Arbeia
| Kastell South Shields | |
|---|---|
| Alternativname | Arbeia |
| Limes | Britannien |
| Abschnitt | Hadrianswall |
| Datierung (Belegung) | 2. bis frühes 5. Jahrhundert n. Chr. |
| Typ | a) Alen- und Kohortenkastell, b) Nachschubdepot, c) Flottenstützpunkt |
| Einheit | * Legio Sextae Victrix Pia Fidelis, * Ala I Pannoniorum Sabiniana, * Ala I Hispanorum Asturum, * Cohors V Gallorum, * Numerus barcariorum Tigrisiensium |
| Größe | Fläche: 2,1 ha |
| Bauweise | Steinbauweise |
| Erhaltungszustand | Fundamente oberirdisch noch sichtbar, Rekonstruktion des Westtores, einer Kaserne und des spätantiken Prätoriums |
| Ort | South Shields |
| Geographische Lage | 55° 0′ 15,9″ N, 1° 25′ 51,9″ W |
| Anschließend | Kastell Segedunum (westlich) |

Arbeia war ein Hilfstruppenkastell und eine Nachschubbasis für die Garnisonen des Hadrianswalls (vallum aelium). Es befindet sich auf dem Gemeindegebiet (Parish) des heutigen South Shields, District South Tyneside, County Tyne and Wear, England.
Ursprünglich als Reiterkastell errichtet, war es rund 300 Jahre lang in Verwendung, sicherte und kontrollierte einen der wichtigsten Häfen im römischen Britannien und spielte später bei der Versorgung der Grenztruppen im Norden der Insel eine wichtige Rolle. Einige Gebäude des Kastells wurden im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert restauriert bzw. wiederaufgebaut. Hierzu zählen das Westtor, das spätantike Kommandantenhaus und eine Mannschaftsbaracke, die auf den Originalfundamenten neu errichtet wurden. 2024 betrug die Besucherzahl etwa 19.000 Personen.[1]
Name
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor Ort sind keine Anhaltspunkte zum Namen des Lagers bekannt geworden; allerdings wird das Kastell im Allgemeinen mit dem Ortsnamen Arbeia in Verbindung gebracht, der sich in der Notitia dignitatum findet.[2] Dort ist er zwischen den Einträgen von Verbeia (heutiges Ilkley, West Yorkshire) und einer unbekannten Station mit Namen Dictium aufgelistet. Der Name des Militärlagers könnte auf eine in der Spätantike hier stationierte Einheit aus dem Osten des Reiches zurückgehen (siehe auch Abschnitt Garnison). Dieser Theorie zufolge wäre Arbeia die latinisierte Form der ursprünglich aus dem Aramäischen stammenden Ortsbezeichnung: „Der Platz bzw. das Kastell der Araber“. Eine andere Erklärung für den Ursprung der antiken Namensgebung wäre das Wort rapa, lateinisch für Rübe. Dies war nicht ungewöhnlich für römische Siedlungsplätze und wird heute in der Fachwelt als plausibler angesehen als erstere Theorie.
Das Kastell wurde in der Vergangenheit auch mit den Horrea Classis der Kosmographie von Ravenna gleichgesetzt; sie enthält eine Liste jener Kastelle, die für die Feldzüge des Septimius Severus, die er im frühen 3. Jahrhundert in Nordbritannien durchführte, als Wach- und Versorgungsstützpunkte angelegt wurden. Der Name bedeutet „Die Lagerhäuser der Flotte“, womit zunächst nur Arbeia in Frage kommen konnte. Mit der Flotte kann nur die Classis Britannica gemeint gewesen sein, die mit ziemlicher Sicherheit hier eine Basis unterhalten hat. Diese Ansicht gilt heute als überholt, für die Horrea Classis wird nun das Kastell im schottischen Carpow, an der Mündung des Tay gelegen, favorisiert.
Ein Chronist des 16. Jahrhunderts, John Leland, identifizierte Arbeia später als das angelsächsische Caer Urfa, wohl eine Abwandlung des früheren römischen Namens. Caer bezeichnet im Walisischen einen befestigten Platz, dieser Name kam bei frühmittelalterlichen Siedlungen in Britannien oft vor. Die Frühform des heutigen Ortsnamens, Scheles, taucht erstmals um ca. 1235 auf. Sie bezeichnet behelfsmäßige Baracken oder einfache Wohnhütten, wie sie zum Beispiel von Fischern verwendet wurden. Die meisten dieser Behausungen konnte man am gegenüberliegenden Ufer des Tyne (Tinea), in North Shields, nachweisen.
