Ukraine-Krieg

Die EU verlängert ihre Wirtschaftssanktionen gegen Russland erstmals nicht nur um sechs, sondern um zwölf Monate. Eine entsprechende Entscheidung trafen die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten gestern Abend bei ihrem Juni-Gipfel in Brüssel, wie eine Sprecherin von EU-Ratspräsident Antonio Costa mitteilte.

In den vergangenen Jahren hatte der damalige ungarische Regierungschef Viktor Orban eine einjährige Verlängerung blockiert. Der neue Ministerpräsident Peter Magyar gilt als deutlich russlandkritischer als sein Vorgänger, der enge Kontakte zu Kreml-Chef Wladimir Putin pflegte.

Handel, Finanzwesen, Energie

Die Wirtschaftssanktion der EU gegen Russland wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine umfassen insbesondere Beschränkungen im Handel, im Finanzwesen, im Energiesektor sowie in der Industrie, im Verkehrswesen und bei Luxusgütern. Darüber hinaus besteht etwa ein Verbot der Einfuhr von russischem Rohöl auf dem Seeweg, und es wurden etliche russische Banken vom Finanzkommunikationssystem Swift abgekoppelt.

Der Gesetzestext zur Sanktionsverlängerung soll in den nächsten Wochen vom Ministerrat beschlossen werden. Das gilt als Formalie.

Druck auf Kreml soll weiter erhöht werden

In einer Gipfelerklärung zum Ukraine-Krieg hieß es nun, die EU bleibe entschlossen, „den Druck auf Russland weiter zu erhöhen und die russische Kriegswirtschaft weiter zu schwächen, damit Russland seinen brutalen Angriffskrieg beendet und ernsthafte Friedensverhandlungen aufnimmt“. Zum ersten Mal seit Dezember 2024 stimmten alle 27 Mitgliedsstaaten den Erklärungen zur Ukraine zu. Möglich wurde auch das durch die Abwahl Orbans.

Ausland

Kuba plant offenbar eine historische Abkehr von Teilen seiner sozialistischen Planwirtschaft. Ministerpräsident Manuel Marrero stellte den Abgeordneten in Havanna gestern (Ortszeit) ein umfassendes Reformpaket vor, das weitreichende Privatisierungen vorsieht.

Die von der Kommunistischen Partei und dem ehemaligen Staatschef Raul Castro unterstützten Maßnahmen sehen unter anderem die Zulassung privater Immobilienprojekte vor. Darüber hinaus sollen Staatsbetriebe in private Unternehmen mit Aktienbeteiligungen umgewandelt werden und private Banken Zugang zum Finanzsektor erhalten.

Außerdem soll die Bürokratie für private Unternehmer abgebaut werden. Es handle sich um die größte Veränderung des sozialistischen Modells seit der Revolution von 1959 unter Fidel Castro, hieß es.

Brief Castros an das Parlament

Marrero bezeichnete den Markt in seiner fast zweistündigen Rede vor dem Parlament als „Instrument für die effiziente Verteilung von Ressourcen“. Das sei jedoch keine Abkehr vom Sozialismus, sondern diene dessen Weiterentwicklung, erklärte er.

Das wesentliche Ziel sei es, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern. Hintergrund der Reformen ist die schwere Wirtschaftskrise auf der Karibik-Insel, die durch US-Sanktionen verschärft wurde. Diese führten zu einem Rückzug ausländischer Firmen und belasteten den wichtigen Tourismussektor.

Der langjährige Parteichef Castro, gegen den die USA im Mai eine Anklage wegen Mordes erhoben hatten, unterstützte die Pläne in einem Schreiben, das dem Politbüro und den Abgeordneten vorgelegt wurde. Er forderte darin eine rasche Umsetzung.

Zur Eröffnung des Obama-Centers in Chicago (US-Bundesstaat Illinois) haben sich zahlreiche Stars und frühere US-Präsidenten die Ehre gegeben – Amtsinhaber Donald Trump ist der Zeremonie gestern allerdings ferngeblieben.

