfarbenen Paralleluniversen
als die Sonne aufgeht
mache ich weiter
wie immer
nur die Schnürsenkel
leuchten neongelb

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kniehoch

morgens stampfe ich
durch kniehohes Gestrüpp
angefressen vom Alltag
zerstochen von Mücken mit schlechten Manieren
gepiekt von spitzen Zungen
abends ist derselbe Weg
erstaunlicherweise
eine sanfte grüne Ebene
voll freundlicher Wesen
ich weiß ja nicht
vielleicht schläft das Gestrüpp
des Abends

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was mich innerlich ganz weich macht

  • Hochzeiten
  • fallende Herbstblätter im Sonnenschein
  • in sehnsüchtiger Stimmung ein Lied singen, dann weine ich ganz sicher
  • an Vergangenes erinnern und an das, was nicht kommen wird
  • wenn ein Kind seine Hand in meine schiebt
  • die erste Kastanie im Herbst
  • wenn Gott mich ansieht, das haut mich um
  • wirklich gelungene Texte
  • wenn beim Musizieren alles im Gleichklang ist
  • sehr gute Gedichte

wenn es regnet

wenn es regnet
nehme ich den roten Schirm
deine Umrisse neben mir
werden deutlicher im Regen
fast höre ich deine Stimme
„wir sind ja nicht aus Zucker!“
ich schüttle das rote Dach
die Tropfen spritzen
perlen ab
an deiner Nicht-Anwesenheit
ich schaue nach oben
wünsche mir mehr Regen
viel mehr

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Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

Wenn …

Wenn…

… ich morgens um zehn schon wieder müde bin
… meine Lieblingsband nervt
… der verschwundene Autoschlüssel mich in Tränen ausbrechen lässt
… ich gereizt bin weil der Wind falsch weht
… Autofahrten mich melancholisch an verschwundene Kindheitsstätten erinnern
… der Alltag ein langes, graues Band ist
… niemand mich mehr mag
… es nur noch regnet
… dann weiß mein Herz, die Welt ist eine trostlose Einöde mit gelegentlichem Stechmückenbefall. Und das wird sich nie, nie wieder ändern.

Aber zum Glück gibt es auch meinen Kopf. Und der weiß, mein letzter richtiger Urlaub ist lange her.

Es wird Zeit. Noch zwei Tage.

Wenn…
… zwei Tage länger als die Ewigkeit dauern
… alle, alle schon vor mir Urlaub haben
… der letzte Keks an jemand anderes ging
… seufz
…