Forschungsgeschichte und Fundspektrum
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Erste wissenschaftliche Untersuchungen fanden in den 1870er Jahren statt, als große Teile des Kastells überbaut wurden, ein Teil der Ruinen aber in einem öffentlichen Park konserviert wurde. Die neuzeitliche Bebauung wurde ab den 1960er Jahren komplett vom Kastellareal entfernt und das Gelände zu einem archäologischen Park umgestaltet. Unter den römischen Kasernenbauten kam bei den Ausgrabungen auch ein sorgfältig gepflasterter Platz aus der Frühzeit des Kastells zum Vorschein. Unterhalb des Platzes kamen in weiterer Folge noch die Reste eines eisenzeitlichen Hauses zu Tage, das ebenfalls die lange Siedlungskontinuität belegte.
Funde von großen Transportamphoren für Wein, die vermutlich aus Italien (Kampanien) importiert wurden, zeigen, dass das Kastell noch bis ins 3. Jahrhundert mit Wein aus dem Mittelmeerraum versorgt wurde.[3] Bei den Ausgrabungen konnten auch zahlreiche Tierknochen geborgen werden, insbesondere die von Ochsen, Schafen, Ziegen und Schweinen. Außerdem fand man Knochen von Rothirschen, Ebern und Elchen; letztere wurden wahrscheinlich als Freizeitsport bejagt und sollten wohl auch die Rationen der Soldaten aufbessern. Da das Kastell nahe der Küste lag, wurden hier naturgemäß auch Meeresfrüchte wie zum Beispiel Austern, Miesmuscheln, Napf-/Strandschnecken und Weinbergschnecken verzehrt.
Entwicklung
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Das Kastellareal ist seit der Mittelsteinzeit besiedelt (8300 v. Chr.). Bei den Ausgrabungen kamen Waffen und Werkzeuge aus Flintstein ans Tageslicht, die wohl von steinzeitlichen Jägern angefertigt worden waren. Ab der Jungsteinzeit (3500–1800 v. Chr.) siedelten hier sesshafte Bauern, die Keramik herstellten und Haustiere hielten.

Die ersten nachweisbaren römischen Gebäude sind hölzerne Bauten einer Zivilsiedlung (vicus), die vermutlich zu einem frühen Kastell gehörte, das in den 120er Jahren zusammen mit dem Hadrianswall errichtet wurde. Die Lage dieses ersten Kastells ist unbekannt; möglicherweise befand es sich höher gelegen und südlich des späteren Lagers Arbeia. Die erste nachweisbare Bauphase am heute sichtbaren Kastellplatz entstand in den 160er Jahren. Für das 2. Jahrhundert existieren Hinweise, dass eine Ala, also eine berittene Hilfstruppe, in Arbeia stationiert war.
208 setzte Kaiser Septimius Severus eine Serie von Feldzügen in Gang, um die Hochlandstämme der Kaledonier zu unterwerfen. Damit änderten sich auch die Aufgaben der Kastellbesatzung. Die Reitertruppe wurde in die Expeditionsarmee eingereiht und in den schottischen Feldzügen eingesetzt; an ihrer Stelle wurde in Arbeia eine Infanteriekohorte stationiert. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde der Stützpunkt zu einer Nachschubbasis umgebaut und flächenmäßig vergrößert. Vor allem die günstige Lage des Kastells in der Nähe der Küste direkt am Flussufer war wohl für seine neue Funktion ausschlaggebend, da die hier eingelagerten Versorgungsgüter bequem und kostensparend auf dem Tyne und seinen Nebenflüssen weiter in das Landesinnere und zu den Besatzungen am Wall (per lineam valli) transportiert werden konnten.
An der Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert brannte das Kastell nieder und scheint danach vorübergehend verlassen gewesen zu sein. Einige Zeit später wurde es als Nachschubbasis wiederbelebt, wobei aber einige der vormaligen Speichergebäude in Unterkünfte umgewandelt wurden.[4] Um 400 wurde Arbeia zwar von der Armee endgültig aufgegeben, aber von der Zivilbevölkerung weiterbenutzt und vermutlich erst in der späteren angelsächsischen Zeit von seinen letzten Bewohnern verlassen.