Jennifer Hudson, John Legend, Common, und Stevie Wonder gemeinsam mit der Band „The Roots“
APA/AFP/Getty Images/Scott Olson

An der Einweihung des Obama Presidential Center, das sich dem Leben und politischen Wirken von Ex-Präsident Barack Obama widmet, nahmen US-Showgrößen wie die Musiker Stevie Wonder und Bruce Springsteen, Regisseur Steven Spielberg und Hollywood-Star Tom Hanks teil.

Aus Europa waren die frühere deutsche Regierungschefin Angela Merkel und der ehemalige italienische Regierungschef Matteo Renzi angereist. Merkel, die seit ihrer Zusammenarbeit während ihrer Regierungszeit ein gutes Verhältnis zu dem früheren US-Präsidenten pflegt, hatte Ende 2024 gemeinsam mit Obama ihre Memoiren in Washington vorgestellt.

Auch George W. Bush dabei

Die Eröffnungsfeier in Chicago war eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen sich die noch lebenden früheren US-Präsidenten an einem Ort versammelten. Neben Obamas Parteifreunden Bill Clinton und Joe Biden folgte auch der republikanische Ex-Präsident George W. Bush der Einladung.

Der frühere US-Präsident Barack Obama mit Familie und dem früheren U.S. Präsident Joe Biden
Reuters/Jonathan Ernst

Trumps Fehlen steht sinnbildlich für die tiefen politischen Gräben in den USA. Der Rechtspopulist übt regelmäßig Kritik an Obama und greift den ersten schwarzen Präsidenten der USA auch mit persönlichen Beleidigungen an.

Das Obama-Center liegt in der Nähe der Universität von Chicago, an der Obama einst Rechtswissenschaften unterrichtete. Nach seiner Zeit als Senator zog er 2009 ins Weiße Haus ein. Seine Präsidentschaft endete 2017 nach zwei Amtszeiten. Das Obama Presidential Center umfasst eine öffentliche Bibliothek, einen Basketballplatz sowie ein Museum. Anders als in den 15 anderen Präsidentenbibliotheken in den USA werden die Archive im Obama-Center digitalisiert.

Im afrikanischen Niger haben Dschihadisten nach Angaben des Verteidigungsministeriums den internationalen Flughafen in der Hauptstadt Niamey angegriffen.

Die schwer bewaffneten Angreifer seien in den Morgenstunden auf das Gelände vorgedrungen, hätten um sich geschossen und Explosionen ausgelöst, sagte General Salifou Mod gestern. Es kam zu Kämpfen mit Sicherheitskräften und zahlreichen Toten. Zu dem Angriff bekannte sich ein westafrikanischer Ableger des Terrornetzwerks al-Kaida.

Verteidigungs- und Sicherheitskräfte des westafrikanischen Sahel-Staats hätten das Gelände um den Diori-Hamani-Flughafen nach etwa einer Stunde wieder unter ihre Kontrolle bringen können, so Modi. Bei den Auseinandersetzungen seien elf Sicherheitskräfte, zwei Zivilisten sowie 22 Angreifer getötet worden, sagte Modi. Mehr als zwanzig Personen seien festgenommen worden. Angaben zur Identität der Täter machte der Minister nicht.

Bereits zweiter Angriff auf Flughafen

Bereits Ende Jänner hatte ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Flughafen in Niamey und die angrenzende Basis der Luftstreitkräfte angegriffen.

Der großteils in der Wüste gelegene Binnenstaat Niger hat rund 28 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen und ist eines der ärmsten Länder der Welt. Im Juli 2023 putschte sich das Militär an die Macht. Putschanführer General Abdourahamane Tiani, der eng mit Russland verbündet ist, wurde mittlerweile ohne Wahlen bis mindestens 2030 zum neuen Präsidenten erklärt.

Vor den Augen von Passagieren und Passagierinnen ist auf dem zweitgrößten Flughafen von Ecuador ein Drogenboss erschossen worden. Bei dem Getöteten auf dem Airport von Guayaquil handle es sich um Carlos Suastegui, den Anführer der Gang Las Aguilas, erklärte Innenminister John Reimberg gestern.

