„Perla“ mit Rebeka Polakova in der Titelrolle gewann unter anderem in den Kategorien „Bester Spielfilm“, „Beste männliche Hauptrolle“ für Simon Schwarz, „Beste Kamera“ und fünf weiteren Kategorien. „Vier minus drei“ wurde für die beste weibliche Hauptrolle, in der Kategorie „Beste Regie“ und drei weiteren ausgezeichnet.
Makarova zeigte sich angesichts der Ehrung ihrer Arbeit als Regisseurin bewegt. „Ich frage mich jedes Mal: Warum tue ich mir das an? Die Antwort ist: Ich liebe Film, ich liebe Kino.“
Ähnlich reserviert zeigte sich Schwarz bei der Entgegennahme seiner Ehrung als Hauptdarsteller, was an seinem Kopf liege, der anders funktioniere als jener der meisten, wie er meinte: „Für mich ist Aufmerksamkeit negativ besetzt.“ Schließlich sei es eine Hybris zu glauben, dass man der Beste sei, wenn man den Preis gewann. Aber dennoch: „Ich freue mich sehr, auch wenn Sie es nicht sehen können“, sagte Schwarz.
Neben den beiden zentralen Kategorien sicherte sich das zwischen dem früheren Ostblock und Wien der 1980er Jahre spielende Drama „Perla“ schließlich auch in den Sparten „Kamera“, „Kostüm“, „Maske“ (ex aequo mit „Welcome Home Baby“), „Szenenbild“, „Musik“ und „Tongestaltung“ den Sieg.
„Mein Leben ist ein Geschenk mit zwei Seiten“
Auf dem zweiten Platz des Abends in den Wiener HQ7-Filmstudios landete am Ende Goigingers Adaption der autobiografischen Verlustgeschichte „Vier minus drei“ von Barbara Pachl-Eberhart, die durch einen Unfall einst ihren Mann und ihre beiden kleinen Kinder verlor.
„Ich freue mich unglaublich, dass mein Leben hier so viele Menschen glücklich macht“, zeigte sich die Autorin, die von Goiginger auf die Bühne geholt wurde, berührt: „Und ich weiß, mein Leben ist ein Geschenk mit zwei Seiten.“
„Alleine schafft man’s, aber nicht so schön“
Die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte erhielt fünf Preise, darunter die Würdigung von Goiginger als bestem Regisseur und die Auszeichnung für Valerie Pachner als beste Hauptdarstellerin. Sie bedankte sich bei ihrem Team: „Alleine schafft man’s, aber nicht so schön. Und nicht mit so viel Liebe und Tiefe.“ Neben Drehbuch und Casting holte sich auch Robert Stadlober den Sieg in der Sektion der Nebendarsteller für seine Leistung als Pachners Filmpartner.
„Nebenrolle ist schwerer als Hauptrolle“
„Nebenrolle ist schwerer als Hauptrolle“ – alleine wenn man an die schlechtere Bezahlung und den schlechteren Trailer am Set dächte, streute Laudator Michael Maertens dem Gewinner Rosen. Als beste weibliche Nebendarstellerin wurde Elke Winkens für ihre Leistung als Mutter im Psychogramm „How to be Normal and the Oddness of the Other World“ von Florian Pochlatko ausgezeichnet.
Dass sie nach all den Jahren, in denen sie nicht gesehen worden sei, nun diesen Preis erhalte, überraschte Winkens sichtlich. „Mir wurde nach dem Film oft gesagt: Elke, Du hattest Mut zur Hässlichkeit. Dabei war ich nur nicht geschminkt.“
Hommage an Valie Export
Schließlich konnte sich Olga Kosanovic mit ihrer autobiografischen und humorvollen Analyse des österreichischen Einbürgerungssystems „Noch lange keine Lipizzaner“ gegen die Konkurrenz bei den Dokumentarfilmen durchsetzen. Sie durfte eine jener Trophäen entgegennehmen, die einst von der jüngst verstorbenen Valie Export für den Filmpreis designt worden waren. Als Ehrung der Künstlerin werde die Skulptur künftig den Namen „Valie“ tragen, kündigte die Filmakademie an.
Preise in 18 Kategorien
Insgesamt wurden Donnerstagabend Preise in 18 Kategorien vergeben, darunter auch jene für den publikumsstärksten Kinofilm „Aufputzt is’“ von Claudia Jüptner-Jonstorff mit Gery Seidl. Die Entscheidung in den übrigen Sparten hatten die gut 700 Mitglieder der Akademie des Österreichischen Films gefällt.
Kritische Worte zum Abschluss
Nach den aktuellen Bedingungen in der Filmlandschaft wäre ein Abend wie der am Donnerstag nicht mehr möglich, hatten zum Auftakt Arash T. Riahi und Verena Altenberger als Präsidentschaftsduo der Filmakademie gemahnt.
„Wir dürfen nicht vergessen, dass viele der Filme, die wir heute Abend ehren, unter den Umständen der jetzigen Filmförderung nicht möglich gewesen wären“, appellierte Riahi an die Umsetzung der von der Regierung in Aussicht gestellten Streamingabgabe respektive Steueranreize. In dieselbe Kerbe schlug Altenberger, die gleichsam das Motto für die gesamte Gala lieferte: „Diese Filme sind die Beute der fetten Jahre, als Österreich noch das beste Fördersystem Europas hatte.“
Babler gratuliert
Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) gratulierte den Preisträgern. „Sie zeigen einmal mehr, dass der österreichische Film vielsprachig, vielstimmig und visuell facettenreich ist“, sagte er. Besonders mit den Preisträgern „Perla“ und „Vier minus drei“ seien zwei Arbeiten bedacht worden, „die auf ganz unterschiedliche Weise von der Feinfühligkeit und Sensibilität des österreichischen Films zeugen und verdeutlichen, dass hohe filmische Qualität auf ein erfolgreiches Zusammenspiel aller Gewerke zurückzuführen ist“.