Kastell
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Bei Arbeia handelte es sich um ein mehrphasiges Kastell, ausgeführt in der Standardbauweise des 2. Jahrhunderts, also rechteckig und mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform). Die Mauern waren durch innen angesetzte Türme verstärkt. Die etwa 110 × 180 m messende Kastellmauer wurde an ihrer Rückseite durch eine Erdrampe abgestützt, die auch als Wehrgang diente. Mit der Umwandlung in eine Versorgungsstation um 205–207 wurde die Kastellmauer 45 m weiter nach Süden erweitert und dadurch die umwehrte Fläche von 1,67 auf 2,1 ha vergrößert. Zudem wurde das Kastell durch eine interne Mauer in zwei annähernd gleich große Bereiche geteilt, die jedoch nach relativ kurzer Zeit wieder abgerissen wurde.
Das Kastell besaß insgesamt vier Tore, die durch je zwei Flankentürme gesichert wurden. Die Wasserversorgung erfolgte über ein Aquädukt, das laut einer Inschrift um 222 errichtet wurde. Als zusätzliches Annäherungshindernis umgab das Kastell ein doppelter Spitzgraben. Die Kastellfläche wurde durch die beiden Lagerhauptstraßen (Via praetoria, Via decumana) in vier Teile geteilt. Derjenige Abschnitt der Via praetoria, der vom Südtor auf die Principia – das Stabsgebäude – zulief, war gepflastert und auf beiden Seiten von Säulengängen flankiert. Für die Straßenpflasterung wurden später offensichtlich auch Steine aus abgerissenen Gebäuden (zum Beispiel den Principia) wiederverwendet.
Das Westtor wurde 1988 wieder aufgebaut. Es beherbergt einen Teil des Museums und dient als Aussichtsplattform. Die Rekonstruktion des Westtores versucht das Erscheinungsbild der Jahre um 161–180 möglichst detailgetreu wiederzugeben. Sie basiert auf vor Ort aufgefundenen Architekturresten (zum Beispiel ein Schlussstein von einem der Torbögen), den vollständig erhaltenen Fundamenten, auf Überresten eines vergleichbaren Kastelltores in Libyen bzw. in Birdoswald aufgefundenen Fragmenten (Fensterbogen), zeitgenössischen Darstellungen und den Ergebnissen einer Funktionsanalyse. Das Tor war nach klassischer Machart und von zwei mehrstöckigen mit Ziegeln gedeckten Türmen flankiert, die an der Vorderseite etwas aus der Mauerflucht hervorsprangen. Zwischen den Türmen befanden sich zwei Durchfahrten, oberhalb der Durchfahrten lag das Wachhaus und darüber ein mit Zinnen versehener Wehrgang.
Innenbebauung
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Etwa in den Jahren 205–207 wurden fast alle Kasernen beseitigt und durch Horrea ersetzt. Für die verbliebene Mannschaft wurden in der Praetentura (Südteil) vier neue Kasernenblöcke (zwei Doppel- und zwei Einzelbaracken, 12 m × 40 m) hochgezogen. Im frühen 3. Jahrhundert wurde in die Erdrampe der Ostmauer eine Gemeinschaftslatrine eingebaut. Sie ähnelte der Latrine von Kastell Housesteads; die Abwasserentsorgung erfolgte über einen Kanal, der permanent vom frischen Wasser durchflossen wurde.
Im späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert wurden die meisten der Gebäude durch eine Brandkatastrophe zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaues wurde ein luxuriöses Praetorium in der Südostecke des Lagers errichtet. Die acht südlichen Horrea wurden wieder zu Kasernen umgewandelt, zwei weitere südlich von ihnen völlig neu aufgebaut. Eines der Kasernengebäude und große Teile des spätantiken Praetoriums wurden in der Mitte des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf den Originalfundamenten rekonstruiert.