Ecuadorische Armee am Flughafen
Reuters/Cesar Munoz

Online verbreitete Videos zeigten einen jungen Mann, der einen anderen Mann in den Armen hält und ruft: „Hilfe, Hilfe! Mein Vater!“, während in der Nähe ein weiterer Mensch auf dem Boden liegt. Die Polizei nahm nach Angaben des Innenministers zwei verdächtige Jugendliche fest, zwei Schusswaffen wurden beschlagnahmt. Der Flughafen wurde zeitweise geräumt.

Ausnahmezustand in mehreren Provinzen

Gegen Suastegui wurde wegen Mordes, illegalen Waffenbesitzes und Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Nur einen Tag vor dem tödlichen Angriff auf den Drogenboss hatte der ecuadorianische Präsident Daniel Noboa wegen eines starken Anstiegs der Gewalt den Ausnahmezustand in zehn der 24 Provinzen des Landes verhängt.

Erbitterte Kämpfe zwischen Drogenbanden haben Ecuador zum gewalttätigsten Land Südamerikas gemacht. Im vergangenen Jahr lag die Mordrate nach Angaben des Innenministeriums bei 51 pro 100.000 Einwohnern und Einwohnerinnen, das entspricht einem Mord pro Stunde.

Das Land liegt zwischen den beiden weltgrößten Kokainproduzenten Kolumbien und Peru und hat sich zu einem wichtigen Transitland für den Drogenschmuggel Richtung USA und Europa entwickelt.

Krieg in Nahost

Der oberste geistliche und politische Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, hat das Rahmenabkommen mit den USA nach eigenen Worten nur unter Vorbehalten gebilligt.

Chamenei sagte laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA gestern, er sei grundsätzlich anderer Meinung gewesen, habe seine Zustimmung dann aber aus Verantwortung gegenüber der iranischen Nation und seiner Verbündeten erteilt. Der Iran warte jetzt auf die Erfüllung seiner Bedingungen. Künftige persönliche Verhandlungen bedeuteten nicht, dass der Standpunkt des Gegners akzeptiert werde.

Angeblich bei Angriff schwer verletzt

Der 56-Jährige war am 8. März zum Nachfolger seines Vaters Ali Chamenei ernannt worden, nachdem dieser eine Woche zuvor bei US-israelischen Luftangriffen in Teheran getötet worden war. Seit diesem Zeitpunkt trat der neue Revolutionsführer, der das formell höchste Amt im politischen System des Iran bekleidet, nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.

Dieses Ausbleiben öffentlicher Auftritte löste Spekulationen über seinen Gesundheitszustand aus. Es wurde kolportiert, dass Modschtaba Chamenei den Angriff schwer verletzt überlebte und weiterhin medizinisch behandelt wird. Eine unabhängige Bestätigung für entsprechende Berichte gibt es nicht.

Trump über Kritiker verärgert

US-Präsident Donald Trump sprach von einem „Sieg“ und teilte gegen Kritiker auch aus seiner Republikanischen Partei aus. Die Vereinbarung sei ein „Erfolg“ und sichere den Vereinigten Staaten „niedrigere Erdölpreise und den Sieg“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social.

Alles andere sei „Propaganda“ der oppositionellen Demokraten. Als Beleg verwies der US-Präsident auf steigende Börsenkurse. Bereits zuvor hatte er Kritiker des Iran-„Deals“ als „Dummköpfe“ bezeichnet.

Nach der Unterzeichnung des Rahmenabkommens für ein Ende des Iran-Krieges haben gestern mehrere Frachtschiffe die Straße von Hormus passiert. Bis zum frühen Abend hätten zumindest acht Frachter den Golf durch die Meerenge verlassen, teilte das Datenanalyseunternehmen Kpler, spezialisiert auf Rohstoff- und Schiffslogistik, mit.

Schiffe in der Straße von Hormus
APA/AFP/Amirhossein Khorgooei

Unter anderem passierten saudi-arabische Öltanker, die jeweils zwei Millionen Barrel Erdöl aus Saudi-Arabien transportierten, die Meerenge, teilte Kpler mit.

Die Zahl der Durchfahrten entsprach mit acht in etwa dem durchschnittlichen täglichen Verkehrsaufkommen der vergangenen Woche. Damit lag sie weiterhin deutlich unter den 120 Durchfahrten pro Tag, die vor Ausbruch des Krieges verzeichnet wurden, wie das Magazin „Lloyd’s List“, das über Schifffahrt und Seehandel berichtet, meldete.

Auch französisches Schiff durchfährt Meerenge

Nach Positionsangaben auf der Website MarineTraffic war unter den Frachtern auch das unter französischer Flagge fahrende, mit Flüssigerdgas (LNG) beladene Schiff „Mraikh“. Der Frachter gehört zur französischen Tochtergesellschaft des norwegischen Unternehmens Knutsen OAS Shipping und hat Kpler zufolge 76.535 Tonnen in Katar geladen. Diese sollten nach Pakistan transportiert werden.

Seit Kriegsbeginn am 28. Februar haben laut Kpler insgesamt nur 15 LNG-Transportschiffe den Persischen Golf mit einer Ladung verlassen. Alle hatten LNG aus Katar oder den Emiraten an Bord.

Israel weitet seine militärische Kontrolle im Libanon ungeachtet internationaler Kritik weiter aus. Wie eine gestern veröffentlichte Karte des israelischen Militärs zeigte, sind die Truppen mehrere Kilometer tiefer in den Libanon vorgedrungen.

Sie operieren unter anderem nahe der Hisbollah-Hochburg Nabatija nördlich des Litani-Flusses. Im April hatte das Militär noch eine Karte mit einer kleineren Pufferzone veröffentlicht.

In Widerspruch zu Abkommen

Die Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schloss zudem Angriffe jenseits dieses Gebiets nicht aus. Das steht im Widerspruch zu den Bedingungen eines zuletzt geschlossenen Abkommens zwischen den USA und dem Iran, das die Achtung der Souveränität des Libanon fordert.

Ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter erklärte, Israel führe zähe Verhandlungen mit der US-Regierung, um seine Truppen zehn Kilometer tief im Südlibanon stationiert zu lassen. Damit solle die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz bekämpft werden.

Die von den USA und dem Iran vereinbarte 60-tägige Frist für weitere Verhandlungen hat nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance gestern offiziell begonnen. Der Stellvertreter von US-Präsident Donald Trump teilte das vor Journalisten und Journalistinnen in Washington mit.

„Wir gehen davon aus, dass diese technischen Verhandlungen im Laufe dieses Wochenendes beginnen. Das ist weiterhin der Plan, das könnte sich jedoch ändern“, so Vance.

Knackpunkt Hormus

In den Gesprächen soll es um die Zukunft der Straße von Hormus gehen. Die wichtige Versorgungsroute für Öl und Gas müsse mautfrei sein, bekräftigte Vance die US-Position. Inzwischen passierten wieder mehrere Frachtschiffe die Straße von Hormus.

In einer vorläufigen Absichtserklärung hatten sich Trump und die iranische Führung darauf verständigt, die schwierigsten Fragen auf eine spätere Verhandlungsphase zu verschieben.

Inland

Nach der Grundsatzeinigung zwischen Bund und Ländern über die Finanzierung der geplanten Senkung der Dienstgeberbeiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) um einen Prozentpunkt ab 2028 hat das Finanzministerium gestern nun Details bekanntgegeben.

Bekannt war bereits, dass die Länder ein Drittel der entstehenden Lücke im FLAF übernehmen (200 Mio.). Diese erhalten die lange geforderten Mittel aus dem EU-Wiederaufbau- und Resilienzplan (RRF) (166 Mio.). Die Einigung sei am Mittwoch „in mehrstündigen Gesprächen“ zwischen Vertretern von Bund, Ländern und Gemeinden erfolgt, hieß es gestern in einer Aussendung aus dem Finanzressort.

Die ab 2028 geplante Senkung der Lohnnebenkosten umfasse ein Volumen von zwei Mrd. Euro, diese führe zu einem Minus im Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) in Höhe von etwa 600 Mio. Euro. In den Gesprächen einigte man sich darauf, dieses Minus gemeinsam zwischen Bund, Ländern und Gemeinden auszugleichen.