Horrea
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Römische Lagerhäuser sind aufgrund ihrer massiven Bauweise leicht von den Archäologen zu identifizieren, ihre Fundamente zählen zu den besterhaltenen in South Shields. Noch zu hadrianischer Zeit verfügte das Kastell nur über ein Doppelhorreum vom Typ B, das frei in der Mitte des Lagers – direkt neben dem Westtor – stand. 205–207 wurden unter Septimius Severus die meisten Kasernen entfernt und durch 13 zusätzliche, paarweise angelegte, aus Stein erbaute Horrea ersetzt. Sie standen in drei parallel angeordneten Reihen und nahmen die gesamte Fläche der Praetentura und des Mittelstreifens des Lagers ein.[5] Zwei von ihnen wurden direkt in die nicht mehr benötigten Principia eingebaut. 222–235 wurden diesen noch acht weitere Horrea hinzugefügt. Dort konnte nun Getreide für 40.000 Mann deponiert werden.[6]
Da hier wohl hauptsächlich in Säcken abgefülltes Getreide gelagert wurde, waren sie mit einem leicht erhöhten Fußboden ausgestattet der durch seitlich an den Stützmauern eingelassene Schlitze auch eine Belüftung und Kühlung von unten erlaubte.[7] Gestützt wurde der Boden durch eine Reihe parallel, in Längsrichtung angelegter niederer Zwischenmauern, die in regelmäßigen Abständen unterbrochen waren, um so eine bessere Luftzirkulation zu gewährleisten. Um den starken Seitendruck des Daches aufzufangen, waren an jeder Längsseite zehn und an den Schmalseiten je zwei Stützpfeiler angebaut worden. Die Fundamente waren hier doppelt breit gebaut, wodurch eine kleine Laderampe entstand, weiters konnten Spuren von Steinfundamenten für Pfosten oder Säulenbasen beobachtet werden, die wohl ein Vordach trugen.[8]
- Fundament eines Horreums/Getreidespeichers
- Rekonstruktionsversuch des Horreums II im Kastell Housesteads (Vercovicium), frühes 3. Jahrhundert n. Chr., Blick aus SW
Principia
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Das mehrphasige Kommandogebäude (Umfang etwa 20 × 25 m) war das verwaltungsmäßige und religiöse Zentrum des Kastells. In seinem Grundriss entsprach es der typischen Bauform des ausgehenden 2. Jahrhunderts. Der Haupteingang lag im Süden; über einen ummauerten Innenhof, der an der West- und Ostseite von einer Portikus gesäumt war, gelangte man zu einer etwa neun Meter hohen, von West nach Ost orientierten Querhalle. Wie eine Inschrift aus Reculver bezeugt, wurden solche Hallen von den Römern Basilica genannt.[9] Tageslicht fiel durch mit drei Eisenstäben vergitterten Fenstern direkt unter dem Dachfirst ein. Die Forschung nimmt an, dass dort bei schlechtem Wetter oder im Winter Appelle und Übungen stattfanden. An der Rückseite der Basilica schloss sich das etwas nach Nordwesten vorspringende, quadratische Fahnenheiligtum (aedes) an, das im Gegensatz zu vielen anderen vergleichbaren Gebäuden dieser Art und Größe aber keine halbrunde Apsis aufwies, in der für gewöhnlich die Feldzeichen der Besatzungstruppe und eine Kaiserstatue aufgestellt waren. Oft war das Fahnenheiligtum auch unterkellert, da dort auch die Truppenkasse aufbewahrt wurde. Westlich und östlich des Fahnenheiligtums befanden sich noch jeweils zwei Räume, die entweder als Schreibstuben oder Waffenkammern gedient haben könnten. Im frühen 3. Jahrhundert wurde das Gebäude abgebrochen und durch zwei Lagerhäuser ersetzt; als Ersatz entstand ein neues Kommandogebäude in der südlichen Erweiterung des Kastells. Bei der Neuerrichtung des Lagers nach der Zerstörung im späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert wurden die Principia wieder an ihre ursprüngliche Stelle zurückverlegt.
Praetorium
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Bei dem spätantiken Praetorium von Arbeia handelt es sich um eines der am besten bekannten des römischen Britannien. Es wurde von Paul Bidwell und Nicholas Hodgson vom Tyne and Wear Museum ausgegraben, auf deren Ergebnissen und Interpretationen auch die Rekonstruktion des Hauses aus dem Jahr 2000 beruht. Dieses luxuriös ausgestattete Peristylhaus des Kastellkommandanten stammt aus der Spätantike und wurde – ungewöhnlich für römische Kastelle – nicht in dessen Zentrum, sondern in der Süd-Ost-Ecke des Kastells errichtet. Vermutlich wurde es vom Befehlshaber der syrischen Einheit in Auftrag gegeben. Nach Machart und Grundriss des Hauses zu schließen, war er ein aus dem römischen Kulturkreis stammender Mann und kein Barbar.