Finanzministerium: Mehreinnahmen für Gemeinden

Wie schon zuvor mitgeteilt, beteiligen sich die Länder und Gemeinden mit 200 Mio. Euro pro Jahr an der Finanzierung. Der Bund übernimmt zwei Drittel der Kosten. Bestätigt wurde, dass die Finanzierung nur bis zum Ende der laufenden Finanzausgleichsperiode gilt – also befristet für das Jahr 2028. Eine Weiterführung der Regelung darüber hinaus soll Teil der Verhandlungen zum nächsten Finanzausgleich (ab 2029) sein.

Festgehalten wurde seitens des Finanzministeriums, dass den Ländern und Gemeinden durch die Maßnahmen im Doppelbudget 2027/2028 Mehreinnahmen zugutekommen. Zudem stellt der Bund den Ländern einen Investitionszweckzuschuss in der Höhe von 166,86 Mio. Euro zur Verfügung. Zur Stärkung der Gemeinden wird noch im Jahr 2026 ein Infrastruktur-Investitionspaket in der Höhe von 30 Mio. Euro auf den Weg gebracht.

„Schulterschluss zwischen Bund und Ländern“

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) sprach von einem „fairen Modell zur Aufteilung der Finanzierung“ der „größten Senkung der Lohnnebenkosten, die es in Österreich je gegeben hat“. Von einem „Schulterschluss zwischen Bund und Ländern“ und einem „wichtigen Signal für den Standort“ sprach Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) betonte, man ziehe „an einem Strang“, diesen „gesamtstaatlichen Reformgeist“ brauche es jetzt auch in der „Reformpartnerschaft“.

Landeshauptleute-Konferenz-Vorsitzender und Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) freute sich über einen „erfolgreichen Abschluss“ der Verhandlungen. Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl (ÖVP) betonte, dass es angesichts der Finanzlage vieler Gemeinden „kein leichter Schritt“ gewesen sei, dass sich auch die Gemeinden beteiligen müssen.

Im Pilnacek-Untersuchungsausschuss ist gestern der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, befragt worden. Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Justizsektionschefs Christian Pilnacek in der Donau bei Rossatz habe er an das Kabinett des Innenministeriums weitergegeben.

Die folgenden Ermittlungen liefen aus seiner Sicht „ordnungsgemäß“ ab, sagte Ruf. Auch der niederösterreichische Polizeichef Franz Popp verteidigte zuvor seine Beamten. Aufregung gab es neuerlich um Schulungen des Ministeriums.

Aus der Politik habe er sonst niemanden informiert und auch selbst keine Aufträge erteilt, sagte Ruf. Politischen Einfluss auf ihn bzw. die Ermittlung hat er nicht wahrgenommen. Die umstrittenen Schulungen für Beamte vor dem U-Ausschuss wollte Ruf nicht überbewerten. „Es war so nichts Ungewöhnliches.“ Aus Fürsorge für Mitarbeitende sei das Vorgehen vertretbar, Ähnliches gebe es auch bei anderen Fällen.

Kritik an Schulungen vor U-Ausschuss

Immer wieder wurde zuletzt Kritik am Innenministerium laut, nämlich dass die zahlreichen geladenen Polizisten auf den U-Ausschuss vorbereitet wurden. SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer zeigte sich bestürzt, dass der U-Ausschuss anscheinend in diesen Schulungen als „politisches Tribunal“ dargestellt wurde.

Auch der Vorsitzende Walter Rosenkranz (FPÖ) meinte sinngemäß, dass die Bezeichnung des U-Ausschusses als Tribunal noch Kreise ziehen könnte. Zum Abschluss seiner Befragung von FPÖ-Abgeordneten Gernot Darmann danach gefragt, fühlte sich Popp nicht an ein Tribunal erinnert.

Der Freiheitliche ortete in den Schilderungen des Landespolizeidirektors einen Skandal. Der U-Ausschuss sei nicht nur bei den Schulungen als „politisches Tribunal“ dargestellt worden, sondern auch in den Unterlagen als solches bezeichnet worden. Dabei handle es sich um das Wording von ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger, kritisierte Darmann am Rande der Sitzung vor Journalisten und Journalistinnen.

Deshalb habe man die Schulungsunterlagen vom Innenministerium angefordert, „Innenminister Karner (Gerhard, ÖVP, Anm.) ist diesem Ansuchen aber nicht nachgekommen.“ Sollte Karner dem Ansuchen nicht nachkommen, werde man notfalls bis vor den VfGH ziehen.

Ausschuss kurz vor Sommerpause

Popp betonte, dass er sich für die Schulungen eingesetzt habe. Allgemein habe die Polizei zudem an Ort und Stelle ihre Aufgaben erfüllt und ordentlich gearbeitet, meinte Popp. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft sei offensichtlich zufrieden gewesen und habe die Ermittlungen eingestellt.

Der U-Ausschuss wird die Befragung von Auskunftspersonen auch im Herbst fortsetzen. Darauf haben sich die fünf Fraktionen verständigt. Insgesamt wurden zwischen 16. September und 3. November sieben weitere Sitzungstermine vereinbart. Nach weiteren Befragungen nächste Woche geht der Ausschuss in die Sommerpause.

IT

Die Bürgerservice-App ID Austria hat neue Funktionen erhalten: So wird ab sofort die mobile Nutzung von Vollmachten unterstützt. Nutzerinnen und Nutzer können sich damit erstmals mobil in Vertretung einer anderen Person bei digitalen Services anmelden.

Auch die digitale Ausweisplattform eAusweise ist mit dem neuesten Update nun direkt vom Startbildschirm der App erreichbar. Ab Ende Juli 2026 steht zudem mit ida ein KI-basierter Chatbot zur Verfügung.

Der „Relaunch“, den der zuständige Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) gestern in einer Pressekonferenz präsentierte, erleichtere Verwaltungswege für Familien, Angehörige, Unternehmen und berufliche Vertretungen. So ermögliche zum Beispiel die mobile Vollmacht die Abholung von Medikamenten für Angehörige. Voraussetzung bleibt allerdings eine Registrierung beider Personen bei der ID Austria.

Pröll: Kein Wildwuchs bei Bürgerservice-Apps

Neu ist auch ein in der ID-Austria-App integrierter Link zu den digitalen Ausweisen, die sich aber nach wie vor separat öffnen. Beide Anwendungen bleiben also vorerst bestehen. Wildwuchs bei den Bürgerservice-Apps werde es aber nicht geben, betonte Pröll. Er verfolgt das langfristige Ziel, mehrere Apps künftig zu einer zu fusionieren.

Der Chatbot ida wiederum wird sowohl in der App, als auch auf Websites wie oesterreich.gv.at ab Ende Juli dieses Jahres vertreten sein. Die digitale Assistenz ist als erster Schritt für weitere KI-basierte Services in der Verwaltung vorgesehen. In künftigen Ausbaustufen soll ida Bürgerinnen und Bürger nicht nur informieren, sondern – auf ausdrücklichen Wunsch und mit klarer Freigabe – auch bei digitalen Behördenwegen unterstützen.

Kultur

Nach rund 200 Jahren ist die Restaurierung des westlichen Giebels des Parthenon auf der Akropolis von Athen abgeschlossen. Außerdem wurden die äußeren Gerüste an der Westseite des antiken Tempels endgültig entfernt. Damit ist die Westfassade erstmals seit mehr als zwei Jahrhunderten wieder vollständig sichtbar, wie die griechische Kulturministerin Lina Mendoni gestern mitteilte.

Touristen vor dem Akropolis
Reuters/Louisa Gouliamaki

Der Westgiebel wurde durch den Einbau von zwei rekonstruierten Stützen und die Wiederherstellung einer Stützmauer architektonisch wieder zusammengeführt. Die Arbeiten waren Teil eines umfassenden Restaurierungsprogramms, das teilweise aus Mitteln des EU-Wiederaufbaufonds finanziert wurde. Die ersten Renovierungsarbeiten hatten auf der Akropolis Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen.

Mendoni sprach von einem „historischen Moment“ für das Monument und den weltweiten Kulturerbeschutz. Die Arbeiten seien technisch äußerst anspruchsvoll gewesen und hätten höchste Präzision erfordert. Ziel sei es gewesen, die architektonische Einheit des Giebels so weit wie möglich wiederherzustellen. Teile der erhaltenen antiken Elemente seien konserviert und wieder eingesetzt worden, fehlende Bestandteile habe man aus neuem Marmor ergänzt, so die Ministerin weiter.