Der Haupteingang befand sich im Westen, man betrat zuerst eine aufwendig dekorierte Halle (Raum 21, oder Atrium) Ein kleiner Eckraum, Raum 22, war wahrscheinlich das Dienstzimmer des Pförtners. Raum 23 war vermutlich ein kleines Büro (officium), in dem weniger wichtige Besucher empfangen wurden. Im Zentrum des Atriums befand sich ein mit Steinen ausgekleideter Schacht, in dem vielleicht einst Wertsachen oder Ähnliches aufbewahrt wurden. Der zentrale Innenhof war an zwei Seiten von einer säulengestützten Portikus umgeben. An der linken Seite gelangte man in die Privatgemächer des Lagerkommandanten. Sie bestanden aus den Räumen 3, 4, 5 und 6, die durch Türen miteinander verbunden waren. 5 und 6 waren auch durch ein zentrales Praefurnium beheizbar.
Am anderen Ende des Innenhofes befand sich das große Triclinium (Speiseraum, Raum 7), das allerdings nicht beheizt werden konnte. Raum 12 war zwar wesentlich kleiner, diente vermutlich aber ebenfalls als Speisezimmer, im Gegensatz zu Raum 7 verfügte es über eine Fußbodenheizung (Hypokausten) und wurde wahrscheinlich nur in der kalten Jahreszeit benutzt. Am westlichen Ende des Hauses, direkt neben dem Eingang, befand sich ein zwar kleines, aber gut ausgestattetes Bad (Therme).
Die Räume 8, 9 und 11 beherbergten wahrscheinlich die Küche und Vorratsspeicher – durch eine Tür gelangte man von hier aus direkt auf die innere Wallstraße (via sagularis). In Raum 13 war ein Lagerraum und das Praefurnium – von wo aus die Hypokausten befeuert wurden – untergebracht. In einer Ecke war zusätzlich eine Latrine eingebaut. Daran schloss sich Raum 14 an, er war mit groben Steinen gepflastert und mit einem Abflusskanal ausgestattet, möglicherweise war hier einst ein Viehstall untergebracht.
- Ostseite des teilrekonstruierten Praetoriums
- Blick vom Säulengang in den Innenhof des Prätoriums
- Rekonstruierte Wandmalerei im Praetorium
Garnison
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Laut einiger Inschriften dürften Angehörige der Legio Sexta Victrix Pia Fidelis im Rahmen ihrer Tätigkeit als Bauvexillation zur ersten Besatzung des Kastells gezählt haben.[10][11][12] Es erscheint aber ziemlich unwahrscheinlich, dass Angehörige der Legion nach Fertigstellung des Kastells hier noch auf Dauer stationiert waren. Der Ausbau des Steinkastells erforderte spezialisierte Handwerker, die für gewöhnlich nur bei den Legionen und nicht bei den Auxiliaren, die später hier in Garnison lagen, zu finden waren. Die Legionen waren für die Errichtung der meisten militärischen Bauwerke des Reiches verantwortlich, so auch für das Kastell Arbeia. Die Legionäre wurden nach ihren Abzug durch Hilfstruppeneinheiten ersetzt.
Folgende Auxiliar-Einheiten sind als Besatzung für Arbeia bekannt oder könnten sich für eine begrenzte Zeit dort aufgehalten haben:
| Zeitstellung | Truppenname | Beschreibung |
|---|---|---|
| 2. Jahrhundert n. Chr. | Legio sextae Victrix (die sechste Legion, die siegreiche), | Eine ihrer Vexillationen war hier wohl bis zum Abschluss der Bauarbeiten stationiert. Ein vom Zenturio Julius Verax gestifteter Altar lässt annehmen, dass sich während der Aufbauphase ein Bautrupp in der Stärke von zumindest einer Zenturie ständig im Lager aufhielt.[13] |
| spätes 2. Jahrhundert n. Chr. | Ala prima Pannoniorum Sabiniana („das erste Pannonische Reiterschwadron des Sabinus“) |
Diese Reitertruppe stammte ursprünglich aus dem Gebiet des heutigen Ungarn. Laut einer Grabsteininschrift könnte sie vorher in Aldeia Nova (Portugal) stationiert gewesen sein. Die Einheit wurde schließlich nach Britannien abkommandiert, wo sie bis ins späte 2. Jahrhundert lag. Aus ihrem Beinamen folgert man, dass ihr erster Befehlshaber/Anwerber den Namen Sabinianus trug. Aus Savaria (Szombathely, HU) ist eine Inschrift bekannt, die den Präfekten Titus Cnoris Sabinianus nennt, der dort eine Lanzenreitereinheit kommandierte. Zwei in South Shields entdeckte Bleisiegel, gefunden 1875 und 1996, beziehen sich – vermutlich – auf eine Ala Sabiniana.[14][15] Die Einheit wurde wahrscheinlich vor Beginn des 3. Jahrhunderts ins Kastell Onnum (heutiges Halton Chesters/Northumberland) verlegt. |
| frühes 2. Jahrhundert n. Chr. | Ala prima Hispanorum Asturum („die erste Reiterschwadron der hispanischen Asturer“) |
Diese Reitereinheit wurde aus dem im Norden Spaniens beheimateten Stamm der Asturer rekrutiert und kam wahrscheinlich mit der Invasionsarmee des Claudius um 43 auf die Insel. Sie ist bislang nur von einer Inschrift eines Grabsteins bekannt, der in Arbeia gefunden wurde.[16] Dementsprechend könnte sie eine Zeit lang die Besatzung des Kastells gebildet haben. |
| frühes 3. Jahrhundert n. Chr. | Cohors V Gallorum („die fünfte Kohorte der Gallier“) |
Die Reiter wurden unter Septimius Severus durch eine 1000 Mann starke Infanterieeinheit abgelöst, die hierfür wahrscheinlich aus dem Kastell Cramond am Firth of Forth abgezogen wurde. Die Anwesenheit der Gallier in Arbeia wird durch einen Weihestein und die Bauinschrift eines Aquäduktes bestätigt, die 1985 entdeckt wurde. Normalerweise beanspruchte eine cohors milliara ungefähr zehn Kasernenblöcke als Unterkunft, es scheint, dass die tatsächliche Mannschaftsstärke der Gallierkohorte aber nur etwas weniger als die Hälfte betrug, rund vier Zenturien dürften weiterhin in Cramond verblieben sein. Man nimmt an, dass der Rest als Eskorte für die Bewachung der Nachschubtransporte zwischen South Shields und Cramond verwendet wurde.[17][18] |
| 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. | Numerus Barcariorum Tigrisiensium („eine Schar Frachtschiffer vom Tigris“) |
Nach den Militärreformen des Diokletian und Konstantin I. zählten die Garnisonen am Wall zu den limitanei. Die letzte römische Besatzungseinheit in Arbeia bestand anscheinend aus einer Einheit von Männern aus der Region am Tigris im Mittleren Osten, die unter dem Befehl eines Präfekten stand. Sie wird nur in der Notitia dignitatum, in der Truppenliste des Dux Britanniarum, als Besatzung von Arbeia und damit wohl des Kastells in South Shields erwähnt. Diese Einheit war wahrscheinlich mit Transportaufgaben über die Tyne-Mündung und an der Küste beschäftigt. Andere Barcarii-Einheiten im Reich hatten ebenfalls solche Pflichten zu erfüllen. Der Name eines ihrer Angehörigen ist außerdem noch von einem Grabstein für seine verstorbene Frau aus Arbeia bekannt. Es handelte sich bei ihr um Regina, eine indigene Britin aus dem Stamm der Catuvellauni, der hauptsächlich im Süden Britanniens – in der Region um Hertford, Northampton, Buckingham, Bedford und Cambridge – ansässig war. Ihr Ehemann, Barates, stammte aus der Stadt Palmyra in der Provinz Syria; es ist sehr wahrscheinlich, dass er als Soldat in römischen Diensten nach Britannien gelangte und im 4. Jahrhundert in Arbeia stationiert war. Vermutlich ist er mit dem Barates identisch, dessen Grabstein in Coria/Corbridge erhalten ist.[19][20] |
| 2. bis 5. Jahrhundert n. Chr. | Classis Britannica (die britannische Flotte) | Ob im Hafen des Kastells auch Flotteneinheiten stationiert waren, ist nicht überliefert, aber aufgrund der Lage und Funktion des Kastells wahrscheinlich. Kaiser Hadrian ließ anlässlich seines Besuches auf der Insel im Jahre 122 dort überall die Befestigungen erneuern oder neue Anlagen errichten. Beim größten dieser Projekte, dem Hadrianswall, beteiligten sich auch Angehörige der Flotte. In den Jahren 208 bis 210 führte Kaiser Septimius Severus einen Feldzug gegen die Caledonier in Nordschottland. Die Classis Britannica unterstützte das Landheer, indem sie seine Flanken von See her sicherte und den Nachschubtransport organisierte. |
Hinweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Luftaufnahme des Kastellareals |
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| Webaviation |
Die Fundstelle wird heute von den Tyne and Wear Museums/Arbeia Roman Fort and Museum betreut. Im wiederaufgebauten Westtor ist eine kleine Dauerausstellung über die Geschichte des Kastells untergebracht, vom obersten Stockwerk aus hat man einen guten Überblick auf die Ausgrabungsstelle. Vom Kastell sind heute noch teilweise die Grundmauern der Umwehrung, der Innenbebauung, der Nachbau des Westtores und einer Kaserne zu sehen. Im Jahr 2000 wurde auch das spätantike Praetorium (Kommandantenhaus) anhand der Ausgrabungsbefunde rekonstruiert. Das kleine Museum im Westtor zeigt vor allem Modelle des Kastells in seinen verschiedenen Ausbauphasen und der Principia sowie römische Grabfunde bzw. Gebrauchsgegenstände und dokumentiert das Alltagsleben der in Arbeia stationierten Hilfstruppensoldaten. Eines der bemerkenswertesten Fundstücke der Ausstellung ist der Rest eines römischen Kettenhemdes, den man aus einem Brunnen geborgen hat.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- John N. Dore, John P. Gillam: The Roman fort at South Shields, Excavations 1875–1975, Monography 1, Society of Antiquaries of Newcastle upon Tyne 1979.
- Ronald Embleton, Frank Graham: Hadrian’s Wall in the Days of the Romans. Newcastle 1984, ISBN 0-85983-177-9, S. 33–42.
- R. W. Davies: The Roman Military Diet. In Britannia. Band 2, 1971, S. 122–142.
- Robin George Collingwood, Richard Pearson Wright (Shepard Frere und Roger Tomlin Hrsg.): The Roman Inscriptions of Britain. Oxford 1965, ISBN 0-86299-820-4
- Anne Johnson: Römische Kastelle des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. in Britannien und in den germanischen Provinzen des Römerreiches (= Kulturgeschichte der antiken Welt. Band 37). Philipp von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0868-X.
- J. H. Corbitt: The South Shields Roman Gold and Silver Hoard. In: South Shields Archaeological and Historical Society Papers. Band 1, Nummer 3, 1955, S. 2–13.
- David J. Breeze: John Collingwood Bruce’s Handbook to the Roman Wall. 14. Auflage, Society of Antiquaries Newcastle upon Tyne, Newcastle 2006, ISBN 978-0-901082-65-7, S. 115–129.
Anmerkungen und Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Statistik der Association of Leading Visitor Attractions (ALVA) 2024 Visitor Figures. Abgerufen am 27. März 2025.
- ↑ David J. Breeze: John Collingwood Bruce’s Handbook to the Roman Wall. 14. Auflage, Society of Antiquaries Newcastle upon Tyne, Newcastle 2006, ISBN 978-0-901082-65-7, S. 115.
- ↑ Wissenschaft-Technik, Archäologie, Bierverächter aus Rom, Der Spiegel 45/2011, S. 142.
- ↑ David J. Breeze: John Collingwood Bruce’s Handbook to the Roman Wall. 14. Auflage, Society of Antiquaries Newcastle upon Tyne, Newcastle 2006, ISBN 978-0-901082-65-7, S. 118–119.
- ↑ Anne Johnson: 1987, S. 172.
- ↑ Angabe 40.000 gemäß: Margot Klee: Grenzen des Imperiums. Leben am römischen Limes. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-2015-8, S. 31.
- ↑ Anne Johnson: 1987, S. 178.
- ↑ Anne Johnson: 1987, S. 171.
- ↑ AE 1962, 258
- ↑ Leg. VI vic. > Paterni „Die VI. siegreiche Legion, die Zenturie des Paternus [hat dies erbaut].“ (The Roman Inscriptions of Britain [RIB] 1070a; Jo0a; l of Roman Studies (JRS) 52 (1962), S. 193, Nr. 13).
- ↑ Leg. VI vic. … > … Severi p. CII „Die VI. siegreiche Legion, […] die Zenturie des […] Severus, [hat dies erbaut] 102 Fuß [der Erdrampe].“ (RIB 1070d; Britannia 18 (1987), S. 368, Nr. 8).
- ↑ Leg. VI vic. p. f. coh. III > … „Die VI. siegreiche Legion, loyal und gewissenhaft, die III. Cohorte, die Zenturie des [… hat dies erbaut].“ (RIB 1070e; Britannia 16 (1995), S. 379 f., Nr. 6).
- ↑ Iulius Verax > Leg. VI „Julius Verax, Zenturio der VI. Legion [hat dies gestiftet].“ (RIB 1057; Altarstein).
- ↑ RIB 2411.86.
- ↑ Brit. 28.35.
- ↑ D(is) M(anibus) Victoris natione Maurum / [a]nnorum XX libertus Numeriani / [e]q(u)itis ala(e) I Asturum qui / piantissime pr[ose]qutus est „An die Geister der Verstorbenen für Victor, aus der Maurischen Nation, 20 Jahre alt, Freigelassener des Numerianus, Soldat der I. Ala der Asturer, in Demut ausgeführt [sein Grabdenkmal]“ (RIB 1064; Grabstein).
- ↑ … [ac c]astr(orum) [ac senat(us) ac] / [pa]tria[e pro pietate] / [a]c dev[otione] / [com]muni c[urante] / [[C(aio) Iul(io) Marco]]] l[eg(ato) Aug(usti) pr(o) pr(aetore)] / [coh(ors)] V Ga[ll(orum) pos(uit)] „[Für Julia Domna, der Mutter des Augustus], des Lagers, des Senats und des Vaterlands, der Loyalität und Ergebenheit der Gemeinschaft, hat unter der Aufsicht des Gaius Iulius Marcus, Legatus pro praetore des Kaisers, die V. Kohorte der Gallier diesen Stein gesetzt.“ (RIB 1070b; Britannia 16 (1985), S. 325–326, Nr. 11). Zur Interpretation dieses Textes vgl. auch die Inschrift aus Risingham/Northumberland (RIB 1235; ca. 209 n. Chr.).
- ↑ Imp(erator) Caes(ar) divi Severi / nepos divi magni Antonini fil(ius) / M(arcus) Aurel(ius) Severus Alexander / Pius Felix Aug(ustus) pontif(ex) max(imus) / trib(unicia) pot(estate) p(ater) p(atriae) co(n)s(ul) aquam / usibus mil(itum) coh(ortis) V Gallo(rum) in/duxit curante Mario Valeriano / leg(ato) eius pr(o) pr(aetore) „Der Imperator Caesar Marcus Aurelius Severus [Alexander] Pius Felix Augustus, Enkel des vergöttlichten Severus, Sohn des vergöttlichten Antoninus des Großen, oberster Priester, mit tribunizischer Gewalt, Vater des Vaterlandes, Konsul, stiftete diese Wasserleitung für die Soldaten der V. Gallischen Kohorte, unter Aufsicht des Marius Valerianus, seinem Legatus pro praetore“ (RIB 1060; Stiftungsinschrift des Aquäduktes von Arbeia, um 222).
- ↑ Praefectus numeri barcariorum Tigrisiensium, Arbeia „Der Präfekt des Numerus der Frachtschiffer vom Tigris in Arbeia“ (Notitia dignitatum XL, 22).
- ↑ D(is) M(anibus) Regina(m) liberta(m) et coniuge(m) / Barat(h)es Palmyrenus natione / Catuallauna an(norum) XXX // Palmy… „An die Totengeister für Regina, eine Freigelassene und Ehefrau des Barates aus Palmyra, Catuvellaunerin, sie wurde 30 Jahre alt.“ (RIB 1065; Grabstein).
RIB = Roman Inscriptions in Britain
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kastell Arbeia auf Historic England Past Scape (englisch)
- Arbeia Roman Fort & Museum
- Website mit zahlreichen Abbildungen des Kastells
- Earthwatch Institute (Grabungsberichte der letzten 10 Jahre)
- Fotoalbum Hadrianswall auf Flickr
- Satellitenfoto Kastellareal, Lage römische Baudenkmäler auf Vici.org
- Der Wall von Arbeia bis Maia. Filmproduktion mit 3D-CGI-Modelle, Abbildungen und Erklärung der einzelnen römischen Kastelle entlang des Hadrianswalls, Part I auf YouTube (englisch)
- Arbeia auf Roman Britain (englisch)
- John Collingwood Bruce: The Roman Wall: A Description of the Mural Barrier of the North of England, 1867, mit zahlreichen Abbildungen von Mauerresten, Altären, Inschriften etc.
- Bauwerk in South Tyneside
- South Shields
- Organisation (South Tyneside)
- Geographie (South Tyneside)
- Archäologischer Fundplatz in Tyne and Wear
- Kastell des Hadrianswalls
- Freilichtmuseum in England
- Rekonstruiertes Bauwerk im Vereinigten Königreich
- Römische Befestigungsanlage (Britannien)
- Befestigungsanlage im Vereinigten Königreich
- Museum (North East England)
- Archäologischer Fundplatz in Europa